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Aufruf zur landesweiten Wachtelkönig-Erfassung 2004
Der Wachtelkönig wird landes- und bundesweit auf den Roten Listen als im Bestand stark gefährdete Brutvogelart eingestuft und im
Anhang 1 der EU-Vogelschutzrichtlinie aufgeführt. Vor dem Hintergrund der internationalen Bestandsgefährdung soll in Kooperation zwischen NOV und Staatlicher Vogelschutzwarte im NLÖ im Jahr 2004 eine landesweite
Erfassung des Wachtelkönigbestandes erfolgen. Ziel der Kartierung in Niedersachsen ist es, ein möglichst umfassendes und aktuelles Bild über Bestand, Verteilung und Habitatnutzung des Wachtelkönigs zu erhalten.
Dafür sind wir auf Sie und Ihre Mitarbeit angewiesen.
Für den Zeitraum um 1985 ging man von 220-340 Rufern in Niedersachsen aus, eine aktuellere Bestandsschätzung weist 400 Rufer aus (1999, s. Rote Liste
Niedersachsen, SÜDBECK & WENDT 2002). Bundesweit wird nach BAUER u.a. (2002) ein Bestand von 2000 bis 3100 Rufern angegeben. Als Schwerpunktlebensräume wurden in Niedersachsen/Bremen bislang folgende
Regionen ermittelt: Ems-Leda-Jümme-Niederung; Unterelbe; Hohes Moor/Rübker Moor; Ilmenaumündung; Mittelelbe; Wümme-Hammeniederung; Unterweser mit Hunte- und Ochtumniederung; Ochsenmoor / Dümmerniederung;
Meerbruchwiesen; Aller/Drömling, Düpenwiesen; Leineniederung/Polder Salzderhelden. Für diese Gebiete liegt eine Bestandsschätzung von mindestens 300 bis maximal 650 Rufer für den Zeitraum 1995 bis 1999 vor
(BIOLOGISCHE STATION OSTERHOLZ 2000, unveröff.). Ein weiterer Anteil der Population verteilt sich über zerstreute Vorkommen in kleinen Flußauen (z. B. Mittelweser, Schwinge, Oste), in Bachtälern (z. B. Billerbeck,
Drepte) oder in Acker-Komplexen der Marschen, Moor- und Talsandniederungen (z.B. Breddorfer Niederung). Auch wenn diese Zahlen im wesentlichen auf Teilflächenzählungen beruhen und damit nur Einschätzungen der
Bestände darstellen, zeichnet sich in den letzten Jahren eine Bestandszunahme ab. Diese ist für einzelne Schutzprojekte belegt und direkt auf Schutzmaßnahmen zurückzuführen. Parallel zur Zunahme in Schutzgebieten
ist eine Ausbreitung der Art in überwiegend ackerbaulich genutzte Niederungen (z. B. Rheiderland) zu verzeichnen. Neben der Verbesserung in den Schutzgebieten wirken sich anscheinend noch weitere Faktoren aus.
Grundsätzlich gilt, daß möglichst zwei Begehungen der jeweiligen Gebiete in den genannten Zeiträumen im Abstand von mindestens 10 Tagen
stattfinden sollen. Wenn jedoch nur wenig Zeit vorhanden ist oder nur wenige Personen zur Erfassung bereit sind, sollte (vor allem in größeren Gebieten mit bekannten Vorkommen) wenigstens eine Erfassung vorzugsweise im Juni durchgeführt werden. Statt einer zweiten Begehung sollten dann vorrangig bisher nicht regelmäßig oder gar nicht untersuchte potentielle Vorkommensgebiete kontrolliert werden, bevor diese unbearbeitet bleiben. Auch Nichtvorkommen mögen bitte gemeldet werden.
Es sind auch Daten aus den Vorjahren ab 2000 willkommen, um eine möglichst vollständige Übersicht der Verbreitung geben zu können, die dann auch unregelmäßige Vorkommen einschließt. Vor der Kartiersaison
werden mögliche regionale Koordinatoren / Koordinatorinnen gezielt angesprochen bzw. sie können sich auch gerne selbst zur Verfügung stellen. Interessierte werden gebeten, frühzeitig (bis Ende April) die von ihnen
übernommenen Gebiete zu benennen, um Doppelbearbeitungen ebenso wie Erfassungslücken zu vermeiden. Um eine möglichst zeitnahe Darstellung der Ergebnisse zu ermöglichen, wird darum gebeten, die Daten möglichst bis
Ende September an die Koordinatoren zu senden.
Mit der landesweiten Koordination sind folgende Personen betraut: Karsten Schröder & Tasso Schikore,
BIOS; Lindenstraße 40; 27711 Osterholz-Scharmbeck, Tel.: 04791 / 89 617 bzw. Fax: 04791 / 89 325, E-Mail: info@bios-ohz.de
(Schwerpunkt: Naturräumliche Regionen Watten und Marschen, Ostfriesisch Oldenburgische Geest, Stader Geest, Lüneburger Heide und Wendland).
Markus Richter; Naturschutzring Dümmer e.V.; Am Ochsenmoor 52; 49448 Hüde; Tel.: 05443/1367; Fax: 05443/2707; E-Mail: naturschutzring.duemmer@t-online.de ; www.naturschutzring-duemmer.de (Schwerpunkt: Ems-Hunte-Geest und Dümmer-Geestniederung;
Weser-Aller-Flachland; Börden; Osnabrücker Hügelland; Harz)
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Steckbrief: Wachtelkönig Crex crex
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Lebensraum Großräumige, offene bis halboffene Niederungslandschaften; Niedermoore, Marschen, auch ackerbaulich geprägte Flussauen und Talauen des Berglandes; Feuchtwiesen mit
hochwüchsigen Seggen, Wasserschwaden oder Rohrglanzgrasbeständen, in landseitigen, lockeren Schilfröhrichten größerer Gewässer im Übergang zu Riedwiesen; ebenso in randlichen Zonen von Niederungen in
der Wechselzone von feuchten zu trockeneren oder in anmoorigen Standorten, dort auf Wiesen mit hochwüchsigen Grasbeständen oder in Brachen (selten Gewerbebrachen); seltener auf Äckern (in
Norddeutschland gebietsweise häufig v.a. Luzerne, Winterweizen und -gerste), im Bereich von Klärteichen und Regenwasserrückhaltebecken. In Mittelgebirgen auf Getreide- und Rapsäckern, auf trockenen
Kalkhängen sowie Bergwiesen.
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Brutbiologie Bodenbrüter; Neststand bei ausreichender Vegetationshöhe mitten in Wiesen oder Feldern, bei unzureichender Deckung an deren Rand im Bereich von niedrigen
Gebüschen, Feldhecken oder einzelnen Bäumen; Reviergründung und Nistplatzwahl durch das W.; Einzelbrüter, sukzessive Polygamie, 1-2 Bruten, Nachgelege; Gelege: (6)7-12(14) Eier, Brutdauer: 16-19
Tage; Junge mit 34-38 Tagen flügge; W. brüten und führen.
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Phänologie Jahresperiodik: Langstreckenzieher; Ankunft im Brutgebiet ab Angang Mai bis Ende Mai; Reviergründung und Paarbildung gleich nach Ankunft, höchste Rufaktivität
zwischen Mitte Mai und Ende Juni; Eiablage ab Mitte Mai bis Anfang Juli, Zweitgelege bis Anfnag August; Jungvögel sind ab Mitte Juni zu erwarten. Tagesperiodik: tag- und nachtaktiv; Rufaktivität
teilweise ununterbrochen während der ganzen Nacht (unverpaarte M.), Hauptrufaktivität in der ersten Nachthälfte, gelegentlich tagsüber (verpaarte M. und während der Reviergründungsphase
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Erfassung Zählung rufender Männchen (M.)
- Einsatz von Klangattrappen nur in Gebieten erforderlich, in denen ein Vorkommen vermutet wird und noch kein Nachweis vorliegt bzw. kein Vogel von sich aus ruft. Die Rufplätze sollten auf Tageskarten (1:25.000 oder größer) punktgenau vermerkt werden.
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Empfohlene Termine 1. Ende Mai bis Anfang Juni (21.5. bis 10.6.; Zählung rufender M.); 2. Mitte bis Ende Juni (11.6. bis 30.6.; Zählung rufender M.); darüber hinaus
sollen auch Daten von Gelegenheitsbeobachtungen aus der Periode Anfang Mai bis Anfang Juli gemeldet werden. Günstige Erfassungszeit: nicht vor 23.00 Uhr und bis 3 Uhr, möglichst bei windarmer,
milder Witterung.
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Auswertung Brutzeitfeststellung: einmalige Feststellung eines rufenden M. von Angang Mai bis Anfang Juli im potenziellen Bruthabitat. Brutverdacht: zweimalige Feststellung
rufender M. von Anfang Mai bis Ende Juli im mindestens 7-tägigen Abstand; an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen tagsüber balzende (rufende) M. von Anfang Mai bis Anfang Juli. Brutnachweis:
insbesondere Junge führende Altvögel - Lockrufe, Rufe der Jungvögel (Nachweis sehr selten); bei Wiesenmahd aufgescheuchte junge Wachtelkönige.
Meldebogen: Bitte benutzen Sie möglichst die speziellen Wachtelkönig-Meldebögen, die (auch als pdf-Version) bei den Koordinatoren und der Staatlichen Vogelschutzwarte im NLÖ erhältlich sind.
Ein Kartenausschnitt mit dem bearbeiteten Gebiet und punktueller Lokalisierung der Wachtelkönig-Reviere (einschl. Brutzeitfeststellungen) sollte unbedingt beigefügt werden. Bitte möglichst jedem
Revierpunkt in der Karte einen Biotop-/Strukturtyp zuweisen. Struktur-/Biotoptypen: A = Acker (ggf. Feldfrucht); B = Brache; G = Grünland (ggf. Wiese / Weide); R = Ried/Röhricht/Verlandungszonen
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Besondere Hinweise Große Populationen in Flussniederungen sollten mit mehreren Personen synchron erfasst werden. Wind sowie Regen wirken hemmend auf die Rufaktivität.
Kontrollpunkte sollten nicht weiter als 500 m auseinanderliegen, mindestens 5 Min. an jedem Beobachtungsstop warten. Einsatz von Klangattrappen nur in Gebieten, in denen ein Vorkommen vermutet wird
und noch kein Nachweis vorliegt bzw. kein Vogel von sich aus ruft. Durch Einsatz von Klangattrappen werden Rufer angelockt, daher Klangattrappen sofort nach der ersten Rufreaktion abschalten!
Rufende Altvögel sind teilweise über 1 km weit zu hören und v.a. bei Wind schwer zu lokalisieren. Der Rufort sollte mittels Kreuzpeilung von zwei unterschiedlichen Standpunkten aus bestimmt werden.
Vorsicht bei Rufern in Waldnähe. Das Echo täuscht leicht einen zweiten Rufer vor. M. können im Laufe der Brutsaison ihre Rufplätze wechseln und sich mehrfach verpaaren. Die Bestände können in
Abhängigkeit vom Wasserstand starke jährliche Schwankungen aufweisen. Balz-, Nistrevier und Aufzuchtrevier sind nicht immer identisch; Familienverbände können größere Strecken zurücklegen (500
m/Tag). Im Juni beginnt die Rufaktivität häufig erst spät in der Nacht (ab 23.00 Uhr - Sommerzeit). Brutnachweise anhand der Registrierung von Lockrufen (Nestnähe) sowie Lautäußerungen der zunächst
rein schwarzen Jungen (sehr leise - max. 30 m hörbar!) sind möglich.
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Literatur zum Wachtelkönig BIOLOGISCHE STATION OSTERHOLZ (2000, unveröff.): "Wachtelkönig in der Naturschutzforschung", - 12.1.2000, Resumée einer
Vortragsveranstaltung und Diskussion über Forschungsergebnisse aus der Wümmeniederung in der Biologischen Station Osterholz.
KOFFIJBERG, K. & J. NIENHUIS (2003): Kwartelkoningen in het
Oldambt een onderzoek naar de populatiedynamiek, habitatkeuze en mogelijkheden tot beschermingsmaatregelen in akkers. Sovon-onderzoekrapport 2003/04. Groningen.
KOFFIJBERG, K. (2003):
Wachtelkönigkartierung im Rheiderland, Landkreis Leer, im Jahr 2002. OVO-Mitteilung 1 (Ornithologischer Verein Ostfrieslands): im Druck.
SCHÄFFER, N. (1994): Methoden zum Nachweis von Bruten
des Wachtelkönigs Crex crex. Vogelwelt 115: 69-73.
SCHÄFFER, N. (1995): Rufverhalten und Funktion des Rufens beim Wachtelkönig Crex crex. Vogelwelt 116:141-151.
SCHÄFFER, N. & U.
LANZ (1997): Aufruf zur Erfassung von Wachtelkönig-Vorkommen in Deutschland. Vogelwelt 118: 248-250.
SCHÄFFER, N. (1999): Habitatwahl und Partnerschaftssystem von Tüpfelralle (Porzana porzana)
und Wachtelkönig (Crex crex). Ökologie der Vögel Bd. 21, Heft 1.
SCHOPPENHORST, A., S. PFÜTZKE, W. EIKHORST, G. KEMPF & R. ROTTMANN (1999): Populationsökologische Analyse der
Wachtelkönigvorkommen in den Wümmewiesen (Bremer Becken) - Projektbericht 1998. - Gutachten im Auftrag des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern.
SUDMANN, S.R., SUDFELDT, C., GLINKA, S.,
JÖBGES, M. & G. ZIEGLER (2002): Methodenanleitung zur Bestandserfassung von Wasservogelarten in Nordrhein-Westfalen, Teil 1: Brutbestände. Charadrius 38: 26-92.
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