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Niedersachsenweite Haubentaucherkartierung
Der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und der NABU koordinieren 2001 eine bundesweite Erfassung des Haubentaucherbrutbestandes.
Für Niedersachsen wird die Koordination von der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung (NOV) – in bewährter Abstimmung mit der Staatlichen Vogelschutzwarte Niedersachsen -
übernommen.
Die letzte flächendeckende Kartierung des Haubentauchers in Niedersachsen wurde 1974 durchgeführt. Damals wurde von H. Zang unter Mithilfe zahlreicher Ornithologen ein Bestand von 720-830
Brutpaaren für Niedersachsen und Bremen ermittelt. Dieses Jahr ist der Haubentaucher zum Vogel des Jahres ernannt worden, ein Anreiz den Bestand nach immerhin 26 Jahren erneut aufzunehmen.
Ziel der Kartierung in Niedersachsen ist es, ein möglichst umfassendes Bild über den Brutbestand und die Brutverteilung des Haubentauchers zu erhalten. Da die meisten Vögel vermutlich an
den “großen” Gewässern brüten, sollten diese in erster Linie kontrolliert werden. Aber auch die zahlreichen kleineren Gewässer ab etwa 1 ha Größe, wie z.B. Baggerseen etc. können in der Summe einen nicht
unbeträchtlichen Teil des Bestandes beherbergen.
Bitte sprechen Sie sich in Ihren Arbeitsgebieten untereinander ab. Für die Betreuung der einzelnen Landkreise bzw. kreisfreien Städte werden potentielle Regionalkoordinatoren noch direkt
angesprochen; Interessenten melden sich bitte bei Ulrike Marxmeier, Am Ochsenmoor 40, 49448 Hüde, Tel. 05443/1367, Fax 05443/ 2707, email: naturschutzring.duemmer@t-online.de.
Methodik
Für die Erfassung des Brutbestandes sollten 2 Kontrolldurchgänge in der Hauptbrutzeit durchgeführt werden:
1. Termin: 15.04. – 01.05.
2. Termin: 15.05. – 15.06.
Ende April sind die Haubentaucher überwiegend mit der Brut beschäftigt, z.T. führen sie schon Küken. Im Mai/Juni werden die meisten Gelege geschlüpft sein. (Weitere Hinweise zur Kartierung,
s. u.)
Die Durchführung weiterer Kontrollen und die Bearbeitung folgender Fragestellungen bleibt dem jeweiligen Erfasser überlassen:
- Welche Niststrukturen standen dem Haubentaucher an den Gewässern zur Verfügung? (Abschätzung des Röhrichtzonenanteils etc., s. Erfassungsbogen)
- Waren die Vögel Störungen ausgesetzt ? Wenn ja, welchen (z.B. Freizeitnutzung)?
- Wie hoch war der Bruterfolg?
Nach Abschluß der Erfassung sollte möglichst bis Ende September vorliegen:
- Eine topografische Karte, aus der hervorgeht, welche Gewässer untersucht wurden mit Angabe des betreffenden Meßtischblattes (TK 25) bzw. des Meßtischblatt-Quadranten.
- Eine Ergebnistabelle, auf der Informationen zum Gewässer, der Brutbestand und möglicherweise noch weitere Informationen aufgeführt sind (Erfassungsbogen: Haubentaucherkartierung 2001 in
Niedersachsen, siehe Anlage)
Bitte schicken Sie beides an: Ulrike Marxmeier, Am Ochsenmoor 40, 49448 Hüde, Tel. 05443/1367, Fax 05443/ 2707, email: naturschutzring.duemmer@t-online.de .
Wenn Sie Fragen zur Kartierung haben oder erfahren möchten, wer Ihr Regionalbetreuer ist, können Sie sich ebenfalls an Ulrike Marxmeier wenden. Dort können auch weitere NOV-Mitteilungen und Erfassungsbögen bezogen werden.
Allgemeine Informationen
Die Ankunft
der Haubentaucher im Brutgebiet kann sich über mehrere Wochen erstrecken. Manche Vögel treffen schon im Februar, andere erst im April an ihrem Brutgewässer ein. Die Verpaarung kann bereits im Überwinterungsgebiet stattfinden.
Die Brutperiode
erstreckt sich auf die Monate März bis September. Bruten im März sind eher selten. Bei den Bruten in den Monaten Juli bis September handelt es sich meist um Nach- oder Zweitgelege. Die Hauptbrutzeit liegt somit normalerweise in den Monaten April bis Juni. Bei einer Erfassung des Bestandes im April können Durchzügler, im Juni dagegen Umsiedler, die an einem anderen Gewässer mit ihrer Brut gescheitert sind, die Erfassung des Brutbestandes erschweren.
Haubentaucher besiedeln Gewässer ab einer Größe von 1 ha. Voraussetzung für eine Brut ist das Vorhandensein von Strukturen, die eine Befestigung des Schwimmnestes
erlauben. Bevorzugt wird im Röhricht gebrütet, doch auch Äste, die ins Wasser hängen oder See- und Teichrosenteppiche etc. werden zur Nestanlage genutzt. Nester im Röhricht liegen oft gut versteckt. Bei günstigen
Nahrungsbedingungen kann es zu einem kolonieartigen Brüten kommen.
Die Aufzucht der Küken aus der Erstbrut - Küken werden bis zu 11 Wochen geführt - erstreckt sich bis in die Monate Juli und August. Im August kann es zu einem Zuzug von flüggen Jungvögeln
aus anderen Brutgebieten kommen.
Hinweise zur Kartierung
Der Brutbestand wird in erster Linie über Brutnachweise bzw. Brutverdachte ermittelt.
Brutverdacht:
- Ein Paar oder ein Einzelvogel hält sich in der Nähe der Ufervegetation auf. Es kann zum Angriff auf andere Haubentaucher kommen (Revierverhalten, s. aber Anmerkungen).
- Ein Haubentaucher verschwindet in der Ufervegetation (womöglich mit Nistmaterial), oder ein Haubentaucher kommt aus der Ufervegetation hervor.
Brutnachweis:
- Nest bzw. brütender Altvogel (durch Sichtbeobachtung, ohne Störung der Uferbereiche),
- Küken oder nicht flügge Jungvögel (sehr junge Küken sind oft unter einem stark aufgewölbten Rückengefieder des Altvogels versteckt),
- Altvogel, der Futter - in der Regel ein Fisch - im Schnabel transportiert,
- Bettelrufe von Jungvögeln (wichtig vor allem bei schlecht einsehbaren Gewässern).
Anmerkungen:
Von der Beobachtung eines balzenden Haubentaucherpaares kann nicht unbedingt auf eine Brutansiedlung geschlossen werden, da es sich bei den Vögeln auch um Durchzügler handeln kann.
Bei Einzelbrutplätzen zeigen Haubentaucher oft Revierverhalten. Brüten sie dagegen in einer Kolonie wird nur noch der enge Nestbereich gegen Artgenossen verteidigt. Da es manchmal zu einer
Aufteilung der Haubentaucherfamilien kommt, kann ein jungeführender Altvogel nicht unbedingt mit einem Brutpaar gleichgesetzt werden.
Vor allem bei schlecht einsehbaren Gewässern
läßt sich der Brutbestand oft nicht genau ermitteln. Dort sollte der Bestand zumindest z.T. geschätzt werden. Einen Anhaltspunkt für eine Schätzung kann die Anzahl der Altvögel geben. Dabei muß allerdings bedacht werden, daß im April/Mai meist nur ein Teil der Haubentaucher beobachtet werden kann, da viele Altvögel mit der Brut beschäftigt sind.
Für die Ermittlung des Bruterfolgs sollte zumindest eine weitere Kartierung in der ersten Julihälfte erfolgen. Per Definition ergibt sich der Bruterfolg aus der Summe aller flüggen
Jungvögel geteilt durch die Summe aller Brutpaare. Bei nur einem
Kontrolldurchgang sollten jedoch auch nicht flügge Jungvögel ab einem Alter von ca. 6 Wochen mit in die Berechnung des Bruterfolgs einbezogen werden. Die Sterblichkeit von Haubentaucherküken ist in den ersten Wochen am höchsten. Haben sie ein Alter von 6 Wochen erreicht, kann man weitestgehend davon ausgehen, daß sie flügge werden. In diesem Alter sind sie nur wenig kleiner als die Altvögel.
Literatur
Bauer K. M. & U. N. G. Glutz von Blotzheim (1966): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 1, 1.Auflage, Aula-Verlag Wiesbaden.
Berthold, D., E. Bezzel, G. Thielcke (1974): Praktische Vogelkunde. Im Auftrag des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten (DDA), Kilda-Verlag, Münster.
Bibby, J. C., N. D. Burgess, D. A. Hill (1995): Methoden der Feldornithologie: Bestandserfassung in der Praxis. Neumann Verlag GmbH, 1995.
Hustings, M. F. H., R. G. M. Kwak, P. F. M. Opdam & M. J. S. M. Reijnen (1989): Vogelinventarisatie. Pudoc Wageningen.
Melde, M. (1973): Der Haubentaucher. Neue Brehm-Bücherei 461, Wittenberg-Lutherstadt.
Zang, H. (1976): Bestandsaufnahme des Haubentauchers (Podiceps cristatus) in Niedersachsen und Bremen 1974. Vogelkundl. Ber. Nieders. 8, H. 1, 1- 8, Wilhelmshaven
Link zum Thema: http://www.nabu.de/vdj/haubentaucher/index.htm
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