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Vogelkdl. Ber. Niedersachs. Jahrgang 41 - Heft 2 - 2010
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Exo, K.-M. (2010): Aktuelle Herausforderungen für Ornithologie und Vogelschutz im Wattenmeer: Monitoring – Forschung – Schutz. Vogelkdl. Ber.
Niedersachs. 41: 155-178. Die trilaterale Zusammenarbeit zum Schutz des Wattenmeeres wird vielfach als eine Erfolgsgeschichte und ein Musterbeispiel grenzüberschreitender Zusammenarbeit betrachtet, dies gilt
insbesondere für die initiierten ornithologischen Monitoringprojekte. Übergeordnete Ziele der Schutzgebietsausweisungen sind der Erhalt bzw. das Erreichen eines günstigen Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen und
Arten. Auch wenn das Wattenmeer selbst bereits vor Jahrzehnten weitgehend geschützt wurde, wird der Erhaltungszustand prägender Lebensraumtypen als „ungünstig bis unzureichend“ eingestuft. Küstenvögel gehören
zu der am stärksten gefährdeten Vogelgruppe, ca. 80 % der Küstenvögel sind in Deutschland derzeit gefährdet. In den 1990er Jahren wurden in Niedersachsen und Schleswig-Holstein umfangreiche interdisziplinäre
Forschungsprojekte durchgeführt. In dem vorliegenden Beitrag werden die Grenzen und Möglichkeiten der bisherigen Monitoringprojekte anhand des Brutbestands- und Rastvogelmonitorings beleuchtet und aktuelle
Forschungsergebnisse vorgestellt. Zugleich wird auf die Frage eingegangen, ob und inwieweit die bisherigen Programme an neue aktuelle Herausforderungen angepasst werden müssen und welche Begleitforschung zur
Bewertung der Monitoringdaten unerlässlich ist. Mit den im Trilateralen Monitoring and Assessment Programm (TMAP) implementierten ornithologischen Bestandsmonitoringprojekten steht ein effektives Instrument zur
Verfügung, um langfristige Bestandsänderungen aufzuzeigen, einschließlich groß- und kleinräumlicher sowie habitatspezifischer Unterschiede; zudem können teilweise auch Auswirkungen von Eingriffen wie auch
Schutzmaßnahmen erkannt werden. In Teilen scheint das TMAP zudem geeignet, um erste Schlussfolgerungen zu aktuellen Herausforderungen, bspw. der Klimaerwärmung, zu ziehen. Eine Analyse von Kausalzusammenhängen
erlauben die Monitoringdaten aber in den meisten Fällen nicht. Zum Verständnis der beobachteten Trends ist eine Ergänzung um (a) weitere Parameter und (b) begleitende Forschungsprojekte unerlässlich. Exemplarisch
für den Rotschenkel vorgestellte Daten belegen, dass auch für vergleichsweise häufige Brutvogelarten mehrere populationsregulatorisch relevante Parameter weitgehend unbekannt sind. Ausgeführt wird die Notwendigkeit
der Ergänzung des Brutbestandsmonitorings um ein Bruterfolgsmonitoring und ein integriertes Populationsmonitoring. Zur Analyse demographischer Parameter sind zudem art- bzw. populationsspezifische Forschungsprojekte
zu initiieren. Zum Verständnis der Bestandstrends im Wattenmeer rastender Wat- und Wasservögel, der Analyse von Konnektivitäten und carry-over Effekten zwischen Brut-, Rast- und Überwinterungsgebieten und damit von
Kausalzusammenhängen sind neben weltweit abgestimmten Monitoringprojekten zugleich populationsspezifische und Individuen basierte Forschungsprojekte zur Analyse der Jahreslebensräume ausgewählter Arten unerlässlich.
Die Bedeutung von carry-over Effekten wird an ausgewählten Beispielen aufgezeigt. Im Rahmen des TMAP werden neben den vorgestellten ornithologischen Parametern eine Vielzahl weiterer biologischer und chemischer
Variablen wie auch Daten zur Geomorphologie, der Landnutzung, der touristischen Nutzung etc. erfasst. Zu beklagen ist ein Mangel an integrativen ökosystemaren Analysen, dies gilt insbesondere für das deutsche
Wattenmeer. So fehlt bspw. eine überregionale integrative Analyse der Brutbestandsdaten und -verteilungen mit Vegetationsparametern, dem Auftreten von Prädatoren, der landwirtschaftlichen Nutzung, touristischen
Kenngrößen, Störungen etc. Dasselbe gilt für die Analyse der Rastvogeldaten: Integrative Ansätze zur Analyse der Interaktionen zwischen dem Auftreten von Rastvögeln und der (Vegetations) Struktur von
Hochwasserrastplätzen, der Qualität und Lage angrenzender Nahrungsgebiete aber auch von regional und saisonal variierenden Einflüssen von Prädatoren wie auch anthropogenen Störreizen fehlen weitgehend. Dies macht
die Beurteilung des Erhaltungszustandes des Wattenmeeres und Prognosen bspw. zu den Auswirkungen des Klimawandels und Meeresspiegelanstiegs oft schwierig, teilweise unmöglich.
K.-M. E., Institut für Vogelforschung, „Vogelwarte Helgoland“, An der Vogelwarte 21, D-26386 Wilhelmshaven, michael.exo@ifv-vogelwarte.de
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Herrmann, C. (2010): Küstenvögel und Küstenvogelschutz in Mecklenburg-Vorpommern. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 41: 179-191. Die Arbeit gibt eine kurze Zusammenfassung der Geschichte des
Küstenvogelschutzes in Mecklenburg-Vorpommern seit der Errichtung der ersten „Seevogelfreistätten“ in den Jahren 1909/10 bis zur Gegenwart. Die nun schon
langjährige Betreuung der Brutgebiete und die damit verbundene Erfassung der Brutbestände ermöglichen es, für zahlreiche Vogelarten recht genaue, langfristige
Bestandstrends darzustellen. Die hier vorgestellten Beispiele illustrieren die hohe Dynamik der Brutbestände der Küstenvögel. Auch die Zusammensetzung der Arten
ändert sich: Sowohl Rückzug als auch Einwanderungen sind zu beobachten. Ein allgemeiner Niedergang der Küstenvögel lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht
ableiten. Abschließend werden die wichtigsten Aufgaben und Herausforderungen des Küstenvogelschutzes in der Gegenwart dargestellt: Schutz der Brutgebiete vor
menschlichen Störungen, Wiederherstellung „verlorener“ Brutgebiete durch Renaturierungsmaßnahmen, Gewährleistung eines angepassten Beweidungsregimes für Salzwiesenlebensräume sowie Management von
Raubsäugern, insbesondere auf Inseln und Halbinseln. C. H., AG Küstenvogelschutz MV, c/o Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern, Goldberger Str. 12, D-18273 Güstrow, Christof
.Herrmann@lung. mv-regierung.de
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Thyen, S., J. Barkowski, H. Freund & N. Oberdiek (2010): Klimawandel, Meeresspiegelanstieg und Brutvögel im Wattenmeer: Kenntnisstand und Ausblick
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 41: 193-201. Im aktuellen Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (2007) wird für das 21. Jahrhundert eine beschleunigte globale Erwärmung sowie ein weltweiter
Meeresspiegelanstieg von 10 bis 60 cm vorhergesagt. Für das Wattenmeer wird für den Zeitraum bis 2050 eine Zunahme der Sturmfluthäufigkeit sowie ein Anstieg des
Meeresspiegels von 35 bis 55 cm angenommen. Bisher gibt es kaum verlässliche Prognosen darüber, mit welcher Intensität der Meeresspiegel tatsächlich ansteigt
und mit welchen ökologischen Konsequenzen zu rechnen ist. Es kann jedoch angenommen werden, dass es fundamentale Habitatveränderungen geben wird, die
die in Salzrasen brütenden Vögel sowohl auf individueller Ebene wie auch auf Populationsebene beeinflussen werden. Neben dem Verlust von Salzrasenflächen in manchen Regionen des Wattenmeeres
und dem damit verbundenen Verlust an Brutplätzen dürfte der Meeresspiegelanstieg durch die Veränderung von Habitaten vermutlich auch weitaus komplexere und
möglicherweise sehr drastische Auswirkungen auf die Brutvögel des Wattenmeeres haben. Ausgehend von ausgewählten früheren Untersuchungen zur Zusammensetzung von Brutvogelgemeinschaften und zur Brutökologie des
Rotschenkels Tringa totanus, die teilweise mit vegetationskundlichen Untersuchungen einer ‚simulierten Transgression’ auf Langeoog verschnitten werden,
werden mögliche Effekte eines Meeresspiegelanstiegs auf Brutvögel aufgezeigt. Aus diesen Beispielen wird die Vermutung abgeleitet, dass sich die Zusammensetzung
von Brutvogelgemeinschaften, Reproduktivität, Prädation und Populationsdynamik deutlich verändern werden. Die generelle Gültigkeit der dargestellten Ergebnisse
sowie die wichtigsten offenen Fragen zum Effekt des Meeresspiegelanstiegs auf Brutvögel im Wattenmeer werden diskutiert.
S. T., Rheinstr. 121, D-26382 Wilhelmshaven, s.thyen@t-online.de; J. B. & H. F., Institut für Chemie und Biologie des Meeres, Universität Oldenburg, Schleusenstr. 1,
D-26382 Wilhelmshaven, barkowski_jw@yahoo.de, holger.Freund@icbm.terramare.de; N. O., Kantstr. 1, D-26384 Wilhelmshaven, nadineoberdiek@web.de
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Oberdiek, N., J. Barkowski, H. Freund & S. Thyen (2010): Brutvogelgemeinschaft nach Rückdeichung des Langeooger Sommerpolders – Ein Modell zu Untersuchung
des Meeresspiegelanstiegs? Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 41: 203-208. Wattenmeer-Salzwiesen sind als Brutgebiet für verschiedene Watvogelarten von
zentraler Bedeutung. Im Winter 2003/04 ist auf der ostfriesischen Insel Langeoog, Landkreis Wittmund, ein Sommerdeich geöffnet worden, um naturnahe
Salzwiesenhabitate wieder herzustellen. Im Jahre 2002 sowie in den Jahren nach der Rückdeichung von 2005-2007 wurden vegetationsökologische Begleituntersuchungen
zu Auswirkungen eines „simulierten Meeresspiegelanstiegs“ auf Salzwiesenvegetation und Sukzession durchgeführt. In der Annahme, dass ein steigender Wasserspiegel und die Entwicklung der Vegetation zu
Habitatveränderungen für Brutvögel führen, wurde in der Brutsaison 2008 ein Projekt zur Untersuchung der Brutvogelgemeinschaft und zur Reproduktion von
Rotschenkeln im ehemaligen Langeooger Sommerpolder begonnen. Neben der Erfassung von Brutpaarzahlen und der Verteilung von Brutvögeln innerhalb des
ehemaligen Sommerpolders wurden Untersuchungen zum Schlupf- und Bruterfolg von Rotschenkeln durchgeführt. Durch eine Verknüpfung der erhobenen Daten mit Vegetationskarten und
Ergebnissen früherer Brutvogelerfassungen wurden Veränderungen von Salzwiesenhabitaten ermittelt und mögliche Auswirkungen dieser Veränderungen auf Brutvögel abgeleitet. Potenzielle Auswirkungen von Klimawandel und
Meeresspiegelanstieg auf die Vegetationsentwicklung in Salzwiesen sowie Konsequenzen für die Verteilung und Reproduktion von Brutvögeln in Salzwiesenhabitaten werden kurz diskutiert.
N. O., Kantstr. 1, D-26384 Wilhelmshaven, nadineoberdiek@web.de; J. B. & H. F., Institut für Chemie und Biologie des Meeres, Universität Oldenburg, Schleusenstr. 1,
D-26382 Wilhelmshaven, Holger.Freund@icbm.terramare.de; S. T. (Korrespondenz), Rheinstr. 121, D-26382 Wilhelmshaven, s.thyen@t-online.de
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Achilles, L. (2010): Die Bedeutung der Wesermündung für Gastvögel im Übergangsbereich zwischen Unter- und Außenweser. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 41: 209-220.
In der vorliegenden Arbeit werden für das Gebiet der Wesermündung Gastvogeldaten aus den Jahren 1993 bis 2005 zusammenfassend dargestellt.
Die Wesermündung ist einerseits von Industrie- und Hafenanlagen geprägt, verfügt jedoch andererseits noch über einen hohen Anteil naturnaher Außendeichsflächen.
In den letzten Jahren wurden Teilbereiche durch Kompensationsmaßnahmen im Rahmen der Fahrrinnenvertiefung und des Hafenbaus aufgewertet. Das Untersuchungsgebiet gilt als ein besonders vogelartenreiches Gebiet der
deutschen Nordseeküste. Austernfischer, Alpenstrandläufer, Lachmöwe, Großer Brachvogel, Sturmmöwe und Brandgans sind die häufigsten Arten.
Die untersuchten Teilgebiete unterscheiden sich erheblich in ihrer Naturnähe, Strukturvielfalt und in den Bestandszahlen von Küstenvögeln. Die attraktivsten
Gebiete sind die Vorlandflächen von Dorum-Neufeld und Wremen-Nord an der Wurster Küste und Tettens an der Butjadinger Küste. Für viele der hier untersuchten Arten zeigen die Rastzahlen dieselbe Entwicklung
wie im internationalen Wattenmeer. Eine besonders deutliche Abweichung liegt jedoch beim Säbelschnäbler im Weserwatt südlich von Bremerhaven vor, der hier
seine Bestände verdoppeln konnte. Überregional wird für ihn dagegen eine deutlich rückläufige Entwicklung angegeben. In den Teilgebieten der Wesermündung erreichen insgesamt 24 Arten die
Kriterienwerte für nationale bzw. internationale Bedeutung. Vielfältige Einflüsse werden die Gastvogelsituation in der Wesermündung in Zukunft
modifizieren. Eine sorgfältige Abwägung anthropogener Einflussnahmen ist zur Erhaltung dieses besonders wertvollen Lebensraumes für Gastvögel daher unverzichtbar.
L. A., KÜFOG GmbH, Alte Deichstr. 39, D-27612 Loxstedt-Ueterlande, lutz.achilles@kuefog.de
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Oberdiek, N., Hersacher, N. & M. Heckroth (2010): Phänologie, Bestandsentwicklung und räumliche Verteilung der Dunkelbäuchigen Ringelgans Branta b. bernicla auf Wangerooge
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 41: 221-223. Für Dunkelbäuchige Ringelgänse Branta b. bernicla stellt das Wattenmeer eine bedeutende Zwischenstation auf ihren Wanderungen zwischen den Brutgebieten im
Norden Sibiriens und den Überwinterungsgebieten in Frankreich und Großbritannien dar. Als Folge des drastischen Bestandsrückgangs der sibirischen Population seit
Mitte der 1990er Jahre, zurückzuführen auf geringe Reproduktionsraten in den Brutgebieten, konzentrieren sich Ringelgänse zunehmend auf Rast- und
Überwinterungsgebiete in Kernbereichen des Wattenmeeres, den vorgelagerten Inseln. Die Insel Wangerooge im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer mit
ihren ausgedehnten Salzwiesen und Wattflächen wird seit den 1970er Jahren als Rastgebiet regelmäßig von Ringelgänsen genutzt. Im Rahmen dieser Arbeit wurde
durch Untersuchung des jahreszeitlichen Auftretens (Phänologie), Berechnung von Bestandstrends sowie der Darstellung der räumlichen Verteilung der Gänse in
potenziellen Rast- und Nahrungsflächen auf Wangerooge überprüft, inwiefern sich der großräumige Bestandsrückgang auch kleinräumig in Rast- und Überwinterungszahlen widerspiegelt.
Die Phänologie der Ringelgans auf Wangerooge entspricht dem wattenmeertypischen Muster und ist gekennzeichnet durch hohe Bestände während
der Hauptdurchzugszeiten im Herbst von im Mittel 400 Individuen und Frühjahr von durchschnittlich 800 Ringelgänsen sowie einem geringen Überwinterungsbestand
von 100-200 Individuen. Damit kann Wangerooge als Rastvogelgebiet mit landesweiter Bedeutung für die Ringelgans eingestuft werden. Der Bestand an
rastenden und überwinternden Gänsen ist seit Anfang der 1990er Jahre auf Wangerooge stabil. Die räumliche Verteilung der Gänse auf der Insel zeigt eine
deutliche Bevorzugung des Westaußengrodens, sowohl im Winter (1,5 Gänse/ha) als auch zu den Zugzeiten im Herbst (1,7 Gänse/ha) und Frühjahr (5 Gänse/ha).
Lediglich im Frühjahr werden auch der Ostaußengroden sowie der Ost- und Westinnengroden zusätzlich als Rastgebiet genutzt. Die Bevorzugung des Westaußengrodens als Rastfläche kann u. a. durch die relativ
größere flächenhafte Ausdehnung potenzieller Nahrungspflanzen für Ringelgänse gegenüber den Innengroden und dem Ostaußengroden bedingt sein. Das
Ausweichen der Gänse im Frühjahr in andere Rastflächen auf der Insel kann durch Erreichen einer Kapazitätsgrenze im Westaussengroden erklärt werden. Die stabilen
Bestände auf Wangerooge seit Anfang der 1990er Jahre belegen die konstante Nutzung der Insel, was in besonderem Maße für die Qualität als Rast- und Überwinterungsgebiet für Ringelgänse spricht.
N. O., Kantstr. 1, D-26384 Wilhelmshaven, nadineoberdiek@web.de; N. H., Georg-Büchner-Str. 19, D-35392 Gießen; M. H., Der Mellumrat e.V., Zum Jadebusen 179
, D-26316 Varel – Dangast, info@mellumrat.de
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Wellbrock, A., S. Thyen & K.-M. Exo (2010): Ökologische Bedeutung einer wiederverlandenden Kleipütte für Brut- und Rastvögel im westlichen Jadebusen
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 41: 225-239. Für eine Deicherhöhung im westlichen Jadebusen wurde in den Jahren 1998/99 auf einer Fläche von ca. 9 ha Klei aus den Vorlandsalzwiesen der Ruhezone des
Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer entnommen. Im Rahmen einer 1999/2000 etablierten interdisziplinären Beweissicherungsstudie wurden im
ornithologischen Teilprojekt (i) die direkten Einflüsse der Kleientnahme auf Brut- und Rastvögel und (ii) die Nutzung der Kleientnahmestelle (Pütte) als Habitat zur Brut,
Rast und Nahrungssuche im Laufe der frühen Wiederverlandungsphase (2000 bis 2008) dokumentiert. Gemessen an der aktuellen Brutpaardichte in der Umgebung der Kleientnahmestelle
ging durch die Auspüttung Brutraum für insgesamt 50-60 Brutpaare verloren, vor allem auch für bestandsgefährdete Arten wie Rotschenkel und Wiesenpieper. Neun
Jahre nach ihrer Entstehung wurde die Kleipütte 2008 erstmalig durch Säbelschnäbler als Brutplatz genutzt, jedoch ohne Erfolg. Rastvögel erreichten in der Pütte nur während des Herbstzuges ähnlich hohe
Dichten wie im angrenzenden Watt. Höhere Dichten wurden nur in einzelnen Jahren festgestellt (z. B. bei Lachmöwe und Kiebitzregenpfeifer). Ein vorübergehend relativ
hohes potenzielles Nahrungsangebot in der Pütte wurde nur in geringem Maße, vor allem von Lachmöwen, genutzt. Mögliche Gründe dafür könnten höhere indirekte Prädationseffekte in der Pütte als im Watt sein.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Kleientnahme in einem Bereich des Wattenmeeres erfolgte, der für zahlreiche Brut- (z. B. Rotschenkel) und
Gastvogelarten (z. B. Säbelschnäbler, Brandgans) von internationaler Bedeutung ist. Der Verlust des Brutraumes dürfte als gravierender einzustufen sein als der
zeitweilige Nutzen der Pütte als Rast- und Nahrungshabitat. A. W., K.-M. E.*, Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“, An der
Vogelwarte 21, D-26386 Wilhelmshaven, arndt.wellbrock@gmx.de, michael.exo@ifv-vogelwarte.de; S. T., Rheinstraße 121, D-26382 Wilhelmshaven, s.thyen@t-online.de
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Jochen Dierschke, Olaf Klaassen, Peter de Boer & Lieuwe Dijksen Dierschke, J., O. Klaassen, P. de Boer & L. Dijksen (2010): Rekrutierung und
Inselhopping von Kornweihen Circus cyaneus auf den West- und Ostfriesischen Inseln. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 41: 241-246. Anhand von 81 im Jahr 2005 auf den Westfriesischen Inseln farbberingten
nestjungen Kornweihen wurden Rekrutierungsraten von 19,6 % (♂) bzw. 26,6 % (♀) errechnet. Von 32 Bruten mit einem farbberingten Elternteil fanden 24 auf der
Geburtsinsel des markierten Vogels statt, sieben wechselten auf eine andere Westfriesische und eine auf eine Ostfriesische Insel. Da der Bruterfolg zur Bestandserhaltung ausreicht, die Bestände auf den
Westfriesischen (und neuerdings auch auf den Ostfriesischen) Inseln aber stark zurückgehen, scheinen insbesondere die Überlebensraten von Altvögeln zu niedrig
zu liegen. Hierfür spricht auch ein hoher Anteil von Erstbrütern im 2. Kalenderjahr und die niedrige Rückkehrrate der Brutvögel. Bisher konnte jedoch erst ein
Geburtsjahrgang vollständig untersucht werden, so dass langjährige Untersuchungen notwendig sind. Im Anhang wird eine Anleitung zur Ablesung farbberingter Kornweihen gegeben.
J. D., Zedeliusstraße 31, D-26384 Wilhelmshaven, jochen.dierschke@web.de; O. K., P. B., L. D., p/a SOVON Vogelonderzoek Nederland, Rijksstraatweg 178, NL-6573
DG Beek-Ubbergen, Olaf.Klaassen@sovon.nl, Peter.deBoer@sovon.nl, lieuwe.dijksen@sovon.nl
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Krüger, T., J. Ludwig, P. Südbeck, J. Blew & B. Oltmanns (2010): Quantitative Kriterien zur Bewertung von Gastvogellebensräumen in Niedersachsen. 3. Fassung.
Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 41: 251-274. Zur Bewertung von Gastvogellebensräumen (hier: in erster Linie Wasservogellebensräumen) in Niedersachsen werden mit dieser Arbeit aktualisierte
quantitative Kriterien in regionaler Differenzierung und unter Berücksichtigung der Verbreitungs- und Häufigkeitsmuster der Arten im Berichtsgebiet vorgestellt. Der
Gastvogelbestand eines Gebietes wird dabei in fünf Stufen bewertet (international, national, landesweit, regional, lokal). Dazu werden Kriterienwerte verwendet, die sich
aus den Bestandsgrößen der Arten in den jeweiligen Bezugsräumen ableiten. Dies schafft die Voraussetzungen für eine differenzierte Einstufung der Vogelbestände. So
ist ein Gebiet von internationaler Bedeutung, wenn es mind. 20.000 Wasservögel oder mind. 1 % der Individuen einer biogeographischen Population einer
Wasservogelart beherbergt. Gastvogellebensräume sind von landesweiter Bedeutung für Wasservögel, wenn dort regelmäßig mindestens 2 % des durchschnittlichen
maximalen landesweiten Rastbestandes einer Wasservogelart vorkommen. Grundsätzlich gilt für alle Bewertungsstufen, dass ein Gebiet nur dann eine
bestimmte Bedeutung erreicht, wenn mindestens für eine Art das entsprechende Kriterium in der Mehrzahl der untersuchten Jahre, z. B. in mindestens drei von fünf
Jahren, registriert wurde. Bei nur kurzzeitiger Untersuchungsdauer und geringer Untersuchungsdichte, wie es z. B. bei Eingriffsplanungen die Regel ist, muss im
Sinne des Vorsorgeprinzips davon ausgegangen werden, dass eine Bedeutung des Gebietes auch bei nur einmaligem Überschreiten des Kriterienwertes gegeben ist.
Das Bewertungsverfahren hat sich inzwischen vielfach bewährt und ist allgemein anerkannt. Es ermöglicht, bedeutsame Lebensräume für Gastvögel objektiv zu
identifizieren und differenziert zu bewerten. Erst wenn diese Gebiete bekannt sind, können sie auch etwa in der Landes-, Regional- und Bauleitplanung, bei
Eingriffsvorhaben und jeder Art der Flächennutzung berücksichtigt und mit den Instrumenten des Naturschutzes und der Landschaftspflege geschützt werden.
T. K., J. L. u. B. O., Staatliche Vogelschutzwarte im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN),
Betriebsstelle Hannover-Hildesheim, Göttinger Chaussee 76 a, D-30453 Hannover, E-Mail-Korrespondenzadresse: thorsten.krueger@ nlwkn-h.niedersachsen.de, P. S.,
Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, Virchowstr. 1, D-26382 Wilhelmshaven, peter.suedbeck@nlpv-wattenmeer.niedersachsen.de,
J. B., BioConsult SH, Brinckmannstr. 31, D-25813 Husum, j.blew@bioconsult-sh.de.
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