|
|
Hannoversche Erklärung gegen illegale Verfolgung von Greifvögeln in Niedersachsen Adler faszinieren die Menschen mit ihrer Farbenpracht, Anmut, Kraft und den herausragenden Flug-
und Beutefangleistungen. Greifvögel bereichern die biologische Vielfalt in Niedersachsen. Unsere heimischen Greifvogelarten unterliegen dem Schutz der EG-Vogelschutzrichtlinie und auf nationaler Ebene
dem Jagdrecht, dem Natur- und Artenschutzrecht sowie dem Tierschutzrecht. Greifvögel genießen aufgrund ihrer Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit in Niedersachsen eine ganzjährige Schonzeit und
dürfen daher nicht bejagt werden. Neben der Belastung mit Umweltgiften (insbesondere dem Pflanzenschutzmittel DDT) und der Beeinträchtigung ihrer Brutlebensräume und Horstplätze waren bei vielen Arten
über Jahrhunderte die gezielte und vehemente Verfolgung durch den Menschen eine der Hauptursachen für zum Teil extreme Bestandsrückgänge bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Einige Arten, wie zum
Beispiel Seeadler und Fischadler, wurden bis vor Kurzem in der Roten Liste der Brutvogelarten Niedersachsens als "ausgestorben" geführt. Greifvögel wurden lange Zeit als
"Schädlinge" verfemt. Ihre gezielte Verfolgung war über Jahrhunderte gesellschaftsfähig und wurde sogar staatlich unterstützt. Erst in den 1970er Jahren setzte ein Umdenken ein mit der
Überzeugung, dass Greifvögel unersetzliche Glieder im filigranen Gefüge des Naturhaushaltes sind. Durch das Verbot von Umweltgiften, den Schutz vor direkter Verfolgung, intensive Betreuung der
Horstplätze und durch gezielte Verbesserung der Lebensstätten konnten sich zahlreiche Greifvogelarten dank intensiver staatlicher und ehrenamtlicher Schutzbemühungen von ihrem Bestandstief erholen.
Die Ökologische Bedeutung und Funktion der Greifvögel als wichtiger Bestandteil der heimischen Natur trifft heute allgemein auf Verständnis und breite Akzeptanz in der Bevölkerung. In den letzten
Jahren mehren sich jedoch Berichte über Einzelfälle illegaler Greifvogelverfolgungen - leider auch in Niedersachsen. Die drei jüngsten Fälle vergifteter und geschossener Seeadler in Niedersachsen
belegen, dass die über Jahrzehnte ausgestorbenen und erst seit Kurzem als Brutvogel nach Niedersachsen zurückgekehrten majestätischen Vögel trotz der Aufgeklärtheit und der Sympathie in der
Gesamtbevölkerung der Verfolgung durch unbelehrbare Einzeltäter ausgesetzt sind - und das im 21. Jahrhundert. Das Aufkeimen längst überwunden geglaubter Verfolgungsaktivitäten gibt Anlass zu großer
Sorge. Denn kaum haben sich die Bestände unserer imposantesten Greifvogelart dank der langjährigen und unermüdlichen Schutzarbeit vieler beruflich und ehrenamtlich tätiger Naturschützer, Waldbesitzer,
Jäger und Förster erholt, drohen dem Seeadler neuerliche Bestandseinbrüche. Die Verfolgung ohne staatliche Ausnahmegenehmigung zum Beispiel mit Gift, Fallen und Waffen ist nach dem Jagdrecht und dem
Naturschutzrecht eine Straftat, die mit empfindlichen Strafen bis hin zum Freiheitsentzug von fünf Jahren geahndet werden kann.
Es wird in Niedersachsen nicht geduldet, dass die Erfolge im
Greifvogelschutz von Kriminellen zunichte gemacht werden! Im Gegenteil: Die niedersächsischen Greifvogelbestände bedürfen weiteren aktiven Schutzes. Die Ministerien werden entsprechend auf die
zuständigen Behörden einwirken. Das erklären gemeinsam: Hannover, den 27. März 2007
Hans-Heinrich Sander
Niedersachsischer Umweltminister
Hans-Heinrich Ehlen Niedersachsischer Landwirtschaftminister
Hans Jörg Helm Vorsitzender des NABU Landesverbandes Niedersachsen e.V.
Prof. Dr. Dr. Klaus Pohlmeyer Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.
Dr. Reinhard Löhmer Stellv. Vorstandsvorsitzender des BUND Landesverbandes Niedersachsen e.V.
Herwig Zang Vorsitzender der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung e.V.
Peter Görke Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen
|
|
|
|
Pressemitteilung 38/2007 des Nieders. Umweltministeriums
Hannover. Neuere Fälle von vergifteten und geschossenen Seeadlern sorgen für große Beunruhigung bei Arten- und
Tierschützern, der Landesjägerschaft sowie bei Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen und Umweltminister Hans-Heinrich Sander. Um deutlich zu machen, dass das Töten von Greifvögeln kein Kavaliersdelikt ist,
sprachen sich Umweltminister, Landwirtschaftsminister, Landesjägerschaft sowie Naturschutzorganisationen gegen die Verfolgung dieser majestätischen Herren der Lüfte aus. Sie trafen sich, um heute (Dienstag)
gemeinsam in Hannover eine Resolution gegen das Töten von Seeadlern und anderen Greifvögeln zu unterzeichnen.
Sander appellierte: "Wir müssen einem Wiederaufkommen solcher Verfolgungsaktivitäten, wie sie
früher leider Gang und Gäbe waren, entgegenwirken! Wir werden nicht dulden, dass die Arbeit der vielen haupt- und ehrenamtlichen Greifvogelschützer, die nach Jahren harter Arbeit erste Früchte trägt, zunichte
gemacht wird!"
Lange Zeit wurden Greifvögel fälschlicherweise als "Schädlinge" betrachtet. Dieses Vorurteil verleitete Einige dazu, Arten wie Fisch- und Seeadler in Niedersachsen zu jagen.
Heute gibt es in Niedersachsen, nachdem die Seeadler bis Ende der 1980er Jahre in Niedersachsen nicht mehr siedelten, wieder 20 Brutpaare. Erst durch zahlreiche staatliche und ehrenamtliche Aktivitäten hat der
Bestand erfreulicherweise wieder zugenommen.
"Wer geschützte Tiere, wie Seeadler, vergiftet oder abschießt, begeht eine Straftat. So jemand muss mit allen Mitteln verfolgt werden. Sein Handeln wird von
uns nicht akzeptiert", ergänzte Minister Ehlen.
Der Vorsitzende des NABU Niedersachsen, Hans-Jörg Helm stellte heraus: "Der ehrenamtliche Naturschutz hat hier in den letzten Jahren hervorragende
Arbeit geleistet. Der NABU unterstützt dies besonders durch das Seeadlerprojekt in Gartow. Wer einmal diesen wunderbaren Vogel beobachtet hat, vergisst dies nie!".
Der stellvertretende Vorsitzende des
BUND Niedersachsen, Dr. Reinhard Löhmer, argumentiert des Weiteren: "Greifvögel bereichern die biologische Vielfalt in Niedersachsen und sind wichtige Glieder im Naturhaushalt. Es ist wichtig, dass alle
Anstrengungen unternommen werden, dass Adler und andere Greifvögel in Niedersachsen erfolgreich brüten. Wenn diese Bemühungen zunichte gemacht und Arten ausgerottet werden, ist dies nicht hinnehmbar."
Der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachen, Prof. Dr. Klaus Pohlmeyer sagte: "Adler sind zu Recht geschützt. Die Verfolgung von Greifvögeln ist nach dem Jagd- und Naturschutzrecht verboten und wird als
Straftat auch mit Freiheitsstrafe geahndet."
"Unbelehrbare Einzeltäter wissen nun, dass Behörden, Verbände und Ehrenamtliche eng zusammenarbeiten und illegale Aktivitäten zur Anzeige bringen"
betont der Vorsitzende der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung, Herwig Zang.
"In den letzten Jahren sind wir unserem Ziel näher gekommen, in Niedersachsen einen stabilen, sich selbst tragenden
Brutbestand des Seeadlers zu erreichen. Gemeinsam werden wir dafür Sorge
tragen, dass die Adler ungestört brüten und ihren Nachwuchs aufziehen können", unterstreicht Peter Görke, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz.
unterzeichnete Erklärung als PDF-Datei
|
|