|
Vogelkdl. Ber. Niedersachs. Jahrgang 42 - Heft 1/2 - 2011
zurück zur Inhaltsübersicht
Kelm, H.-J. (2011): Baumbrütende Mauersegler Apus apus in der Göhrde, Landkreis Lüchow-Dannenberg. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 42: 1-12. Ein bisher wenig bekanntes Vorkommen
baumbrütender Mauersegler Apus apus im Waldgebiet Göhrde, Nordost-Niedersachsen, wurde in den Jahren 2005 bis 2008 im Rahmen der Waldbiotopkartierung näher untersucht. In dem etwa 10.000 ha großen Waldgebiet wurden
in über 400 ha Eichen- und Kiefernalthölzern Mauersegler-Brutvorkommen festgestellt. Insgesamt wurden 73 beflogene Höhlen, davon 49 in Eichen und 21 in Kiefern, gefunden. Der Brutbestand wird auf mindestens 170
Reviere bzw. > 450 Vögel geschätzt. Die Segler besiedeln Buntspechthöhlen Dendrocopos major in lichten Eichen- und Kiefern-Althölzern. Das Göhrder Vorkommen scheint ein Relikt aus alter Zeit zu sein,
welches durch den Erhalt der alten Baumbestände bis in die Gegenwart überdauern konnte. Die Niedersächsischen Landesforsten tragen mit umfangreicher Ausweisung von Habitatbaumgruppen und -flächen im Rahmen des
LÖWE-Programms zur Erhaltung dieser Brutorttradition bei. H.-J. Kelm, Niedersächsisches Forstamt Göhrde, Funktionsstelle Waldnaturschutz, Dannenberger Str. 7, D-29484 Langendorf,
hans-juergen.kelm@nfa-goehrde.niedersachsen.de
zurück zur Inhaltsübersicht
Richter, M. (2011): Verbreitung, Bestand und Habitatwahl des Braunkehlchens Saxicola rubetra in Niedersachsen und Bremen – Ergebnisse einer landesweiten Erfassung 2008
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 42: 13-38. Im Jahr 2008 wurde in Niedersachsen und Bremen eine landesweite Erfassung der Brutvorkommen des Braunkehlchens durchgeführt. Ziele waren eine möglichst
genaue Ermittlung der aktuellen Verbreitung und des Landesbestandes sowie eine Analyse von Habitatwahl, Bestandsentwicklung und Gefährdungsursachen, um daraus geeignete Schutzmaßnamen ableiten zu können.
Im Untersuchungsjahr wurden 962 Reviere kartiert. Zusammen mit weiteren 828 Meldungen aus den Jahren 2003-2007 und 2009-2010 sowie Hochrechnungen für
unzureichend erfasste Gebiet ergibt sich ein Gesamtbestand für Niedersachsen und Bremen von 2.100 bis 2.300 Revieren. Verbreitungsschwerpunkt ist der Nordosten
des Landes, während aus dem Südwesten kaum mehr Vorkommen gemeldet wurden. Über 40 % der Vorkommen befinden sich in EU-Vogelschutzgebieten.
Grünland ist nach wie vor das wichtigste Bruthabitat mit etwas mehr als der Hälfte der Meldungen, gefolgt von Brachen, mit etwa einem Drittel. Bruten an Säumen
sowie in Äckern und Hochmooren spielen eine untergeordnete Rolle. Die Bestandsentwicklung ist anhaltend negativ, es ist auch zu deutlichen Arealverlusten gekommen. Der Erhaltungszustand ist landesweit aktuell als
ungünstig einzustufen. Wichtigste Gefährdungsursachen sind Habitatverlust durch Umbruch von Grünland und Brachen infolge der Förderung des Maisanbaus u. a. für Biogasanlagen sowie
die Aufhebung der verpflichtenden Stilllegung landwirtschaftlicher Flächen. Daneben spielt die Intensivierung der Nutzung des Grünlandes eine wichtige Rolle sowie der
Verlust und die intensivierte Pflege von Säumen an Wegrändern und Gräben. Aussichtsreichste Schutzmaßnahme ist eine ganzjährige, extensive Beweidung
ohne maschinelle Nachpflege. Wiesennutzung ist nur erfolgversprechend, wenn die Mahdtermine sehr spät liegen (ab Juli) und zusätzlich ausreichend ungemähte
Bereiche vorgehalten werden. Hochmoore können bei angepasster Pflege von Heideflächen ebenfalls einen Beitrag zum Braunkehlchenschutz leisten. Für die
Agrarlandschaft ist die Wiedereinführung einer obligatorischen Flächenstilllegung zu fordern. M. R., Naturschutzring Dümmer e.V., Am Ochsenmoor 52, D-49448 Hüde, naturschutzring.duemmer@t-online.de
zurück zur Inhaltsübersicht
Handke, K. (2011): Brutvögel in Bremen – eine aktuelle Bestandsübersicht sowie Bestandstrends für naturschutzrelevante Arten. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 42: 39-60.
Die aktuellen Ergebnisse der Erfassungen naturschutzrelevanter Brutvogelarten aus dem Zeitraum 2004 bis 2008 ergeben, dass Bremen noch großflächig bedeutsame
Vorkommen seltener oder gefährdeter Brutvogelarten aufweist. Quantitativ und überregional bedeutsam sind u. a. die Bestände von Löffelente (Anas clypeata; 61
Brutpaare, BP), Wachtelkönig (Crex crex; ca. 20 BP), Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana; 13 BP), Kampfläufer (Philomachus pugnax; 2 BP), Uferschnepfe (Limosa
limosa; 123 BP), Bekassine (Gallinago gallinago; 117 BP), Rotschenkel (Tringa totanus; 110 BP), Kiebitz (Vanellus vanellus; 402 BP), Großem Brachvogel
(Numenius arquata; 60 BP), Braunkehlchen (Saxicola rubetra; 44 BP), Beutelmeise (Remiz pendulinus; 59 BP) und Sumpfohreule (Asio flammeus; 3 BP).
Insgesamt ist bei den naturschutzrelevanten Arten gegenüber den frühen 1980er Jahren im Niedervieland/Brokhuchting die Bestandssituation stabil. Im Werderland,
im Blockland und in den Borgfelder Wümmewiesen hat sich die Situation in den 1990er Jahren stabilisiert. Verluste der Wiesenbrüter wurden durch positive
Entwicklungen von Arten der Gehölze, Gewässer und Röhrichte ausgeglichen. Im Blockland ist der Wiesenbrüterbestand in den letzten 12 Jahren stabil.
Innerhalb von Schutzgebieten konzentrieren sich die meisten dieser Vorkommen (ca. 70 % der Brutpaare). Nicht geschützt sind relevante Vorkommen im
Hochwasserrückhaltepolder (wichtigstes Gebiet für Röhrichtbrüter) sowie auf dem Stahlwerkgelände, im Grünland südlich des Flughafens und in den Waldgebieten in
Bremen Nord. Besonders viele Arten haben im Bereich Niedervieland/Brokhuchting ihren Verbreitungsschwerpunkt. Die Borgfelder Wümmewiesen haben eine hohe
Bedeutung für Wachtelkönig, Tüpfelsumpfhuhn und Bekassine, das Blockland für die Wiesenlimikolen. Von 24 hier näher betrachteten Brutvogelarten weisen gegenüber
1981/82 elf Arten eine negative und neun Arten eine positive Bestandsentwicklung auf. In den letzten fünf Jahren zeigt sich bei neun Arten eine Bestandszunahme und
bei sieben eine Abnahme. Diese Tendenz ist bei vielen Arten auch überregional zu verzeichnen. Bemerkenswert ist die starke Zunahme des Großen Brachvogels in Bremen.
Die überregionale Bestandsabnahme der Wiesenlimikolen wird auch in Bremen überall deutlich. Insbesondere in den Gebieten Werderland und Hollerland mit einem
erhöhten Anteil an Feuchtbrachen und hochwüchsigem, sehr extensiv genutztem Feuchtgrünland sind die Wiesenbrüter sehr stark zurückgegangen. Wiesenbrüter
konzentrieren sich insbesondere auf vernässten Flächen und regulär landwirtschaftlich genutzten Grünländern im Blockland und im Bereich Niedervieland/Brokhuchting. Überstauung, Gewässerneuanlagen und Verbrachung
bzw. sehr extensive Nutzung führen zu einer Förderung von Wasservögeln und Röhrichtbrütern sowie ausgewählten Wiesenbrütern (z. B. Rotschenkel, Bekassine).
Insgesamt zeigt sich, dass die Großräumigkeit sowie die Vielfalt der Nutzungs- und Strukturtypen dazu beitragen, dass die Bremer Grünlandgebiete nach wie vor eine
sehr hohe Bedeutung für Brutvögel haben. Sowohl Vertragsnaturschutz (z. B. Gelegeschutzprogramm) als auch zahlreiche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen
(Überstauung, Gewässerneuanlage) haben zur Stabilisierung und Förderung vieler Arten beigetragen. K. H., Ökologische Gutachten, Riedenweg 19, D-27777 Ganderkesee, k.handke@oekologische-gutachten.de
zurück zur Inhaltsübersicht
Blüml, V. (2011): Verbreitung, Bestand und Habitatwahl von Löffel- und Knäkente Anas clypeata, A. querquedula in Niedersachsen und Bremen:
Ergebnisse einer landesweiten Erfassung 2009 mit Ergänzungen aus den Jahren 2004-2008. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 42: 61-88. Im Jahr 2009 wurde in Niedersachsen eine landesweite Erfassung von Knäk- und
Löffelente durchgeführt. Ziele waren eine möglichst vollständige Inventarisierung der Brutvorkommen sowie eine Analyse der Habitatwahl und Bestandsentwicklung, um
Gefährdungen und Schutzmöglichkeiten dieser hochprioritär zu schützenden Vogelarten aufzuzeigen. Im Untersuchungsjahr gelangen für die Löffel- bzw. die Knäkente 76 bzw. 32
Brutnachweise und 318 bzw. 108 Brutverdachtsmeldungen; Brutzeitfeststellungen wurden wegen der schwierigen Trennung von Durchzüglern nicht ausgewertet.
Zusammen mit weiteren 56 bzw. 23 Brutnachweisen und 404 bzw. 169 Brutverdachtsfällen aus den Jahren 2004-2008 und Hochrechnungen für nicht oder
nur teilweise untersuchte Gebieten ist mit einem landesweiten Bestand von etwa 900-980 Revieren Löffel- und 350-390 Revieren Knäkenten zu rechnen. Verbreitungsschwerpunkt beider Arten sind die Marschen sowie die
Hochmoorbereiche der Geest, hier insbesondere die Diepholzer Moorniederung. Löffelenten sind zudem auf den Ostfriesischen Inseln, Knäkenten an der Mittelelbe verbreitet.
Hinsichtlich der Habitatwahl haben Grünland-Grabenkomplexe den höchsten Anteil (32,6 % der Löffelenten- und 35,2 % der Knäkenten-Reviere), dieser Habitattyp wird
außerhalb der Marschen aber fast nur noch in Schutzgebieten besiedelt. Weitere wichtige Habitate sind Stillgewässer wie natürliche Seen und Altwässer, Fisch- und
Klärteiche, zu Naturschutzzwecken angelegte Gewässer und Bodenabbaugewässer, darunter vor allem Kleipütten. Besonders Löffelenten brüten auch in Salzwiesen
sowie in feuchten Dünentälern der Inseln. Weiterhin kommen beide Arten in beträchtlichen Anteilen in wiedervernässten Hochmooren, in geringerem Maße auch
in überstauten Niedermooren und Poldern vor. Kaum eutrophierte Überstauflächen in zuvor industriell abgetorften Hochmooren sind dabei als Habitat bisher kaum beschrieben gewesen.
Beide Arten sind in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen, für die Knäkente sind starke, langfristige Bestandsabnahmen beschrieben. In einem Teil
der wiedervernässten und naturschutzverträglich bewirtschafteten Feuchtgrünlandgebiete, in wiedervernässten Hochmooren und in überstauten Niedermooren und Poldern sowie neu entstandenen Bodenabbau- und
Naturschutzgewässern konnten sich die Bestände hingegen erholen und neue Brutvorkommen etablieren. 60,2 % der erfassten Löffel- und 62,7 % der Knäkenten
brüten in gemeldeten Europäischen-Vogelschutzgebieten, die Anteile sind dort aber durch einen höheren Erfassungsgrad etwas überschätzt. Der Erhaltungszustand beider Arten ist landesweit derzeit als ungünstig
einzuschätzen. Der ausgesprochen positive Einfluss von Wiedervernässungen in Feuchtgrünlandgebieten, Nieder- und Hochmooren sowie von Gewässerneuanlagen zeigt aber, dass beide Arten über wirksame Habitatschutz- und
Managementmaßnahmen wirksam zu fördern sind. V.B, Hasestraße 60, D-49074 Osnabrück, v.blueml@bms-umweltplanung.de
zurück zur Inhaltsübersicht
Krüger, T., & H. Kruckenberg (2011): Die Zwerggans Anser erythropus als Gastvogel in Niedersachsen: Vorkommen, Gefährdung und Schutz. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 42: 89-110.
In Niedersachsen sind im Betrachtungszeitraum von 1907/08 bis 2006/07, aus 100 Winterhalbjahren, 156 Nachweise von insgesamt 261 Zwerggänsen Anser erythropus
dokumentiert. Der erste Nachweis geht dabei auf den 9. Dezember 1907 zurück. Aus der Zeit vor 1970 liegen nur sporadisch Feststellungen vor, ein starker Anstieg
der Nachweiszahl erfolgte in den 1990er Jahren und findet in den 2000er Jahren seine Fortsetzung. Seit Mitte der 1990er Jahre ist die Zwerggans alljährlicher
Gastvogel in Niedersachsen. Eine räumliche Konzentration der Nachweise lässt sich in Ostfriesland (Nordwest-Niedersachsen) ausmachen. Dies betrifft die Dollart
-Unterems-Region (Rheiderland, Emsmarschen) und die Krummhörn bis zur Leybucht. Hier liegt landesweit der Schwerpunkt des Vorkommens. Weitere bedeutende Vorkommen gibt es an der Mittel- und Unterelbe.
Die ersten Zwerggänse erreichen Niedersachsen auf dem Wegzug Mitte Oktober. Ab Anfang Dezember steigen die Bestände bis Anfang März kontinuierlich an und
gipfeln markant in der ersten Märzdekade (Heimzugsmedian = 2. Mrz.). Hiernach nehmen die Bestände ab, bleiben bis in das erste Aprildrittel hinein jedoch noch auf
vergleichsweise hohem Niveau. Ende April klingt das Auftreten mit Abzug auch der anderen arktischen Gänsearten aus Niedersachsen aus.
In 139 Fällen wurden Zwerggänse nur an einem Tag registriert (92,1 %), von zwölf Nachweisen liegen Angaben zu einer längeren Verweildauer vor (7,9 %; n = 151
Nachweise). Elf Feststellungen stammen von insgesamt 29 Vögeln, die sich an zwei bis max. 20 Tagen an einem Ort aufhielten. Der längste bekannt gewordene
Aufenthalt dauerte 27 Tage und deutet auf eine Überwinterung hin. Rund 93 % aller Feststellungen von Zwerggänsen gehen auf Vögel zurück, die in nur kleinen Trupps
von maximal drei Individuen vergesellschaftet waren und dabei oft lediglich als Einzelvögel (68,6 %) auftraten (n = 156 Trupps bzw. 261 Ind.). Nur selten wurden
„größere“ Trupps registriert: 2 x 4 Ind., 3 x 5 Ind., 3 x 6 Ind., 2 x 7 Ind. und 2 x 8 Ind. 141 Zwerggänse wurden als Altvögel bestimmt (86,5 %, n = 163), nur 22 Ind. waren
Jungvögel (13,5 %). Bei etwa drei Viertel der Nachweise seit Mitte der 1990er Jahre (73 %, n = 70 Nachweise) waren Zwerggänse mit Blässgänsen A. albifrons
vergesellschaft, die dabei entweder als ansonsten artreiner Trupp auftraten oder im Falle von gemischten Trupps mit weiteren Gänsearten zahlenmäßig die „Hauptart“
darstellten. In 19 % der Nachweise war dies bei Weißwangengänsen Branta leucopsis der Fall und in 9 % bei Graugänsen Anser anser. Losgelöst von der Frage
der Hauptart in den Gänseansammlungen mit Zwerggans-Nachweisen waren Blässgänse bei insgesamt 52 % der Nachweise beteiligt, Weißwangengänse bei 39 % und Graugänse bei 21 %.
Von den in den skandinavischen Brutgebieten mit Farbringen individuell markierten Zwerggänsen, liegen aus Niedersachsen 20 Ablesungen aus den Winterhalbjahren
1985/86-2006/07 vor. Einer dieser Vögel wurde in Finnland beringt, alle anderen gehen dabei auf die in Schwedisch-Lappland angesiedelten Vögel zurück. Die in
Niedersachsen beobachteten Zwerggänse dürften, wie in den Niederlanden, zum großen Teil Vögel des schwedischen Aussetzungsprogramms bzw. deren
Nachfahren sein. Doch ist auch heute noch mit dem Vorkommen von Individuen der norwegischen Reliktpopulation oder aus Russland in geringer Zahl zu rechnen.
Die hohen Anforderungen an Sichtverhältnisse, Artkenntnis und optische Ausrüstung bei der Bestimmung von Zwerggänsen im Freiland bedingt u. a. eine sehr hohe
Verwechslungswahrscheinlichkeit von Zwerg- und Blässgänsen bei der üblicherweise praktizierten Gänsejagd. Daher ist landesweit, zumindest aber in allen regelmäßigen
Vorkommensgebieten der Zwerggans, eine Aufhebung der Jagdzeiten für alle Wildgänse zur Vermeidung von ungewollten Abschüssen dringend und kurzfristig angezeigt.
T. K., Staatliche Vogelschutzwarte im NLWKN, Ratsherr-Schulze-Str. 10, D-26122 Oldenburg, thorsten.krueger@nlwkn-h.niedersachsen.de; H. K., TourNatur Wildlife
Research, Am Steigbügel 3, D-27283 Verden (Aller), helmut.kruckenberg@tournatur.de
zurück zur Inhaltsübersicht
Blüml, V. (2011): Die Brutvögel des Venner Moores (Landkreis Osnabrück): Zur avifaunistischen Bedeutung verschiedener De- und Regenerationsstadien von Hochmooren
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 42: 111-132. Das Venner Moor im nordöstlichen Landkreis Osnabrück weist typische Biotopkomplexe geschädigter Hochmoore wie sekundäre Moorwälder, Torfabbau-
und zunehmend auch Wiedervernässungsflächen auf. Die Bedeutung für die Avifauna wird durch eine flächendeckende Revierkartierung im Jahre 2010 (490,8 ha)
beschrieben, für eine 349,2 ha große Teilfläche liegt eine Vergleichskartierung aus dem Jahr 1994 vor. Im Venner Moor wurden 2010 insgesamt 90 Brutvogelarten mit 2.376 Revieren
registriert (48,41 Rev./10 ha), die Avifauna stellt sich somit ausgesprochen arten- und individuenreich dar. Mit 89,76 Rev./10 ha ist ein ca. 90 ha großer Waldstreifen besonders individuenreich.
Auf der 1994 und 2010 untersuchten Teilfläche stieg die Artenzahl von 42 Arten 1994 auf 66 Arten 2010, die Gesamtabundanz erhöhte sich von 19,67 auf 41,52 Rev./10 ha.
Die in den Roten Listen geführten Arten belegen aktuell in einem von Moorwäldern dominierten Teilbereich eine landesweite, in den übrigen Bereichen sogar nationale
Bedeutung für Brutvögel. Wert gebend sind insbesondere Wasser- und Watvogelarten, die in den Wiedervernässungen brüten, daneben haben die Abtorfungsflächen derzeit noch eine große Bedeutung für den vom Aussterben
bedrohten Steinschmätzer. Mit Beendigung des Torfabbaus steht in den nächsten Jahrzehnten auf großen Flächen eine Wiedervernässung an, die bei entsprechendem Management die
Bedeutung des Gebietes weiter steigern kann. Daneben wird gezeigt, dass auch die frei sukzessierenden Sekundärwälder für die Avifauna wertvoll sind. V.B, Hasestraße 60, D-49074 Osnabrück, volker.blueml@gmx.de
zurück zur Inhaltsübersicht
Degen, A., Da. Gruber, De. Gruber, G.-M. Heinze & G. Rotzoll (2011): Seltene Vogelarten in Niedersachsen und Bremen – 3. Bericht der Avifaunistischen
Kommission Niedersachsen und Bremen (AKN). Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 42: 133-144. Dieser dritte Bericht der Avifaunistischen Kommission Niedersachsen und Bremen
(AKN) umfasst 248 Meldungen von 45 Arten. 19 Meldungen wurden nicht anerkannt, entsprechend 8 % der Meldungen. Korrespondenzadresse: A. D., Elsa-Brandström-Str.4, D-49076 Osnabrück, axel.degen@t-online.de
zurück zur Inhaltsübersicht
Bechinger, F. (2011): Dokumentation über die Wiederansiedlung des Seeadlers Haliaeetus albicilla an der Ostemündung (Landkreis Cuxhaven) – von illegalen Verfolgungen begleitet
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 42: 145-150. Im Jahr 2004 erfolgte die Wiederbesiedelung des Landkreises Cuxhaven durch den Seeadler. In einem Wäldchen nahe der Mündung der Oste in die Elbe im
Grenzbereich zwischen den Landkreisen Cuxhaven und Stade wurde im März 2004 ein Brutplatz entdeckt. Diese erste Brut verlief erfolgreich. Es wurde ein Jungadler flügge.
2005-2007 war das Brutgeschehen an diesem Brutplatz von illegalen Verfolgungen geprägt, denen mind. zwei nichtflügge Adlerküken (2005) und ein adulter Seeadler
(2006) zum Opfer fielen. 2008 hielt sich ein Revierpaar im Gebiet auf und 2009 kam es wieder zu einer Brut, die jedoch erfolglos blieb. Nach fünf erfolglosen Jahren wurde 2010 erstmals wieder ein Jungadler flügge.
Fritz Bechinger, Hinterm Berge 19, D-21789 Wingst, f.bechinger@gmx.de
zurück zur Inhaltsübersicht
Kooiker, G. (2011): Erfolgreiche Brut des Uhus Bubo bubo am Osnabrücker Dom. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 42: 151-156.
Im Januar 2011 siedelte sich ein Uhupaar inmitten reger Betriebsamkeit in der Innenstadt Osnabrücks am romanischen Dom an. Die Brut begann Anfang März im
südlichen Querhaus in etwa 15 Meter Höhe. Eingang zum Brutplatz fanden die großen Eulen durch ein etwa 30 cm breites Rundloch. Zwei Jungvögel verließen die
Bruthöhle um den 20. Mai und sprangen rund 10 Meter tief auf ein flach abfallendes Zwischendach. Für kurze Zeit hielt sich sogar ein Junguhu auf dem Erdboden des
Innenhofes auf. Sie wurden bis Anfang August von den Alttieren versorgt und am 1. August letztmals am Dom gesichtet. Die Anwesenheit der Uhus am Dom, insbesondere der Jungvögel, löste eine große
und langanhaltende Begeisterung bei der örtlichen Bevölkerung aus. Dieser Bruplatz, eine künstliche „Felswand“, kennzeichnet das insgesamt fünfte Uhu
-Revier auf dem Gebiet der Stadt Osnabrück (120 km²) und unmittelbar angrenzender Gebiete. Nahrungsbasis waren vor allem Ringeltauben sowie Dohle, Igel, Wanderratte und Wildkaninchen.
G. K., Alfred-Delp-Str. 107, D-49080 Osnabrück
zurück zur Inhaltsübersicht
Großkopf, G. (2011): Zum Brutvorkommen der Reiherente Aythya fuligula im Landkreis Stade. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 42: 157-165.
Nach dem ersten Brutnachweis im Jahre 1971 hat die Reiherente Aythya fuligula nach und nach zahlreiche Gewässer im Landkreis Stade besiedelt und kommt heute
– abhängig vom Vorhandensein geeigneter Gewässer – flächendeckend vor. Als Brutgewässer werden Kiesgruben-, Fisch-und Mühlenteiche, Kleibodenentnahmen
und Entwässerungsgraben in der Marsch, Moorseen und bei der Wiedervernässung von Mooren entstandene Wasserflächen besiedelt. Bei den verstärkt seit 1986 durchgeführten Untersuchungen zur Ausbreitung der
Reiherente im Landkreis Stade war es Ziel, die Zahl der führenden Weibchen zu ermitteln, da nur so Aussagen zur Brutpopulation gewonnen werden können.
In vielen Fällen konnten auf zur Brutzeit von der Reiherente aufgesuchten Gewässern keine führenden Weibchen festgestellt werden, wenn doch, waren ihre Zahlen meist
deutlich kleiner als die Zahl der gleichzeitig anwesenden Nichtbrüter. Das Besiedlungsmuster der Reiherente ist von starken Fluktuationen
gekennzeichnet: Einzelne Gewässer wurden zunächst über mehrere Jahre von einer größeren Zahl von Reiherenten aufgesucht, und auch Bruten wurden nachgewiesen.
Ohne erkennbaren Grund wurden diese Orte dann wieder aufgegeben, bis es dann doch nach längeren Unterbrechungen wieder zu Bruten kam. An anderen Gewässern
, die insgesamt kaum von Reiherenten aufgesucht wurden, gelangen dennoch einzelne Brutnachweise. Einige Gewässer werden erst spät als Brutplatz angenommen, während andererseits
neu entstandene (z. B. Aufstauflächen in Hochmooren oder Kleipütten) schon bald nach ihrer Entstehung erfolgreich besiedelt wurden. Ein Muster ist auch hierfür nicht erkennbar.
In der Vorbrutzeit suchen Reiherentenpaare verschiedene Gewässer auf, ohne dass es zu Bruten kommt. Weiter kommt es vor, dass Reiherentenpaare wiederholt zwischen benachbarten Gewässern pendeln.
G. G., Zum Pulverberg 5, D-21682 Stade
zurück zur Inhaltsübersicht
Großkopf, G. (2011): Die Reiherente Aythya fuligula als Brutvogel an Entwässerungsgräben in der Marsch. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 42: 167-169.
Im Zuge ihrer Ausbreitung nach Nordwestdeutschland hat die Reiherente als Brutbiotop auch die von früheren Autoren noch nicht erwähnten Entwässerungsgräben der Marsch besiedelt. Hierzu werden die in den Stader
Elbmarschen gemachten Feststellungen mitgeteilt, die vor allem auf einer eingehenden Untersuchung im Gebiet der Vordeichung Nordkehdingen beruhen. G. G., Zum Pulverberg 5, D-21682 Stade
zurück zur Inhaltsübersicht
Ahrens, U., & U. Ristig (2011): Kleiber Sitta europaea als Felsbrüter in einem Steinbruch bei Hardegsen, Landkreis Northeim. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 42: 171-172.
In der Brutzeit 2010 wurde ein Brutnachweis eines Kleiberpaares Sitta europaea in einem Steinbruch in Hardegsen, Landkreis Northeim festgestellt. Das Nest befand
sich in einer Felsöffnung im oberen Teil einer 12 Meter hohen Felswand, die von Buchenwäldern umgeben war. Die Öffnung war verklebt, der Eingang befand sich am
unteren Rand. Dies ist erst der dritte bekannte Nachweis eines Kleibers als Felsbrüter in Niedersachsen. U. A., Hahndorfer Str. 26, D-38704 Liebenburg, U. R., Am Berge 8, D-38729 Lutter
zurück zur Inhaltsübersicht
Das Heft ist zum Preis von 16,- € zzgl. Versand erhältlich bei: Jürgen Ludwig, Mühlenstraße 9, 21755 Hechthausen, Jetzt per e-mail bestellen!
|