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Niedersächsische Ornithologische Vereinigung e.V.

NOV-Mitteilungen, Nr. 11, März 2003

Liebe Mitglieder,
die avifaunistische Arbeit durchläuft derzeit in Niedersachsen - allen randlichen Widrigkeiten zum Trotz - eine sehr dynamische, positive Entwicklung. Dies ist insbesondere der aktiven Mitarbeit unserer Mitglieder an den Erfassungsprogrammen zu verdanken. Zu Beginn der diesjährigen Brutsaison möchten wir mit diesem Rundschreiben auf die laufenden Projekte hinweisen und um Mitarbeit werben.
Das "Monitoring häufiger Brutvögel in Niedersachsen" ist im letzten Jahr mit über 100 Probeflächen sehr erfolgreich gestartet. Unter Federführung des DDA soll das Programm ab dieasem Jahr auch bundesweit eingeführt und etabliert werden. In Niedersachsen  möchten wir das Programm in diesem Jahr ausdehnen und suchen für weitere Probeflächen neue Mitarbeiter.
Zudem sollen in diesem Jahr - erneut in enger Kooperation mit der Staatlichen Vogelschutzwarte im NLÖ - Wachtelkönig und Heidelerche möglichst vollständig, landesweit erfaßt werden. Auch dazu finden Sie in diesen Mitteilungen nähere Informationen.
Interessenten wenden sich bitte möglichst bald an die jeweiligen Koordinatoren.
Bereits jetzt möchten wir auf die nächste Jahrestagung der NOV hinweisen. Diese wird am 4./5. September 2004 in St. Andreasberg (Kurhaus) im Harz stattfinden. Schwer-punktthemen werden 30 Jahre Vogelerfassung in Niedersachsen, Waldvögel und der Nationalpark Harz sein. Wir bitten, den Termin vorzumerken. Einladung und Programm werden mit den nächsten Mitteilungen verschickt.
Vorstand der NOV

 

 

 

Protokoll der NOV-Jahresversammlung am 6./7. September 2003 in Norden

Die Jahresversammlung 2003 fand auf Einladung der "Ornithologischen Vereinigung Ostfrieslands" (OVO) und des NABU Ostfriesland im Weiterbildungszentrum der Kreisvolkshochschule Norden statt.

Die Jahresversammlung begann am 6. September um 10.00 Uhr mit dem wissenschaftlichen Vortragsprogramm, das unter dem Motto "Wattenmeer und Wattenmeervögel" stand.
Zu Beginn der Tagung konnte Herwig Zang als 1. Vorsitzender der NOV ca. 90 Mitglieder und Gäste begrüßen. Er gab in seiner Eröffnungsrede einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Ornithologie im Wattenraumraum und speziell in Ostfriesland.

Anschließend sprach Matthias Bergmann für die OVO ein Grußwort, in dem er v. a. auf die Entwicklung der OVO einging, die erst 1999 gegründet wurde. Die OVO wird im nächsten Jahr u.a. mit der Herausgabe einer regionalen Zeitschrift versuchen, die avifaunistische Arbeit in Ostfriesland noch intensiver zu fördern.

Prof. Dr. Rudi Drent (Groningen, NL) gab dann in seinem Übersichtsreferat einen eindrucksvollen Einstieg in das Thema: "Was macht das Wattenmeer so bedeutsam für Zugvögel? Zugstrategien und Ökologie der Wattenmeervögel". Am Bespiel insbesondere der Arten Schnee-, Kurzschnabel-, Ringel- und Nonnengans erläuterte er sehr anschaulich aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse zu den Zugstrategien dieser Arten. Dabei ging er u. a. auch auf die komplexen Auswirkungen diverser anthropogener Störungen und Eingriffe auf den Zug der Gänsearten ein, z. B. auf den Zusammenhang der Mai-Körpermassen der Ringelgänse im Wattenmeer und den Reproduktionserfolg in der folgenden Brutperiode. Er unterstrich die Wichtigkeit von Forschungsarbeiten auf der individuellen Ebene und die Bedeutung von (Farb-) Markierungsprojekten. Eindringlich appellierte er an alle anwesenden Feldornithologen, die Ablesungsaktivität v. a. an Nonnen- und Ringelgänsen an den niedersächsischen Küsten noch zu intensivieren. Hier gibt es noch erhebliche Lücken. Meldungen von farbmarkierten Nonnengänsen sammelt henk.vanderjeugd@ukgateway.net.

Bernd Oltmans vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (Betriebsstelle Aurich) referierte über "Die Vogelwelt der Leybucht unter sich stark verändernden ökologischen Rahmenbedingungen". Die Zusammensetzung der Vogelwelt hat sich in der Leybucht nach Eindeichungsarbeiten erheblich verändert. Die Entwicklungen zeigten auch, wie falsch fachliche Prognosen liegen können wie sie z.B. im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses hinsichtlich der Säbelschnäblervorkommen getroffen wurden. Die Prognose ging von keinen nennenswerten Beeinträchtigungen der Art durch den Eingriff aus. Tatsächlich hat der Säbelschnäbler in der Leybucht aber von ca. 1.400 BP (1980) auf ca. 400 BP (2003) abgenommen. Die Art brütet aktuell fast nur noch innendeichs, wobei sich die fehlenden Nahrungsräume für die Jungtiere sehr negativ auf den Bruterfolg auswirken. Während einige Arten das Gebiet mittlerweile (fast) ganz verlassen haben (z.B. Uferschnepfe, Lachmöwe) hat andererseits das Artenspektrum insgesamt zugenommen. Von den Veränderungen haben z.B. einige Singvogelarten (Schafstelze, Wiesenpieper, Rohrammer) profitiert. Der Referent unterstrich die Bedeutung von begleitenden und vertiefenden Untersuchungen, der Möglichkeit einer gewissen Flexibilität bei der Eingriffskompensation, der Betreuung von Schutzgebieten sowie von Renaturierungsmaßnahmen außendeichs.

Nach einer Mittagspause stellte Dr. Gregor Scheiffarth vom Institut für Vogelforschung (Wilhelmshaven) Ergebnisse seiner Dissertation vor: "Zugstrategien der Pfuhlschnepfe. Je schneller an`s Ziel desto besser?" Im Wattenmeer halten sich während der Zugperioden zwei Unterarten der Pfuhlschnepfe auf, die sich hinsichtlich der Zugstrategien (Anwesenheit, Rastdauer) unterscheiden: Limosa l. lapponica (aus Nordskandinavien) und L. l. taymyrensis (aus Nordrussland).
Thorsten Krüger (Staatliche Vogelschutzwarte/NLÖ) referierte dann über "Die Bedeutung der niedersächsischen 12-sm-Zone für die Avifauna. Nach einer einleitenden kurzen Beschreibung der Methodik und Problemen bei der Erfassung von Vögeln auf See gab er einen Überblick über die laufenden Projekte. Aus dem Datenpool des NLÖ stellte er einige Verbreitungskarten von Seevögeln (u.a. der Seetaucher, Eiderente) aus der Nordsee vor. Diese Daten sind von hoher naturschutzfachlicher Relevanz z.B. bei der Auswahl von Europäischen Vogelschutzgebieten und der Bewertung von potentiellen Eingriffsprojekten (Windkraft). Nach den Verbreitungskarten lassen sich in der 12-sm-Zone in der Nordsee eindeutig Schwerpunkträume abgrenzen, die dringend geschützt werden sollten.

Anschließend berichtete Dr. Helmut Kruckenberg (Verden) über "Strategien im Gänseschutz in Niedersachsen". Im Mittelpunkt standen dabei Ergebnisse seiner Arbeiten aus Ostfriesland, die z.T. zwischenzeitlich in den "Vogelkundlichen Berichten aus Niedersachsen" nachzulesen sind (Band 35, Heft 1, 2003).

Nach einer kurzen Kaffeepause beendete Alexander Mitschke (Hamburg) das wissenschaftliche Vortragsprogramm mit seinem Beitrag zum "Monitoring von Vogelbeständen der Normallandschaft in Niedersachsen". Das neue NOV-Projekt ist gleich im ersten Jahr hervorragend angelaufen; insgesamt konnten mit 106 sogar mehr als die erhofften 100 Probeflächen vergeben werden. Der Referent stellt das Projekt und die Methodik kurz vor, um dann erste Zwischenergebnisse zu präsentieren. Abschließend warb er um weitere Mitarbeiter ("Jeder der mitmachen will, soll mitmachen können") und bedankte sich bei allen Mitarbeitern für die Teilnahme.

NOV - Mitgliederversammlung

TOP 1: Gegen 17.00 Uhr eröffnet Herwig Zang die Mitgliederversammlung der NOV. Er begrüßt die anwesenden 50 Mitglieder und 6 Gäste (siehe Teilnehmerliste) und stellt die ordnungsgemäße Einladung und Beschlussfähigkeit fest.
H. Zang teilt der Versammlung mit, dass die NOV Hartmut Heckenroth die Ehrenmitgliedschaft anbieten möchte und stellt in einer Laudatio die langjährigen und herausragenden Verdienste von H. Heckenroth für die NOV heraus. Mit starkem Applaus der Versammlung begleitet die Versammlung die Glückwünsche an das neue Ehrenmitglied. H. Heckenroth bedankt sich für die Ehrenmitgliedschaft und bei allen Mitstreitern für die Unterstützung seiner Bemühungen um den Vogelschutz in Niedersachsen, wobei er angesichts des Tagungsortes stellvertretend Herrn T. Mennebäck erwähnt.

TOP 2: Das Protokoll der letzten Mitgliederversammlung (siehe NOV-Mitt. 9/2003) wird einstimmig angenommen.

TOP 3: Frank Allmer und Christine Horn stellen - als Nachtrag zur letzten Mitgliederversammlung - den Kassenprüfungsbericht 2001 vor.  Sie bescheinigen eine korrekte Kassenführung. Die Kassenführung wird für das Jahr 2001 darauf hin einstimmig entlastet.

TOP 4: H. Zang bittet die Anwesenden, sich zum Gedenken der im letzten Jahr verstorbenen Mitglieder zu erheben.
Dann gibt er den Jahresbericht des Vorstandes, der v.a. folgende Punkte enthält:
Projekt: Monitoring häufiger Vogelarten (s.o.)
Avifauna: Der nächste Band wird die Drosseln (67 Arten) behandeln. Die Arbeiten daran werden im kommenden Winter abgeschlossen.
Vogelkdl. Berichte aus Niedersachsen: ein Themenheft mit den Referaten des 4. See- und Küstenvogelkolloquiums ist in Vorbereitung.
Die von J. Ludwig betreute homepage erfreut sich steigender Beliebtheit (derzeit ca. 1.600 Zugriffe/Monat).
Die Mitgliederzahl ist auf aktuell 801 gestiegen (incl. Bezieher VBN)
Eine neues Faltblatt ist in Vorbereitung.
Avifaunistische Kommission Niedersachsen: A. Degen kündigt den nächsten Bericht für 2004 an.
Geschäftsstelle: J. Melter stellt den Diskussionsstand und die finanziellen Rahmenbedingungen vor; als Ergebnis der Gespräche im Vorstand sollte vorerst die mittelfristige Sicherung des neuen MonitoringProjektes für die NOV die oberste Priorität genießen.
Kartierungen: 2003 wurden Ziegenmelker, Schwarzmilan und Sperbergrasmücke erfasst.
V. Blüml stellt die Zwischenergebnisse der Ziegenmelker-Kartierung vor, die er im Auftrag der NOV koordiniert: über 100 Melder lassen einen Gesamtbestand von ca. 1.300-1.400 Revieren vermuten.
F.U. Schmidt berichtet über die Ansiedlung der NOV-Bibliothek in der Uni-Bibliothek Göttingen: Die NOV finanziert die Katalogisierung des Bestandes, der wahrscheinlich ab Ende 2004 dort für Interessenten verfügbar ist.
P. Südbeck berichtet über die Gründung der Stiftung "Vogelmonitoring Deutschland" am 16.8.2003 in Chemnitz und über ein vom BMU/BFN gefördertes Projekt zum Vogelmonitoring
Zu den verschiedenen Punkten findet in der Versammlung eine z.T. ausführliche Diskussion statt.

TOP 5: U. Röhrs stellt den Kassenbericht für das Jahr 2002 vor (siehe Anlage). Aus der Versammlung werden keine weitere Fragen gestellt.

TOP 6: Ch. Horn und F. Allmer bescheinigen als Kassenprüfer eine korrekte, übersichtliche und sparsame Kassenführung und beantragen die Entlastung des gesamten Vorstandes.

TOP 7: Der Vorstand wird einstimmig bei 6 Enthaltungen entlastet. Der Vorstand schlägt - in Ergänzung der Tagesordnung - vor, den Jahresbeitrag nicht zu verändern; dieser Antrag wird einstimmig angenommen.

TOP 8: Auf Vorschlag von P. Südbeck sollen 2004 spezifische landesweite Erfassungen der Heidelerche und des Wachtelkönigs durchgeführt werden; weitere Einzelheiten sollen im Frühjahr 2004 festgelegt werden.
Verschiedenes:
Es wird auf die Internationale Goldregenpfeifer-Zählung am 11. und 12.10.2003 hingewiesen und um Teilnahme gebeten.
G. Scheiffarth kündigt an, dass auf Einladung des IfV die nächste Tagung der Wader Study Group am 4.-7.11.2004 in der HÖB in Papenburg stattfinden wird.

Die nächste NOV-Jahrestagung wird am 4./5. September 2004 in St. Andreasberg (Harz) stattfinden.

Mit einem Dank an die Organisatoren in Norden (v.a. M. Bergmann, H. Kruckenberg, Ch. Kowallik), alle Redner, Mitglieder und Gäste schließt H. Zang um 18.15 Uhr den offiziellen Teil der Mitgliederversammlung.
Nach dem köstlichen und opulenten Abendessen in der Tagungseinrichtung folgten ab 20.00 Uhr etwa 50 Personen dem Lichtbildervortrag von K.-E. Heers (Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer) zum Thema "Vögel des Wattenmeeres: Bedeutung, Gefährdung und Schutz im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer".

Exkursion am 7. September 2003
An der morgendlichen von B. Oltmanns hervorragend vorbereiteten und organisierten Busexkursion an die Kleipütten bei Hauen und in die Leybucht nahmen ca. 40 Personen teil. Unter guten Wetterbedingungen konnte dort eine Vielzahl an Vögeln beobachtet werden, u.a. Löffler, etliche Wat- und Wasservogelarten, Wasserrallen, Bartmeisen etc.. Gegen 13.00 Uhr wurden die Teilnehmer nach Rückkehr in Norden von H. Zang verabschiedet und zum Besuch in den Harz (September 2004) eingeladen, mit dem Hinweis, dass die Vielzahl an leistungsstarken Spektiven dort wegen der vielen Bäume nicht zwingend erforderlich seien...

Osnabrück, 14. September 2003

J. Melter (Schriftführer) & H. Zang (1. Vorsitzender)

 

Kampfläufer-Zählung 2004

Die internationale "Wader Study Group" plant in diesem Jahr - wie bereits 1997, 1998 und 2001 - die Frühjahresrastbestände des Kampfläufers möglichst europaweit zu erfassen. Dazu hat die WSG folgende Zähltermine (verlängerte Wochenenden) festgelegt:

18. - 22. März 2004
1. - 5. April 2004
15. -19. April 2004
30. April - 3. Mai 2004
13. - 17. Mai 2004

Wir bitten deshalb, alle Kampfläufer - Beobachtungen in diesem Frühjahr (auch außerhalb der angegebenen Zeitfenster) zu notieren (Datum, Ort, Anzahl, Geschlechter-Anteile, evtl. Anmerkungen zum Rast- und Schlafplatz etc.) und uns zu melden. Wir sammeln die Daten für Niedersachsen und leiten diese dann an die WSG weiter. Bitte senden Sie die Meldungen an: Dr. Johannes Melter, Bohmter Str. 40, 49074 Osnabrück, Tel.: 05406-7040, e-mail: bio-consult.os@t-online.de

Die Wader Study Group tagt in diesem Herbst i.ü. vom 5.-7. November in Papenburg (siehe Vogelkdl. Ber. Nie-dersachs. 35: 191). Dort werden auch die Ergebnisse der Kampfläufer-Zählung vorgestellt.

 

NOV-Bibliothek

Die Einrichtung des NOV-Bibliothek in der Universität Göttingen macht Fortschritte. Unter der Adresse "www.sub.uni-goettingen.de" finden sich unter dem Stichwort "Aktuelles" weitere Hinweise (die Abkürzung FMAG steht dort für Freihandmagazin). Weitere Informationen bei: Frank-Ulrich Schmidt, Tel.: 05191-13302, e-mail: f.u.schmidt@t-online.de
 

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last updated: 21.03.2004