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Vogelkundliche Berichte aus Niedersachsen

Vogelkdl. Ber. Niedersachs.
Jahrgang 34 - Heft 2 - 2002

 

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Glutz von Blotzheim, U. N.: Zur Situation der mitteleuropäischen Vogelwelt. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 34: 113-128.
Vortrag anlässlich der 30. Mitgliederversammlung der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung e.V. am 31. August 2002

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Borbach-Jaene, J., H. Kruckenberg & C. Becker (2002): Ergebnisse des Gänsemonitorings in der Ems-Dollart-Region 1996 – 2001. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 34: 129-154.
Die Ems-Dollart-Region ist eines der wichtigsten Gänserastgebiete Niedersachsens. Die hier vorgestellten Ergebnisse aus dem zurückliegenden fünfjährigen Monitoring belegen eine internationale Bedeutung des Untersuchungsgebietes für die Arten Graugans, Blessgans und Nonnengans. Saatgänse kommen unregelmäßig, aber zeitweise in Größenordnungen von nationaler Bedeutung vor. Auffällig ist die seit 1996/1997 stetig frühere Ankunft der Blessgans im Gebiet. Dieses lässt sich für die Arten Graugans und Nonnengans nicht belegen. Während sich bei der Blessgans gleichzeitig auch die Maxima verringern und so zugunsten einer gleichmäßigen Phänologie ändern, zeigen die beiden anderen Arten zwar eine deutliche Zunahme des Herbstauftretens, nicht aber eine grundsätzliche Verringerung der Maximalbestände. Es bestehen deutliche Zusammenhänge zwischen der Nutzungsintensität des Gebietes und der winterlichen Temperatur in einigen der untersuchten Monate. Die Nahrungspräferenzen der einzelnen Gänsearten wurden untersucht und detailliert dargestellt.
J. B.-J., Bergstr. 103, 44339 Dortmund,
jjaene@aol.com ; H. K., Up`n Ackern 1, D-27283 Verden/Aller, kruckenbrg@aol.com ; C. B., Faldernstr. 5, 26789 Leer

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Zehrer, C. & T. Brandt (2002): Siedlungsdichte, Neststandorte und Bruterfolg von Rotmilan (Milvus milvus), Schwarzmilan (Milvus migrans), Mäusebussard (Buteo buteo) und Turmfalke (Falco tinnunculus) am Steinhuder Meer. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 34: 155-168.
Im Jahr 1999 wurden die Siedlungsdichte, die Neststandorte und der Bruterfolg der Greifvogelarten Rotmilan, Schwarzmilan, Mäusebussard und Turmfalke in zwei Teilgebieten im Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Feuchtgebiet internationaler Bedeutung Steinhuder Meer“ untersucht. Die häufigste der untersuchten Arten war der Mäusebussard, gefolgt von Turmfalke, Schwarzmilan und Rotmilan. Es zeigte sich bei allen vier Arten auf den von großflächigen Feuchtwiesen geprägten Bereichen westlich des Steinhuder Meeres (Teilgebiet A) eine höhere Siedlungsdichte gegenüber dem von degenerierten Hochmooren dominierten Gebiet östlich des Sees (Teilgebiet B). Feldgehölze und Baumreihen wurden als Nistplätze bevorzugt, während die vier Arten im Untersuchungsjahr nicht in Einzelbäumen brüteten. Die Nester lagen in einer Höhe zwischen acht und 30 Metern, die durchschnittliche relative Höhe der Horste in den Bäumen betrug 67 % beim Schwarzmilan und 78 % beim Rotmilan. Dabei befanden sich bei allen vier Arten mindestens 50 % der Nester in einer Stammgabelung. Die am häufigsten als Nistplatz genutzten Gehölzarten waren Hybridpappeln und Schwarzerlen. Moorbirke, Stieleiche und Waldkiefer wurden weniger häufig genutzt.
C. Z., Mühlenkampstr. 13 A, 31515 Wunstorf,
czehrer@yahoo.de ; T. B., Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer e.V., Hagenburger Str. 16, 31547 Rehburg-Loccum, brandt@oessm.org

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Brandt, T. (2002): Störungen und Predation in einer Kolonie des Kormorans (Phalacrocorax carbo sinensis) durch Seeadler (Haliaeetus albicilla) am Steinhuder Meer. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 34: 169-172.
Am Steinhuder Meer, Niedersachsen, konnte ein Seeadler beim Erbeuten von Kormorannestlingen beobachtet werden. Die Kormorankolonie wurde von den Seeadlern in den Jahren 2000 und 2001 regelmäßig aufgesucht, so dass davon auszugehen ist, dass das (weitgehende) Erlöschen der Kolonie mit 25 (im Jahr 2000 ) und 24 (2001) besetzten Nestern auf deren Störungen und Predation zurückzuführen ist. Störungen durch Seeadler führten außerdem vermutlich zu einer Verlegung des Kormoranschlafplatzes in die Nähe einer von Menschen stark frequentierten Uferpromenade. Der Einfluss des Seeadlers auf die Kormorankolonie und die Bedeutung von Kormoranen als Beute werden diskutiert.
T. B., Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer e.V., Hagenburger Str. 16, 31547 Rehburg-Loccum,
brandt@oessm.org

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Zang, H. (2002): Verbreitung und Bestand des Sperlingskauzes Glaucidium passerinum in Niedersachsen, Ergebnisse einer landesweiten Kartierung 2001/2002 – mit einigen grundsätzlichen Bemerkungen zur Populationsdynamik, DDT-Kontamination, Herkunft und Bestandsentwicklung in Deutschland. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 34: 173-192.
2001/2002 wurden in Niedersachsen 137 besetzte Reviere des Sperlingskauzes gefunden. Unter Berücksichtigung des regionalen Erfassungsgrades (33 - 95 %) ergibt sich eine Zahl von 203 Revieren. 1997 - 2000 waren weitere 30 regelmäßig besetzte Reviere bekannt, in denen 2001/2002 kein Nachweis gelang, jedoch teilweise im Herbst 2002 singende Männchen festgestellt wurden. Insgesamt kann daher in Niedersachsen 2001/2002 von einem Bestand von 170 - 230 Paaren ausgegangen werden. Das sind etwa 10 % des deutschen Bestandes von ca. 2.000 Paaren.
Die Dichte lag im allgemeinen bei 0,4 - 0,7 Revieren/10 km² Waldfläche, im Kreis Celle mit 1,1 - 1,3 Revieren/10 km² deutlich höher. Alle Vorkommen lagen E der Weser und verteilen sich auf die naturräumlichen Regionen Lüneburger Heide (50 %) , Harz (26 %), Weser-Aller-Flachland (15 %) und Weser-Leinebergland (9 %). Brutvorkommen sind an das Vorhandensein von Fichten gebunden. Sie wurden in Bergfichtenwäldern, Fichtenforsten, auch innerhalb ausgedehnter Kiefernforsten, wenige auch in Fichten-Buchen-Mischwäldern gefunden. Bruthöhlen befanden sich ausschließlich in Buntspechthöhlen (n = 88), fast alle in Fichten (n = 85) und je ein Mal in Kiefer, Birke und Espe. Die Brutvorkommen lagen im Tiefland in 36 - 150 m üNN (65 %) sowie im Bergland und im Harz in 300 - 500 m üNN (Buchenstufe, 9 %) bzw. in 500 - 850 m üNN (26 %). Im Nationalpark Harz zeigt die Entwicklung 1993 - 2002 Schwankungen bis 67 %, insgesamt aber einen im Mittel konstanten Verlauf.
1800 - 1975 hat es keinen Hinweis auf Bruten in Niedersachsen sowie im übrigen NW- Deutschland gegeben. Aufgrund des Landschaftszustandes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts boten Harz und Lüneburger Heide keine ausreichenden, günstigen Habitate für den Sperlingskauz. Diese entstanden erst 1850 - 1900. Daher ist davon auszugehen, dass die Art in dieser Zeit hier nicht gebrütet hat. Die wenigen Beobachtungen in NW-Deutschland verteilen sich ziemlich gleichmäßig auf den Zeitraum 1875 - 1950. Von 1951 bis 1975 häufen sich Nachweise in den Jahren 1954, 1955, 1962, 1963, 1971 und 1976, 1977. Diese Jahre decken sich mit Invasionsjahren in Fenno–Skandien, die sich bis Dänemark erstreckt haben. Offensichtlich haben diese kleinen Eulen auch NW-Deutschland erreicht. Fast alle übrigen Nachweise liegen ebenfalls in Invasionsjahren. Dispersionsdynamik und Ansiedlungsstrategie mit durchaus hohen Distanzen scheinen der des Rauhfußkauzes ähnlich zu sein, wenn auch die Abhängigkeit von Mäusegradationen weniger stark ist.
Alle Anzeichen sprechen dafür, dass das Bestandstief des Sperlingskauzes in den Mittelgebirgen von Mitte der 1950er bis Mitte der 1970er Jahre ähnlich wie beim Sperber in Mitteleuropa durch DDT–Kontamination verursacht wurde.
Die Beendigung der DDT–Anwendung um 1970 und eine verbesserte Habitatqualität in den Mittelgebirgen, zu der insbesondere die beginnenden Waldschäden beitragen, haben seit Anfang der 1970er Jahre zu einer Bestandszunahme in den Verbreitungszentren geführt und in Folge zu einer Arealausweitung unter anderem auch nach NW-Deutschland. In Niedersachsen brütet der Sperlingskauz vermutlich seit Mitte der 1970er, zweifelsfrei und zunehmend seit 1991.
Die Verbreitungsschwerpunkte des Sperlingskauzes in der Lüneburger Heide und im Harz werden u. a. auf den geringen Laubwaldanteil und infolgedessen auf eine geringe Dichte der Waldkauzvorkommen zurückgeführt.
Eine Gefährdung geht von Lebensraumverlusten aus. Darum sind höhlenreiche, stark gegliederte und grenzlinienreiche Nadelwälder, insbesondere Althölzer und Höhlenbäume, als wichtigster Lebensraum des Sperlingskauzes zu erhalten.
H. Z., Oberer Triftweg 31A, 38640 Goslar,
Herwig.Zang@t-online.de

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last updated: 29.08.2007