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Vogelkundliche Berichte aus Niedersachsen

Vogelkdl. Ber. Niedersachs.
Jahrgang 41 - Heft 1 - 2009

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Marxmeier, U. & F. Körner (2009): Bestandsentwicklung und Rastphänologie ausgewählter Wasservogelarten im EU-Vogelschutzgebiet Dümmer. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 41: 1-42.
Das „Feuchtgebiet internationaler Bedeutung Dümmer“ (3.600 ha) ist eines der wichtigsten Rast- und Überwinterungsgebiete für wandernde Vogelarten in Nordwest-Deutschland. Für den Zeitraum April 1993 bis Juni 2007 wurden die Bestandsentwicklung und das jahreszeitliche Auftreten von 19 Wasservogelarten basierend auf Pentaden-Zählungen analysiert und mit Ergebnissen aus zurückliegenden Zeiträumen verglichen. Die häufigsten Arten im Untersuchungszeitraum waren Stockente Anas platyrhynchos, Blässgans Anser albifrons, Saatgans Anser fabalis und Pfeifente Anas penelope. Die Bestände von Kormoran Phalacrocorax carbo, Bläss- und Graugans Anser anser, Schnatter- Anas strepera und Tafelente Aythya ferina nahmen innerhalb des Zeitraums 1993/94-2006/07 signifikant zu. Je nach Jahreszeit zeigten die untersuchten Arten unterschiedliche Bestandsentwicklungen: die Bestände von Bläss- und Graugans stiegen in Herbst, Winter und Frühjahr, von Kormoran und Schnatterente im Herbst und Winter, von Pfeif-, Tafel- und Schellente Bucephala clangula im Winter und von Höckerschwan, Krick- Anas crecca, Spieß- Anas acuta, Löffel- Anas clypeata und Reiherente Aythya fuligula im Frühjahr an. Nach der Ramsar-Konvention erfüllte der Dümmer das Kriterium eines international bedeutenden Feuchtgebiets sowohl aufgrund der Gesamtsumme anwesender Wasservögel als auch aufgrund der Rastbestände der Arten Blässgans, Stock- und Löffelente. Für weitere acht Arten wurde das Kriterium eines Rastgebiets von nationaler Bedeutung erfüllt. Die Gesamtzahl der gleichzeitig im Gebiet rastenden Wasservögel erreichte in den 2000er Jahren mit nahezu 65.000 Ind. (ohne Möwen) einen neuen Höhepunkt. Die Zunahme der Rastvogelbestände ist u. a. auf diverse Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen, wie das Winterfahrverbot auf der Seefläche, die Einschränkung der Jagd in Teilgebieten, die Wiedervernässung von Teilbereichen des Grünlandes, aber auch auf limnologische Veränderungen im See zurückzuführen. Notwendige weiterführende Maßnahmen zum Schutz der Rastvögel sind die Beibehaltung und Ausdehnung von störungsberuhigten Zonen, ein verbessertes Angebot an überschwemmten Flächen nicht nur im Winter und Frühjahr, sondern auch im Herbst, die Einbeziehung weiterer Flächen im Umland in das EU-Vogelschutzgebiet sowie eine Vernetzung mit anderen Schutzgebieten in der Diepholzer Moorniederung.
U. M. & F. K., Naturschutzring Dümmer e.V., Am Ochsenmoor 52, D-49448 Hüde, naturschutzring.duemmer@t-online.de
 

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Meier-Peithmann, W. (2009): Bestandsentwicklung von Gastvögeln der Dannenberger Elbbögen 1992-2009 im Zeichen milder Winter. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 41: 43-68.
In der Stromaue der Dannenberger Elbbögen wurden 1992-2009 jeweils von der letzten September- bis zur ersten Aprildekade für „häufige“ Gastvogelarten die jährlichen Bestände als ´Vogeltage´ ermittelt. Das naturräumlich begrenzte Erfassungsgebiet beiderseits der 22 km langen Elbstrecke zeichnet sich durch einen hohen Flächenanteil stromtalspezifischer Lebensräume, z. B. Vorland, Altwässer, Nebenarme und Grünland, sowie durch künstliche Gewässer und große Raps- und Maisschläge aus. Der Erfassungszeitraum war durch eine Serie milder Winter gekennzeichnet. So stehen Zusammenhänge mit den Winter-NAO-Indizes im Mittelpunkt der Diskussion über die Bestandsentwicklung der Gastvögel.
Für 23 der 33 aufgeführten Arten nahm die Anzahl der jährlichen Vogeltage zu, davon für 12 mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p < 0,05: Saatgans, Blässgans, Graugans, Nilgans, Brandgans, Schnatterente, Krickente, Zwergtaucher, Silberreiher , Graureiher, Kornweihe und Seeadler. Rückgänge zeigten 10 Arten, davon 4 mit statistischer Signifikanz: Kanadagans, Zwergsäger, Gänsesäger und Haubentaucher.
Für einen Teil der Arten decken sich die Befunde in den Dannenberger Elbbögen nicht mit den u. a. von Sudfeldt et al. (2007, 2008) genannten deutschlandweiten Trends. Überregionale Zunahme bzw. Stabilität, örtlich aber signifikante Abnahme bei Kanadagans, Zwergsäger, Gänsesäger und Haubentaucher und nicht signifikante Abnahme bei Singschwan, Zwergschwan, Löffelente, Tafelente und Blässhuhn. Überregionale Abnahme, örtlich aber signifikante Zunahme bei Brandgans und nicht signifikante Zunahme bei Stockente, Lachmöwe, Silbermöwe.
Von den im Erfassungszeitraum eingetretenen örtlichen Lebensraumveränderungen wirkten sich positiv aus:
•Errichtung von Teichen auf Reiherente, Schellente, Zwergtaucher, Kormoran u. a.,
•vermehrter Anbau von Raps und Mais auf Saatgans, Blässgans, Höckerschwan, Singschwan, Stockente u. a.,
•mutmaßlich verbessertes Nahrungsangebot u. a. infolge Gewässereutrophierung auf Kormoran, Zwergtaucher, Graureiher, Silberreiher u. a.
Die über beide Jahrzehnte sich erstreckende, zwischenzeitlich nur von einzelnen Jahren unterbrochene Folge milder Winter ging je nach artspezifischen Ansprüchen einher mit auffälligen Bestands- und Präsenzzeitveränderungen. Ungeachtet oft mehrschichtiger Prozesse und z. T. sich gegensätzlich beeinflussender Faktoren lassen sich die Auswirkungen so zusammenfassen:
Der Silberreiher kam als ständiger Gast hinzu. Offenbar im Zuge der Rückverlagerung von Überwinterungsplätzen in weiter östlich gelegene Gebiete nahmen Saatgans, Weißwangengans, Blässgans, Graugans, Stockente, Pfeifente, Graureiher u. a. zu sowie Singschwan, Zwergschwan, Kanadagans u. a. ab. Mehr oder weniger ausgeprägte Winterlücken im Auftreten schlossen u. a. Schnatterente, Krickente und Zwergtaucher. Brandente, Spießente, Löffelente u. a. erweiterten die Präsenzzeiten im Frühjahr und Herbst. Ausgeprägte „Wintergäste“ wie Gänsesäger und Zwergsäger verlegten umgekehrt Frühjahrsdaten zurück und Herbstdaten vor. Die einzelnen zwischenzeitlichen Kältewinter brachten für diese Entwicklungen zwar Unterbrechungen, die sich bei der Mehrzahl der Arten aber von Mal zu Mal abschwächten. Insgesamt nahm die Arten- und Individuenzahl der Gastvögel zu.
W. M.-P., Am Taterberg 36, D-29468 Bergen an der Dumme, w.meier.peithmann@t-online.de
 

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Degen, A., R. Aumüller, Da. Gruber, De. Gruber, G.-M. Heinze & G. Rotzoll (2009): Seltene Vogelarten in Niedersachsen und Bremen - 2. Bericht der Avifaunistischen Kommission Niedersachsen und Bremen (AKN). Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 41: 69-87.
Dieser zweite Bericht der Avifaunistischen Kommission Niedersachsen und Bremen (AKN) umfasst 571 Meldungen von 57 Arten. 17 Meldungen wurden nicht anerkannt, was 3 % der Meldungen entspricht.
Korrespondenzadresse: A. D., Elsa-Brandström-Str.4, D-49076 Osnabrück, axel.degen@t-online.de
 

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Krüger, T., & J. Ludwig (2009): Wegzugbestand des Goldregenpfeifers Pluvialis apricaria in Niedersachsen: Ergebnisse einer landesweiten Synchronzählung am 18./19. Oktober 2008. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 41: 89-99.
Bei einer Synchronzählung rastender Goldregenpfeifer Pluvialis apricaria am 18./19. Oktober 2008 wurden insgesamt 46.687 Individuen in Niedersachsen und Bremen gezählt (Schätzung: 50.000 Vögel). Hierbei stammen fast alle Nachweise von der Küste bzw. aus dem küstennahen Binnenland. Die Hauptvorkommen bzw. die höchsten Dichten wurden dabei in den naturräumlichen Haupteinheiten Emsmarschen, Wesermarschen und Elbmarschen notiert. Im küstenfernen Binnenland, z. B. der Bourtanger Moor-Region oder in den ausgedehnten Börden Südost-Niedersachsens, wurden dagegen fast keine Goldregenpfeifer registriert, obwohl dort die Erfassungsintensität in den traditionellen und potenziellen Rastgebieten sehr hoch war.
83 % aller registrierten Goldregenpfeifer (n = 45.573), zu denen Habitatangaben mitgeteilt wurden, hielten sich auf Grünland auf, 10 % nutzten Salzwiesen, Strand oder Wattflächen und lediglich 7 % wurden auf Ackerflächen angetroffen. Beim Gros der frequentierten Ackerflächen handelte es sich um jüngst eingesäte Parzellen (Neueinsaaten; 51 %). Im Grünland hielten sich nahezu alle Goldregenpfeifer (96,6 %; n = 37.816) auf „feuchten bis trockenen“ Flächen auf. Die Gold­regenpfeifer wurden fast ausschließlich in Trupps registriert, nur 13mal wurden Einzelvögel gemeldet. Mit 3.900 Individuen wurde am 18.10. am Großen Meer, Landkreis Aurich, die größte Rastplatzansammlung bei dieser Synchronzählung registriert, die mittlere Truppgröße lag bei 280 Vögeln.
Bei der Synchronzählung konnte eine hohe Gebietsabdeckung erreicht werden, womit die Zählung was den Erfassungsgrad betrifft, mit denjenigen aus den Jahren 1993 und 2003 vergleichbar ist. Gegenüber diesen wurde eine um 54 % bzw. 17,5 % geringere Anzahl registriert. Es ist fraglich, ob diese Zahlen einen echten „Rückgang“ des Goldre­genpfeifer-Wegzugbestandes in Niedersachsen widerspiegeln. Vermutlich war der Durchzug am Zähltermin 2008 noch nicht so weit fortgeschritten wie 2003 und die Hauptdurchzugswelle hatte Niedersachsen witterungsbedingt noch gar nicht erreicht.
T. K., Staatliche Vogelschutzwarte, NLWKN Betriebsstelle Hannover-Hildesheim, Standort: Ratsherr-Schulze-Str. 10, D-26122 Oldenburg, thorsten.krueger@nlwkn-h .niedersachsen.de; J. L., Staatliche Vogelschutzwarte, NLWKN Naturschutzstation Unterelbe, Alte Hafenstr. 2,
D-21729 Freiburg/Elbe, juergen.ludwig@nlwkn-lg.niedersachsen.de

 

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last updated: 20.02.2010