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Landesweite Braunkehlchen-Erfassung 2008
In Kooperation zwischen NOV und Staatlicher Vogelschutzwarte im NLWKN soll im Jahr 2008 eine landesweite Erfassung des Braunkehlchen-Brutbestandes erfolgen. Ziel der Kartierung ist es,
ein möglichst aktuelles Bild über Bestand, Verbreitung und Habitatwahl des Braunkehlchens zu erhalten. Die Ergebnisse der Erfassung werden in den Vogelkundlichen Berichten aus Niedersachsen veröffentlicht.
Das Braunkehlchen war ehemals im gesamten Niedersachsen verbreitet, seit mehreren Jahrzehnten gehen die Bestände kontinuierlich zurück (Suter 1988, Bastian & Bastian 1996, Richter
2004). In den letzten Jahren hat ein weiterer starker Bestandsrückgang eingesetzt. Hiervon sind auch Vorkommen in Schutzgebieten betroffen, ohne dass die Ursachen hierfür unmittelbar zu erkennen sind. Gleichzeitig
deutet sich in manchen Gebieten eine Verschiebung in den genutzten Lebensräumen an. Zunehmend werden Acker- und Grünlandbrachen besiedelt, die strukturreichen Grünlandgebiete als traditioneller Lebensraum werden
geräumt (z. B. Plinz 2002). Mit dem Boom der nachwachsenden Rohstoffe und dem Umbruch von Stilllegungsflächen sind aktuell gerade die Brachen, aber auch die verbliebenen Grünlandflächen in starkem Rückgang
begriffen, so dass weitere Bestandseinbußen zu befürchten sind. Negative Auswirkungen des Klimawandels sowie Probleme in den Durchzugs- und Überwinterungsgebieten sind ebenfalls zu erwarten, angesichts stabiler
Bestände in manchen Gebieten als alleinige Rückgangsursachen aber nicht wahrscheinlich.
Koordination
Der Brutbestand soll durch systematische Bearbeitung der geeigneten Gebiete möglichst vollständig und flächendeckend erfasst werden. Dafür sind wir auf Sie und Ihre Mitarbeit
angewiesen.
Mit der landesweiten Koordination wurde betraut:
Dr. Markus Richter, Naturschutzring Dümmer e.V., Am Ochsenmoor 52, 49448 Hüde, Tel.: 05443 1367, E-Mail: Naturschutzring.Duemmer@t-online.de
Vor der Kartierung werden mögliche regionale Koordinatorinnen und Koordinatoren gezielt angesprochen bzw. können sich auch gerne selbst melden. Weiterhin sollen alle aktiven
ADEBAR-Kartierer angesprochen werden. Interessierte werden gebeten frühzeitig die von ihnen übernommenen Gebiete zu benennen, um Doppelbearbeitung ebenso wie Erfassungslücken zu vermeiden.
Aufgrund der oben geschilderten Entwicklungen sind aktuelle Daten besonders wichtig. Auch Meldungen von Nichtvorkommen, insbesondere in ehemals besiedelten Gebieten, sind unbedingt
erwünscht
Meldungen aus früheren Jahren (2003-2007) sind ebenfalls von Interesse. Zur Rekonstruktion der Bestandsentwicklung sind langjährige Datenreihen besonders wertvoll.
Für die Meldung der Daten steht ein spezieller Meldebogen zur Verfügung, der auf dem Postweg oder per E-Mail verschickt oder hier heruntergeladen werden kann.
Meldebogen Excel-Format pdf-Version
Die landesweite Erfassung soll möglichst genaue Bestandszahlen sowie die Verbreitung des Braunkehlchens auf der Basis von Punktkarten der Reviere liefern. Deshalb werden alle
ADEBAR-Mitarbeiter, die Braunkehlchen in ihren Bearbeitungsgebieten festgestellt haben, gebeten, ggf. im Gelände genaue Bestandszahlen und Revierpunkte zu ermitteln und auf dem Braunkehlchen-Meldebogen festzuhalten.
Steckbrief: Braunkehlchen (Saxicola rubetra)
Lebensraum: Offene Landschaften mit strukturreicher Vegetation. Wichtig sind Ansitzwarten (Hochstauden, Weidezäune, einzelne Gehölze) und bodennahe
Deckung (Nestbau). Wichtige Lebensraumtypen sind durch Weidenzäune und Staudensäume an Gräben und Wegrändern gegliederte Grünlandgebiete sowie nicht oder nur gering verbuschte Brachen aller Art. Auch entsprechend
strukturierten Hochmooren, sporadisch auch Heiden, jungen Aufforstungen und Äcker werden besiedelt.
Brutbiologie: Bodenbrüter; Nest am Boden gut versteckt in dichter Vegetation in direkter Umgebung einer Sitzwarte.
1 Jahresbrut, bei Verlust regelmäßig Ersatzgelege, Zweitbruten selten. Gelege 5-7 Eier, Brutdauer 11-13(15) Tage, W. brütet alleine; Nestlingsdauer 11-15 Tage. Nest wird oft vor dem Flüggewerden verlassen.
Phänologie: Langstreckenzieher, Heimzug von A/M 4 bis E 5, Hauptdurchzug um A 5, meist in kleinen Trupps. Hauptgesangsperiode M 4 bis A 6, flügge Jungvögel
in Niedersachsen ab M/E 6 bis M 8, Reviere werden nach Flüggewerden der Jungvögel meist rasch geräumt. Wegzug ab A 8, Hauptdurchzug E 8 bis A 9.
Erfassung: In der Hauptsache Kartierung singender M., einzelner und verpaarter Individuen, daneben Warnen in Nestnähe, Futter tragende Altvögel und Familien.
Termine: 1. M 5 (Gesang, Nestbau); 2. E 5 bis A 6 (Gesang, Nestbau, warnende und fütternde Altvögel); 3. A/M 6 bis E 6 (Gesang, warnende und fütternde Altvögel)
Wenn jedoch nur wenig Zeit zur Verfügung steht, sollte die Anzahl der Durchgänge auf zwei Begehungen im Zeitraum von M 5 bis M/E 6, davon mindestens eine im
Juni, reduziert werden und dafür weitere potentielle Vorkommensgebiete kontrolliert werden. Günstige Tageszeit: 4 Std. ab Sonnenaufgang, 3 Std. vor Sonnenuntergang
Auswertung: Brutnachweis: Nestbau, fütternde Altvögel, Familie mit flüggen Jungvögeln im vorher erfassten Revier zwischen A 5 und E 7.
Brutverdacht: zweimalige Feststellung eines singenden M., einzelner oder verpaarter Individuen im Abstand von mindestens 7 Tagen. Einmalige Feststellung eines singenden M. oder eines Paares im Juni oder
warnender Altvogel. Brutzeitfeststellung: Anwesende Einzelvögel im Juni
Besondere Hinweise: Durch zeitlich versetztes Eintreffen der einzelnen Paare sowie die starke zeitliche
Überlappung von Durchzug und Brutperiode ist die Zuordnung zu Brutbestand oder Durchzug nicht immer einfach. Kleine Trupps (ohne diesjährige Jungvögel) sind
Durchzügler. Einmalige Beobachtung revieranzeigenden Verhaltens ist deshalb nur ab Anfang Juni als Brutverdacht zu werten. Familien mit flüggen Jungvögeln
verlassen meist rasch das Brutrevier und tauchen an Stellen auf, an denen keine Bruten stattgefunden haben. Sie sind deshalb nur als Brutvögel zu werten, wenn
vorher mindestens eine weitere Beobachtung im selben Gebiet stattgefunden hat. Wurden im weiteren Umfeld (bis 3 km) vorher keinerlei Braunkehlchen beobachtet,
sollten sie dennoch mit einem entsprechenden Vermerk gemeldet werden, da es sich dann um vorher übersehene Paare handeln dürfte. Eine Kontrolle ehemals besiedelter Gebiete vor dem eigentlichen Kartierzeitraum
kann hilfreich sein, um festzustellen, ob überhaupt noch geeignete Habitate vorhanden sind.
Habitatwahl: Braunkehlchen werden häufig an Nutzungsgrenzen oder Saumstrukturen beobachtet, ohne dass unmittelbar klar ist, welche Bedeutung
(Neststandort, Nahrungshabitat) die einzelnen Flächen für die Art haben. In der Spalte „Biotoptypen“ sollten in diesen Fällen der Einfachheit halber die jeweils
angrenzende(n) Fläche(n) eingetragen werden, z.B. G/B bei Beobachtung eines Braunkehlchen auf einem Zaun zwischen einer Grünlandfläche (G) und einer
Brache (B). Wesentliches Ziel der Abfrage der genutzten Biotoptypen ist die Frage, in welchem Umfang Braunkehlchen (noch) Grünlandflächen besiedeln.
Meldebogen: Bitte möglichst nur den Braunkehlchen-Meldebogen verwenden. Ein Kartenausschnitt mit dem bearbeiteten Gebiet und den vermuteten
Reviermittelpunkten unbedingt beifügen. Pro Revier bitte eine Zeile ausfüllen, Revierpunkte durchnummerieren und Biotoptypen zuweisen. Bitte nur Brutzeitfestellungen aus dem Juni melden.
Literatur: Andretzke, H., T. Schikore & K. Schröder (2005): Artsteckbrief Braunkehlchen. In: Südbeck P. u.a. (Hrsg.): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel
Deutschlands. S.516-517, Radolfzell.
Bastian, A. & Bastian, H.-V. (1996): Das Braunkehlchen: Opfer der ausgeräumten Kulturlandschaft. Sammlung Vogelkunde im AULA-Verlag, Wiesbaden.
Plinz, W. (1989): Das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) im Kreis Lüchow-Dannenberg – Verbreitung-Rückgang-Schutzmaßnahmen. Lüchow-Dannenb. orn. Jber. 12: 5-29.
Plinz, W. (2002): Punktkartierungen im Kreis Lüchow-Dannenberg: Wiesenpieper (Anthus pratensis), Schafstelze (Motacilla flava) Braunkehlchen (Saxicola rubetra)
, Heidelerche (Lullula arborea), Ortolan (Emberiza hortulana) und Grauammmer (Miliaria calandra). Lüchow-Dannenb. orn. Jber. 15/16: 511-536.
Richter, M. (2005): Braunkehlchen – Saxicola rubetra. In: Zang, H. & H. Heckenroth & P. Südbeck (2005): Die Vögel Niedersachsens, Drosseln,
Grasmücken, Fliegenschnäpper. Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachs. B, H. 2.9: 87-101.
Richter, M. & H. Düttmann (2004): Die Bedeutung von Randstrukturen für den Nahrungserwerb des Braunkehlchens (Saxicola rubetra) in Grünlandgebieten der
Dümmerniederung (Niedersachsen, Deutschland). Vogelwelt125: 89-98.
Suter, W. (1988): Saxicola rubetra – Braunkehlchen. In: Glutz v. Blotzheim, U. & Bauer, K. M. (Hrsg.). Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Bd. 11/1: 392-446, Wiesbaden.
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