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Vogelkundliche Berichte aus Niedersachsen

Vogelkdl. Ber. Niedersachs.
Jahrgang 39 - Heft 1/2 - 2007

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Schröder, K., T. Schikore, W. Eikhorst, K. Koffijberg & M. Richter (2007): Verbreitung, Bestand und Habitatwahl des Wachtelkönigs (Crex crex) in Niedersachsen und Bremen - Ergebnisse einer landesweiten Erfassung im Jahr 2004 sowie Aufarbeitung und Analyse der Bestandsentwicklung und Schutzsituation. Vogelkdl. Ber. Nieders. 39: 1–38.

Im Jahr 2004 wurde in Niedersachsen (NI) und Bremen (HB) erstmalig im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Vogelschutzwarte und der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung (NOV) eine systematische Erfassung der Wachtelkönigvorkommen durchge­führt, um Größe, Verteilung und Dynamik des Brutbestandes genauer angeben und bewerten zu können. Zielsetzung war auch die Einordnung des aktuellen Erhaltungszustandes einer Anhang I-Art der EU-Vogelschutzrichtlinie und seiner Lebensräume. Darüber hinaus wurde die Datenlage für den Zeitraum seit 1976 aufgearbeitet sowie die langfristige Bestandsentwicklung, Verbreitung und Habitatnutzung beschrieben und im Hinblick auf Wirksamkeit und Erfolg bisheriger Schutzmaßnahmen diskutiert. Abschließend werden Vorschläge für ein Monitoring in den Verbreitungsschwerpunkten des Wachtelkönigs gemacht.
Die landesweite Erfassung 2004 fiel zusammen mit einem Bestandstief für den Zeitraum ab 1997 und ergab einen Bestand von 247 Revieren. Größere Vorkommen konzentrierten sich in den Flussniederungen und Marschen von Elbe, Weser/Aller (mit Leine, Wümme) und Ems. In den Jahren 1997–2004 wurden für einzelne Verbreitungsschwerpunkte Dichtewerte zwischen 3,2 und 6,6 singenden /100 ha festgestellt. Für diese Gebiete wie z.B. die Untere Wümmeniederung kann der Erhaltungszustand der Populationen nach dem Kriterium Siedlungsdichte als günstig bewertet werden. Aufgrund überwiegend geringer Dichten unter 1 /100 ha, starkem Rückgang bis in die 1970er Jahre und großer Bestandsschwankungen in der Folgezeit stellt sich die Situation der niedersächsischen Wachtelkönig-Population insgesamt jedoch ungünstig dar.
Ab Ende der 1990er Jahre wurde wie in Niedersachsen und Bremen auch bundesweit eine allgemeine Zunahme des Wachtelkönigbestands beobachtet, die in den jeweiligen Roten Listen zu einer Herabstufung des Gefährdungsstatus führte. In der Datenanalyse zeigte sich jedoch diese scheinbar positive Entwicklung als verstärkte Schwankung mit Höhepunkt im Jahr 1998 mit einem geschätzten Bestand für NI/HB von 840 , der jedoch in den Folgejahren nicht mehr erreicht wurde. Die davon abweichende Bestandsentwicklung in einzelnen Brutgebieten, wie z.B. der Leineniederung bei Salzderhelden, wird anscheinend durch Bruttradition gestützt.
Die Natura 2000-Gebietskulisse deckt einen großen Anteil von 77 % der im Jahr 2004 erfassten Wachtelkönigreviere ab. 68 % des Bestandes verteilten sich in EU-Vogelschutzgebieten (EU-SPA), die den Schutz des Wachtelkönigs als Wert bestimmende Art verfolgen. Die Schutzsituation ist jedoch in der Umsetzung defizitär, da die spezifischen Habitatansprüche bisher nur in geringem Umfang berücksichtigt wurden. So wird erst in wenigen Schutzgebieten die landwirtschaftliche Nutzung auf Teilflächen bis zum Abschluss der zweiten Brut sowie der Mauser des Wachtelkönigs im Spätsommer ausgesetzt.
Die deutlich bevorzugten Habitate sind Überschwemmungswiesen. Diese werden in Fluss-Vorländern und offenen Niederungen durch Hochwasserdynamik besonders geprägt oder unterliegen binnendeichs ersatzweise einem Management naturnaher Wasserhaltung und Nutzung. Aufgrund ausbaubedingter Überlagerungen des Überschwemmungsregimes der meisten Flüsse sowie der zeitlichen und räumlichen Begrenzung von Wasserstandsanhebungen ist der Erhaltungszustand des Wachtelkönigs und seiner Lebensräume in Niedersachsen mit wenigen Ausnahmen als ungünstig einzustufen.

K. S. & T. S., BIOS, Lindenstraße 40, D–27711 Osterholz-Scharmbeck, info@bios-ohz.de; W. E., Julius-Leber-Straße 157, D–28329 Bremen, Limosa@t-online.de; K. K., Schanzenstraße 80, D–46535 Dinslaken, kees.koffijberg@t-online.de; M. R., Naturschutzring Dümmer e.V., Am Ochsenmoor 52, D–49448 Hüde, naturschutzring.duemmer@t-online.de

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Blüml, V., A. Schönheim & A. Degen (2007): Veränderungen der Brutvogelwelt im Naturschutzgebiet „Emsaltwasser bei Vellage (sog. Tunxdorfer Schleife)“ (Landkreise Emsland und Leer). Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 39: 39–60.

Die Brutvögel des Naturschutzgebietes „Emsaltwasser bei Vellage“ (ca. 187 ha) im Deichvorland bei Papenburg wurden 1997 und 2006 mit der Methode der Revierkartierung flächendeckend erfasst.
Das Gebiet war bis in die 1980er Jahre von landwirtschaftlich genutztem Feuchtgrünland beherrscht, nur entlang des Altarms waren Tideröhrichte in größerem Umfang ausgebildet. Nach mehrfachen Vertiefungen der Emsfahrrinne kam es seit Anfang der 1990er Jahre zu diversen Brüchen der Sommerdeiche, gefolgt von einer großflächigen Röhrichtentwicklung. Bedingt durch unnatürlich starken Tidenhub schlickt der Altarm weiter auf und wächst mehr und mehr mit Schilfröhrichten zu, in bislang geringerem Umfang kommen Gehölze auf.
Im Vergleich der Untersuchungsjahre erhöhte sich die Artenzahl leicht von 39 auf 41, die Gesamtzahl der Reviere stieg von 494 auf 744 und damit die Gesamtabundanz von 26,4 auf 39,8 Rev./10 ha. Entscheidend hierfür ist der Flächenzuwachs der insgesamt dicht besiedelten Schilfröhrichte, besonders im Bereich zuvor vegetationsloser Flusswatten. Daher sind die realen Brutvogeldichten der terrestrischen Habitate kaum gestiegen. Getrennt nach ökologischen Gilden haben die Röhrichtbrüter den weitaus höchsten Anteil und haben die Gesamtzahl der Reviere gegenüber 1997 fast verdoppelt; Gehölzbrüter nahmen fast ebenso stark zu. Dagegen verschwanden die Restbestände der Wiesenbrüter sowie die Wasservögel weitestgehend. Auch sonstige Offenlandbrüter gingen deutlich zurück.
Die meisten Röhrichtbrüter sind aktuell in auch aus landesweiter Sicht großen Beständen und mit hohen Dichten vertreten, es fehlen aber Arten wasserdurchfluteter Röhrichte wie Rohrdommel, Zwergdommel und Drosselrohrsänger. Die in den Roten Listen geführten Arten belegen für 1997 eine landesweite und für 2006 eine nationale Bedeutung als Vogelbrutgebiet. Zudem sind mit Tüpfelsumpfhuhn und Blaukehlchen zwei nach Anhang I der EU -Vogelschutzrichtlinie besonders zu schützende Arten in großen, zunehmenden Beständen vertreten. Nachdem das Gebiet seinen Wert als Wiesenvogelbrutgebiet sowie als Rastgebiet weitgehend verloren hat, sind die großflächigen Schilfröhrichte mit den wertgebenden Brutvogelbeständen als das vorrangige Erhaltungsziel für diesen Teilbereich des Emsvorlandes anzusehen. Eine stärkere Gehölzentwicklung sollte vermieden werden.

V.B. & A.S., Hasestraße 60, D-49074 Osnabrück, v.blueml@bms-umweltplanung.de; a.schoenheim@bms-umweltplanung.de; A.D., Elsa-Brandström-Straße 4, D-49076 Osnabrück, axel.degen@t-online.de
 

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Kooiker, G. (2007): Vogelmonitoring in Osnabrück: Ergebnisse langjähriger Bestandserfassungen (1986 bis 2006) im innerstädtischen Siedlungsraum. Vogelkundl. Ber. Niedersachs. 39: 61–75.

Zwischen 1986 und 2006 wurde im Kernstadtbereich von Osnabrück der Brutvogelbestand erfasst (Methode: Linientaxierung, Länge des Transektes: 3,04 km ). Für 24 Vogelarten liegen lückenlose Datenreihen über den gesamten Zeitraum (21 Jahre) vor. Die häufigste Vogelart entlang der Transektroute war die Ringeltaube (Columba palumbus), gefolgt von Amsel (Turdus merula), Blau- (Parus caeruleus) und Kohlmeise (Parus major). Vier von 24 Vogelarten nahmen im bearbeiteten Zeitraum signifikant zu, acht Arten signifikant ab und drei Arten wiesen einen stabilen Trend auf.
Die stärksten Bestandszunahmen wurden bei Rabenkrähe (Corvus corone), Zaunkönig (Troglodytes troglodytes), Rotkehlchen (Erithacus rubecula) und Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) beobachtet (alle signifikant). Die Bestandsentwicklung bei Kleiber (Sitta europaea) und Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla) verlief ebenfalls positiv (nicht signifikant). Dagegen stehen unten auf der Skala die Vogelarten Star (Sturnus vulgaris), Bachstelze (Motacilla alba), Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) und Türkentaube (Streptopelia decaocto) mit den größten Abnahmen. Weitere Arten mit signifikant negativem Bestandstrend waren Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros), Buchfink (Fringilla coelebs), Amsel und Grünfink (Carduelis chloris). Die Bestände von Kohlmeise, Zilpzalp (Phylloscopus collybita) und Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) blieben über diesen Zeitraum im Wesentlichen stabil. Eine Erklärung über die Abnahme der Bestände von Buchfink, Grünfink, Amsel und Singdrossel (Turdus philomelos) ist derzeit noch nicht möglich, ist aber wohl nicht auf Elster- (Pica pica) oder Rabenkrähenprädation zurückzuführen.

G. K., Alfred-Delp-Str. 107, 49080 Osnabrück
 

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Kamp, J. (2007): Verbreitung, Bestand und Habitatnutzung des Mittelspechts Dendrocopos medius in Nordwest-Niedersachsen. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 39: 77–96.

In der vorliegenden Arbeit werden aktuelle Bestandszahlen für den Mittelspecht, eine Art der EU-Vogelschutzrichtlinie, in NW-Niedersachsen (Ostfriesland, Oldenburger Land, Bremen, Landkreise Cuxhaven und Osterholz-Scharmbeck) mitgeteilt, ein Gesamtbestand abgeschätzt und die gegenwärtige Verbreitung der Art skizziert. Ergänzend wird die Habitatnutzung im Untersuchungsraum beschrieben. Zur Bestandsabschätzung wurden alle verfügbaren Nachweise der Art aus dem Zeitraum 1997 bis 2007 zusammengetragen, sowohl aus publizierten als auch unveröffentlichten Quellen. Unter Zuhilfenahme der Ergebnisse eigener Siedlungsdichte-Untersuchungen in sieben Waldgebieten des Oldenburger Landes in den Jahren 2003 bis 2007 und vorhandener Flächendaten zu alten Laubholzbeständen im Oldenburger Land und Ostfriesland wurde ein Minimal-, mittlerer und Maximalbestand für die Art kalkuliert und die Verbreitung der untersuchten Population räumlich dargestellt.
Insgesamt wurden für den untersuchten Raum ein Minimalbestand Nmin von 350 Mittelspechtrevieren recherchiert, davon 312 im Oldenburger Land, 15 in Ostfriesland und 23 östlich der Weser. Im Rahmen der eigenen Siedlungsdichteuntersuchungen wurden auf 1.317 ha Wald 92 Reviere ermittelt. Resultierende Siedlungsdichten lagen bei 0,6 bis 1,8 (im Mittel 0,9 ± 0,41 SD) Revieren pro 10 ha Waldfläche, und bei 0,9 bis 2,9 (im Mittel 2,1 ± 0,58 SD) Revieren pro 10 ha geeigneten Habitats. Eine Extrapolation unter Anwendung der mittleren Siedlungsdichte pro 10 ha geeigneten Habitats auf die Gesamtfläche verfügbaren geeigneten Habitats ergab einen mittleren Bestand Nmean von 529 Revieren, unter Anwendung der maximalen Siedlungsdichte einen maximalen Bestand Nmax von 627 Revieren. Da Nmean und Nmax wesentlich höher liegen als Nmin, ist von erheblichen Erfassungslücken auszugehen. Eine Analyse der Bestandsentwicklung für das Oldenburger Land ergab einen deutlich positiven Trend seit 1970. Die Zunahme ist allerdings kaum von den Effekten einer stark verbesserten Erfassungsintensität u.a. durch den vermehrten Einsatz von Klangattrappen abzugrenzen. Eine Zunahme wird im Kontext von nachhaltiger Forstwirtschaft und aktuell besonders günstigem Bestandesalter diskutiert. In den Siedlungsdichte-Untersuchungen abgegrenzte Reviere lagen überwiegend in alten Eichenwäldern, im Detail wurden 11% in Eschen-Erlen-Feuchtwäldern, 36 % in Eichen-Rotbuchenwäldern, 51% in Eichen -Hainbuchenwäldern und 2 % in reinen Erlenwäldern nachgewiesen. Die zur Brut genutzten Bestände waren überwiegend älter als 80 Jahre, allerdings konnten auch Reviere in jüngeren Eichenbeständen belegt werden. Die ermittelten Siedlungsdichten lagen im Rahmen der in der Literatur zitierten Werte, allerdings besiedelten Mittelspechte im Untersuchungsraum zum Teil deutlich kleinere Habitatpatches (1,3 bis 2,2 ha), als bisher für möglich gehalten. Der Mittelspechtbestand im Untersuchungsgebiet ist aufgrund seiner Größe (14,0 bis 20,9 des niedersächsischen Bestands) und der Tatsache, dass er den nordwestlichen Vorposten im Verbreitungsgebiet der Art darstellt, von besonderer Bedeutung für den Schutz der Art. Die betrachtete Population hat wegen des hohen Fragmentierungsgrades des besiedelten Lebensraumes Metapopulations-Charakter. Von besonderer Bedeutung sind wahrscheinliche „source-Populationen“ z.B. im Neuenburger Holz, Lkr. Friesland (34 Reviere) und NSG Hasbruch, Lkr. Oldenburg (83 Reviere), während kleinere patches möglicherweise einer Aussterbe -Wiederbesiedlungs­dynamik unterliegen. Die Eignung des Mittelspechts als „umbrella species“ für alte Eichenbestände und Indikator für den Erhal­tungs­zustand alter Laubwälder in der Region wird diskutiert.

J.K., Hindenburgstr. 3, D-26122 Oldenburg, johannes.kamp@uni-oldenburg.de
 

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Kooiker, G. (2007): Der Einflug von Seidenschwänzen (Bombycilla garrulus) im Winter 2004/05 in Osnabrück: zeitlicher Verlauf, Glasopfer und Vermeidung von Glasanflügen. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 39: 97-102.

Im Winter 2004/05 erfolgte in und um Osnabrück eine große Invasion von Seidenschwänzen. Insgesamt wurden von 28 Personen 74 Beobachtungen mit zirka 4.400 Seidenschwänzen gemeldet. Der Einflug begann Mitte November 2004 und dauerte im Wesentlichen bis Anfang Januar 2005. Die maximale Truppgröße betrug knapp 400 Vögel. Der größte Teil der Vögel hielt sich knapp einen Monat lang in Osnabrück auf. Im Laufe des Monats Dezember wurden zehn tödliche Glasanflüge an der zweistöckigen Fassade eines Schulzentrums registriert. Die tatsächliche Opferzahl dürfte weit höher gelegen haben. Einige Aspekte zur Vermeidung von Kollisionen an Glasscheiben werden diskutiert. 

G. K., Alfred-Delp-Str. 107, 49080 Osnabrück
 

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Blüml, V., A. Degen, H. Dirks & H. Schürstedt (2007): Die nordwestliche Diepholzer Moorniederung als Rast- und Überwinterungsgebiet für Schwäne (Cygnus spp.). Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 39: 103–120.

Die Rastbestände von Schwänen werden in der nordwestlichen Diepholzer Moorniederung seit dem Winter 2000/01 erfasst, wobei die Saisonmaxima der Singschwäne zwischen 2000/01 und 2006/07 von etwa 120 auf über 300 Ind. und die der Zwergschwäne von etwa 50 auf über 200 Ind. gestiegen sind. Schlafplätze liegen überwiegend in Wiedervernässungsflächen im Großen Moor bei Barnstorf sowie im Nördlichen und Mittleren Wietingsmoor, die Nahrungsflächen um diese Moore herum in landwirtschaftlichen Nutzflächen. Das Umfeld des Großen Moores wird am intensivsten genutzt, im Spätwinter gewinnen jedoch die Flächen um die Wietingsmoore an Bedeutung. Verlagerungen der Rastbestände, Schlafplatzflüge und Ablesungen halsringmarkierter Singschwäne belegen einen starken Austausch zwischen den einzelnen Teilräumen während des Winters, wobei sich in jeder Saison ähnliche Muster der Raumnutzung zeigen. Der Individuenaustausch mit anderen Überwinterungsplätzen im westlichen Niedersachsen ist dagegen gering. Zwergschwäne rasten im Untersuchungsgebiet auf dem Weg-, vor allem aber während des Heimzugs. In milden Wintern überwintern sie auch in größerer Zahl.
Wie für Westniedersachsen typisch sind Maisstoppelfelder das bevorzugte Nahrungshabitat. Daneben werden abgeerntete Kartoffelfelder, Wintergetreide- und Rapsfelder sowie Grünland genutzt; aquatische Nahrung spielt hingegen keine Rolle. Während im Laufe des Winters Stoppelfelder an Bedeutung verlieren, nimmt der Anteil von Wintergetreide und Raps sowie im Spätwinter auch der von Grünland zu. Zwergschwäne nutzen insgesamt mehr Grünland und weniger Maisstoppelfelder, was auch durch ihr phänologisches Muster mit einem deutlicheren Schwerpunkt im Frühjahr erklärbar ist. Von Winter zu Winter variiert die Habitatwahl stark. Die wenigen überwinternden Höckerschwäne fressen überwiegend auf Rapsfeldern.
Das Gebiet erreicht derzeit alljährlich eine nationale Bedeutung als Rastplatz für Sing- und Zwergschwäne, wohingegen den Höckerschwan-Beständen bislang keine herausgehobene Bedeutung beizumessen ist.

V. B., Hasestraße 60, D-49074 Osnabrück, volker.blueml@gmx.de; A. D., Elsa-Brandström-Str. 4, D-49076 Osnabrück, axel.degen@t-online.de; H. D., Stormstraße 17, D-49624 Löningen, chmsdirks@t-online.de; H. S., Surmannskamp 15, D-49424 Goldenstedt-Lutten, holger.schuerstedt@gmx.de;
 

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Gesemann, S. & S. Rüter (2007): Untersuchungen zur winterlichen Habitatnutzung der Avifauna in der Agrarlandschaft – am Beispiel der Gemeinde Wedemark (Niedersachsen) . Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 39: 121–134.

Die Vögel der Agrarlandschaft zählen zu den am stärksten bedrohten Artengilden in Deutschland. Während über die Brut- und Ernährungsmöglichkeiten im Frühjahr und Sommer bereits zahlreiche Untersuchungen vorliegen, ist über die winterliche Habitatnutzung der Avifauna noch relativ wenig bekannt.
Am Beispiel eines landwirtschaftlich geprägten Gebietes in der Wedemark (Region Hannover, Niedersachsen) wurde untersucht, welche Habitatfunktionen die Agrarlandschaft speziell im Winter für Vögel besitzt. Zu diesem Zweck wurde zwischen Dezember 2006 und Januar 2007 eine Kartierung der vorkommenden Vogelarten und der verschiedenen Biotop- und Nutzungstypen durchgeführt. Die Auswertung der Kartierergebnisse zeigt, dass die Flächen sehr unterschiedlich von den einzelnen Arten genutzt werden. Habitatpräferenzen konnten für Grünland und Brachflächen sowie für Stoppelfelder, Wintergetreideäcker und Äcker mit Winterbegrünung festgestellt werden. Die Bevorzugung dieser Biotoptypen kann primär auf das vorhandene Nahrungsangebot sowohl für samen- und insektenfressende Arten, als auch für Greifvögel (Angebot an Kleinsäugern) zurückgeführt werden. Darüber hinaus bestätigte sich die besondere Bedeutung von flurgliedernden Gehölzstrukturen (z.B. Hecken, Baumreihen), die auch in den Wintermonaten wichtige Funktionen für Vögel erfüllen (u.a. als Nahrungsquelle, Rückzugsraum, Ansitzwarte). Maisstoppeläcker wurden trotz des relativ hohen Flächenanteils nur mäßig genutzt und scheinen für den überwiegenden Teil der vorkommenden Arten keine besondere Bedeutung als Lebensraum zu besitzen.
Der Beitrag schließt mit der Forderung, dass eine Bewertung der Habitatfunktion von Agrarlandschaften stets den gesamten Jahresverlauf berücksichtigen muss. Eine besondere Relevanz zeigt sich vor dem Hintergrund des verstärkten Anbaus von Biomasse zur Energiegewinnung, der für die Zukunft einen weiteren Rückgang der den Vögeln zur Verfügung stehenden Nahrungshabitate erwarten lässt. Insgesamt sollte in landwirtschaftlich geprägten Gebieten ein ausgewogener Mix aus verschiedenen Acker- und Grünlandbiotopen sowie naturnahen Biotopstrukturen angestrebt werden.
S. G., Institut für Umweltplanung, Herrenhäuser Str. 2, D-30419 Hannover, gesemann@umwelt.uni-hannover.de; S. R., Institut für Umweltplanung, Herrenhäuser Str. 2, D-30419 Hannover, rueter@umwelt.uni-hannover.de
 

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Knolle, P. & J.-H. Mülstegen (2007): Eine singende Sperbergrasmücke Sylvia nisoria in der Grafschaft Bentheim. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 39: 135–138.

Vom 1.-14. Juni 2003 wurde eine singende Sperbergrasmücke Sylvia nisoria im Landkreis Graf­schaft Bentheim, SW-Niedersachsen, beobachtet. Es handelt sich um einen sehr weit westlichen Frühjahrsnachweis für Deutschland. Im vorliegenden kurzen Bericht beschreiben wir das Habitat. Darüber hinaus stellen wir die Beobachtung in einen Zusammenhang mit Frühjahrsvorkommen von Sperbergrasmücken in Nordrhein-Westfalen, den Niederlanden, Belgien und Großbritannien.

P. K., Venderinklanden 13, NL-7542 MK Enschede; J.-H. M., Olderstiege 1A, D-48455 Bad Bentheim

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Siems-Wedhorn, C. (2007): Zum Krammetsvogelfang in Niedersachsen – eine Ergänzung. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 39: 139–140.

Diese Arbeit dokumentiert den bislang kaum bekannten Drosselfang im heutigen Landkreis Lüchow-Dannenberg zwischen 1694 und 1840. Insgesamt wurden in dieser Zeit über 50.000 Drosseln gefangen.

Christoph Siems-Wedhorn, Sallahn 5, D-29482 Küsten, siems-wedhorn@web.de

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Das Heft ist zum Preis von 16,- € zzgl. Versand erhältlich bei:
Jürgen Ludwig, Mühlenstraße 9, 21755 Hechthausen,
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last updated: 11.05.2008