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Vogelmonitoring in der Normallandschaft - ein ehrgeiziges Projekt von NOV und Staatlicher Vogelschutzwarte in den Startlöchern
Seeadler, Kranich und Wanderfalke – Wir wissen genau, wie sich die Bestände dieser spektakulären Großvögel in Niedersachsen entwickeln. Aber was ist mit Sumpfrohrsänger, Gartenbaumläufer oder
Gelbspötter? Über die Bestandsentwicklung noch häufiger Brutvögel existieren nur lokal kleinflächige Untersuchungsreihen, obwohl Niedersachsen auch für diese Arten aufgrund seines hohen Bestandsanteils innerhalb
Deutschlands besondere Verantwortung trägt. Die NOV hat sich daher für 2003 vorgenommen, ein langfristiges Überwachungsprogramm der Bestandsentwicklung häufiger Brutvögel in der Normallandschaft Niedersachsen zu
starten. In Zusammenarbeit mit der Staatlichen Vogelschutzwarte (NLÖ) wird zunächst ein Konzept entwickelt, das die alljährliche Erfassung von fundierten und für das gesamte Bundesland repräsentativen Daten nach
standardisierter Erfassungsmethode zum Ziel hat. In anderen europäischen Ländern wie Großbritannien und der Schweiz laufen landesweite Monitoringprogramme bereits sehr erfolgreich. In Deutschland wäre
Niedersachsen das erste Bundesland mit einem landesweiten Programm zur systematischen Erfassung der Vogelwelt in der Normallandschaft. Die Daten sollen gleichzeitig auch für das bundesweite Monitoring des
Dachverbandes Deutscher Avifaunisten (DDA) zur Verfügung gestellt werden und dieses in Niedersachsen bezüglich seiner Repräsentativität oder der Zahl der Probeflächen weiter verbessern, so dass durch eine mehrfache
Nutzung einmal erhobener Daten eine hohe Effektivität möglich wäre. Detail des Programms können zwar erst im Laufe der nächsten Wochen abschließend geklärt werden, aber es ist jetzt schon klar, dass auf der
Basis einer geschichteten Zufallsstichprobe über das Land verteilte, vorgegebene Probeflächen alljährlich (möglichst) durch den gleichen Beobachter bearbeitet werden sollen. Dabei wird eine Feldmethode angewandt,
die einen Kompromiss zwischen einer zeitaufwändigen Siedlungsdichte-Untersuchung und den einfachen, aber zufallsanfälligen Erhebungen mittels Strichlisten wie bei der Punkt-Stopp-Zählung bedeutet. Ehrgeiziges
Ziel der NOV ist in einem ersten Schritt die alljährliche Bearbeitung von ca. 100 Untersuchungsflächen, die die naturräumlichen Regionen und charakteristischen Lebensräume in Niedersachsen repräsentieren. Ein
solches Projekt kann ohne die Mithilfe ehrenamtlicher Bearbeiter nicht umgesetzt werden. Aber die Koordination und zentrale Auswertung muss auf professioneller Basis erfolgen, um das Projekt solide auszuarbeiten und
dann möglichst frühzeitig Ergebnisse vorlegen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung stellen zu können. Für den Start im Jahr 2003 ist eine entsprechende finanzielle Absicherung gewährleistet.
In die Auswahl sollen auch regional bereits laufende Untersuchungen integriert werden. Deshalb ist als erster Schritt wichtig, bereits laufende und alljährlich wiederholte Kartierungen einzubinden, unabhängig ob
alle bzw. eine Auswahl von Brutvogelarten auf Probeflächen erfasst wurden. Nach einer Analyse der mit laufenden Untersuchungen bereits abgedeckten Lebensräume werden die ab 2003 neu zu bearbeitenden Probeflächen
ermittelt. Diese sollen dann an möglichst in der Nähe wohnenden Kartierer verteilt werden. Bei Entfernungen von mehr als 50 km zwischen Wohn- und Kartiergebiet können die Fahrtkosten voraussichtlich erstattet werden.
Fazit: Die NOV braucht gleich dreimal Ihre Mithilfe:
- 1.Die Mitteilung, auf welchen „eigenen“ Probeflächen (z. B. im Rahmen des DDA-Monitoring) regelmäßig Brutvögel gezählt werden,
- 2.durch die Bereitschaft, die eigenen Daten für die Auswertung innerhalb dieses Projektes zur Verfügung zu stellen,
- 3.durch die Bereitschaft, mit der Übernahme einer neuen Probefläche zum Gelingen dieses Gemeinschaftsprojektes beizutragen. Der Zeitbedarf dürfte grob geschätzt bei 3-5 Vormittagen pro Jahr
liegen.
Vor Beginn der Kartierungen wird es Treffen der „alten“ und „neuen“ Kartierer geben, um Einzelheiten zu erörtern. Neueinsteiger sind sehr willkommen. Das skizzierte Projekt „Vogelmonitoring in der
Normallandschaft Niedersachsens“ bietet der NOV und den niedersächsischen Vogelkundlern die Chance, auf diesem Gebiet Vorreiter in Deutschland zu werden. Dabei sind diese systematischen Zählungen kein Selbstzweck.
Niedersachsen wäre das erste Bundesland mit einem landesweiten Frühwarnsystem für bedenkliche Entwicklungen bei noch häufigen Vogelarten und würde damit auch über die Landesgrenzen hinaus wirken können. Bei
frühzeitig erkannten Negativtrends sind die Aussichten, erfolgreich durch Natur- und Artenschutzmaßnahmen reagieren zu können, wesentlich besser als zu einem Zeitpunkt, wenn Arten schon augenfällig selten geworden
sind. Eindrückliche Beispiele dafür sind Kiebitz und Haussperling. Helfen Sie durch Ihre Teilnahme an diesem Grundlagenprojekt mit, den Zustand unserer einheimischen Vogelwelt auch außerhalb von Schutzgebieten
verlässlich beurteilen und auf sicherer Basis erhalten zu können! Kontakt für Meldungen über laufende Untersuchungen sowie Bereitschaft, eine neue Probefläche zu übernehmen:
Alexander Mitschke, Alexander.Mitschke@ornithologie-niedersachsen.de , Hergartweg 11, 22559 Hamburg, 040 – 81 95 63 04, Volker Laske, volker.laske@t-online.de , Bergtal 8, 38640 Goslar, 05321 - 21400,
Thorsten Krüger, Staatliche Vogelschutzwarte – NLÖ, Göttinger Str. 14, 30449 Hannover, 0511 - 4446-385, Jürgen Ludwig, j.ludwig@online.de , Mühlenstr. 9, 21755 Hechthausen, 04774 - 607.
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