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Vogelkdl. Ber. Niedersachs. Jahrgang 40 - Heft 1/2 - 2008
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Krüger, T., & B. Oltmanns (2008): Identifizierung von Vogelarten für die Schwerpunktsetzung im Brutvogelschutz
Niedersachsens anhand eines Prioritätenindex. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 67-81. In der Arbeit wird auf Basis aktueller Daten herausgearbeitet, auf welche Brutvogelarten Niedersachsens die
Naturschutzverwaltung des Landes ihr besonderes Augenmerk richten sollte. Für die Herleitung von Prioritäten im Brutvogelschutz wurden alle Brutvogelarten berücksichtigt, die gemäß aktueller Roter Liste der in
Niedersachsen und Bremen gefährdeten Brutvögel zu den regelmäßig, d. h. alljährlich im Bearbeitungsgebiet brütenden Arten zählen. Unregelmäßig brütende Vogelarten oder Vermehrungsgäste finden hingegen keine
Berücksichtigung, ebenso 15 Arten, die zwar einstmals zu den regelmäßigen Brutvögeln Niedersachsens und Bremens gehörten, aber inzwischen in ihrem Bestand erloschen sind. Der Vogelschutz-Prioritätenindex (VPI)
basiert auf drei übergeordneten Kriterien – Verantwortlichkeit, Gefährdung sowie Bestandstrend und Verbreitungsprognose –, die sich aus insgesamt 13 Einzelfaktoren zusammensetzen. Jeder dieser Faktoren
wurde artbezogen mittels einer 3-Punkte-Skala bewertet, wobei „1“ grundsätzlich eine geringe Bedeutung und „3“ eine sehr hohe Bedeutung widerspiegelt. Die 195 betrachteten, rezenten Brutvogelarten
Niedersachsens erhalten bei Anwendung der detailliert beschriebenen Methode unterschiedliche Indexwerte, die zwischen 22,5 und 1,5 liegen. Der Goldregenpfeifer Pluvialis apricaria führt den
Vogelschutz-Prioritätenindex an, gefolgt von Uferschnepfe Limosa limosa (22,0 Punkte), Lachseeschwalbe Gelochelidon nilotica (20,6), Seeregenpfeifer Charadrius alexandrinus (18,0) und Großem Brachvogel Numenius
arquata (17,9). In einem weiteren Verfahrensschritt werden die prioritär zu betrachtenden Brutvogelarten entsprechend ihrer Rangfolge ermittelt. Hieraus ergibt sich bei den Arten mit den Rangziffern 1-25
Priorität für Schutzmaßnahmen. Dabei handelt es sich um 33 Brutvogelarten Niedersachsens, die auf Grundlage des vorgestellten Prioritätenindex vorrangig in den Fokus des landesweiten Vogelschutzes gerückt werden
sollten Durch den Index soll der Blick auch auf jene Arten gelenkt werden, denen aus landesweiter und europäischer Sicht auf Basis objektiver Kriterien besonderes Gewicht beim Mitteleinsatz und bei der Umsetzung
von Maßnahmen in der Fläche eingeräumt werden sollte. Bei einigen dieser Arten (z. B. Rebhuhn Perdix perdix, Löffelente Anas clypeata, Knäkente A. querquedula, Steinschmätzer Oenanthe oenanthe, Wendehals Jynx
torquilla) handelt es sich um Brutvogelarten, deren Schutz aktuell keinen Schwerpunkt des Vogelartenschutzes darstellt. Der Vogelschutz-Prioritätenindex ist hingegen keineswegs so zu verstehen, dass (u. U. bereits
erfolgreich laufende) Artenschutzmaßnahmen in Frage gestellt werden sollen, wenn die entsprechenden Arten nicht als prioritär zu betrachten eingestuft wurden. Bei diesen Arten besteht vielfach allein durch die
Europäische Vogelschutzrichtlinie die Verpflichtung, sich um ihren Erhalt zu bemühen. T. K., B. O., Staatliche Vogelschutzwarte im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
(NLWKN), Betriebsstelle Hannover-Hildesheim, Göttinger Chaussee 76A, D-30453 Hannover, thorsten.krueger@nlwkn-h.niedersachsen.de, bernd.oltmanns@nlwkn-h.niedersachsen.de
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Bauer, H.-G. (2008): Über die Entwicklung der Roten Liste der Brutvögel in Deutschland. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 83-90.
Die Entwicklung der Roten Liste der Brutvögel in Deutschland wird in drei Teilaspekten diskutiert. Einem historischen Abriss von der Frühphase der Auflistung
gefährdeter Arten bis zu aufwändigen Artenlisten folgt eine Darstellung der Evolution der Methoden, von einfachen Einstufungen durch Abstimmung hin zu quantitativen
Kriterien und komplexen Einstufungswegen. Schließlich wird die naturschutzpolitische Wirksamkeit und Bedeutung Roter Listen im Zuge derzeitiger Entwicklungen diskutiert.
H.-G. B., Max-Planck-Institut für Ornithologie, Vogelwarte Radolfzell, Schlossallee 2, D-78315 Radolfzell, bauer@orn.mpg.de
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Both, C. (2008): Climate change and the advance of laying dates in Pied
Flycatchers Ficedula hypoleuca: the Harz and the rest of Europe. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 91-97. It is not easy to show how birds react to climate change. For this, one needs long
lasting population studies, and preferentially in areas both with, and without local temperature change. Here data for pied flycatchers Ficedula hypoleuca are
presented, showing that they have advanced their breeding dates during the last 25 years in the Harz and in the Netherlands. Pied flycatchers lay earlier in warmer
springs, but springs have not warmed to a similar degree across their breeding range. As a consequence, pied flycatchers have only advanced their breeding dates where
temperatures increased, without any advance in laying dates in Scandinavia and Russia. The response to climate change may differ between species, as the
comparison between European starlings Sturnus vulgaris and pied flycatchers shows. Starlings breed earlier in the year, and temperatures during this period have
changed differently, and on the basis of temperature trends starlings were expected to advance their breeding dates in Russia, but not in central Europe. Climate change
thus affects species differently at different places of their breeding range. C. B., Animal Ecology Group, Center for Ecological and Evolutionary Studies,
University of Groningen, PO Box 14, NL-9750 AA Haren, The Netherlands, c.both@rug.nl
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Hüppop, O., & F. Bairlein (2008): Buchenmast, Wintertemperaturen und das
Ausmaß der Invasionen von Blaumeisen Parus caeruleus und Kohlmeisen P. major auf Helgoland. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 99-105.
Bei Blau- und Kohlmeise wurden Zusammenhänge der herbstlichen Fangzahlen auf Helgoland (1960 bis 2007) mit Buchenmast und Temperaturen in den mutmaßlichen
Herkunfts- und Durchzugsgebieten untersucht, um Hinweise auf Ursachen für die „Invasionen“ dieser beiden Arten in Norddeutschland zu bekommen. Die Korrelation
der Fangzahlen beider Arten deutet auf gemeinsame Ursachen für Massenwanderungen. Allgemeine lineare Modelle (GLM) ergaben bei beiden signifikante Zusammenhänge mit der Buchenmast: Aus dem positiven Effekt der
Buchenmast im Vorjahr lässt sich ableiten, dass nach einem Herbst mit Buchenmast die Meisen zunächst gut „durch den Winter kommen“, im folgenden
Jahr hohe Brutdichten haben und dann im Herbst die hohe Dichte zu Abwanderungen zwingt. Der negative Zusammenhang mit der Buchenmast im
aktuellen Zugjahr zeigt hingegen, dass offensichtlich weniger Meisen wandern, wenn das Nahrungsangebot zur Zugzeit besser als gewöhnlich ist. Wir fanden keinen signifikanten Einfluss der Wintertemperaturen.
O. H., Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“, Inselstation, An der Sapskuhle 511, D-27498 Helgoland, ommo.hueppop@ifv.terramarre.de; F. B.,
Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“, An der Vogelwarte 21, D-26386 Wilhelmshaven, franz.bairlein@ ifv.terramarre.de
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Glutz von Blotzheim, U. N. (2008): Zur Haselnussernte des Tannenhähers Nucifraga c. caryocatactes
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 107-116. Von August bis April bilden Arvennüsschen Pinus cembra oder Haselnüsse Corylus avellana die Nahrungsgrundlage von Nucifraga c. caryocatactes. In den
Zentralschweizer Voralpen, wo die Arve fast vollständig fehlt, sind bei gutem Ertrag Haselnüsse die Hauptnahrung. Hier liegen die Brutreviere gewöhnlich im subalpinen
Fichtenwald oder in eingestreuten Bergföhrenbeständen Pinus mugo über 1.300 m ü. NN., das Vorkommen von Haselsträuchern beschränkt sich aber auf Lagen unter 1
.180 m ü. NN. Von Ende Juni oder Anfang Juli wechseln manche Familien von den Brutrevieren in die Niederungen, wo die noch nicht selbständigen Jungen mit
milchreifen Haselnüssen gefüttert werden. Während 3-4 Wochen lernen die Jungvögel das Ernten der Nüsse und das Aufhacken der Schalen und übernachten
mit ihren Eltern auch im Tageseinstand. Die Eltern verschwinden gewöhnlich, bevor ihr Nachwuchs die Jugendmauser abgeschlossen hat.
Das Transportieren von Haselnüssen von den Niederungen in die Brutreviere und die dortige Vorratshortung beginnen Ende Juli/Anfang August. Je nach
Haselnussangebot dauern die auffälligen Transportflüge bis in die erste Hälfte September oder bis spätestens 21. November. Die Transportflüge sind am Vormittag
am zahlreichsten, dauern aber bis zum Abend an; jetzt übernachten die Tannenhäher in den Bergwäldern. In guten Haselnussjahren kommen die Tannenhäher bis gegen Ende Dezember jeden Morgen in die Niederungen, fressen
und verstecken Haselnüsse, transportieren aber nicht mehr. Ergiebige Schneefälle im Februar/März zwingen wahrscheinlich vor allem Tannenhäher ohne eigenes Revier
auch im Frühjahr wieder in die Niederungen, wo sie unter Haselsträuchern liegende oder im Gelände versteckte Nüsse fressen. Bei schwachem oder fehlendem
Haselnussangebot erscheinen Tannenhäher nur für kurze Zeit (meist August) in tiefen Lagen. Für die Schweizer Alpen gibt es Hinweise, dass Junghäher bei eher
seltenem grossräumigem Fehlen versteckfähiger hartschaliger Samen zu Dismigration und Fremdansiedlung neigen. U. N. G. v. B., „Kappelmatt“, Herrengasse 56, CH-6430 Schwyz, ugvb@bluewin.ch
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Scherzinger, W. (2008): Das Kletterverhalten heimischer Jungeulen – besondere Spezialisierung oder archaisches Erbe
? Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 117-125. Bei einem Großteil der heimischen Eulen verfügen die Nestlinge und die noch nicht flugfähigen Jungen (Ästlinge) mit dem „Klettersyndrom“ über eine komplexe
Verhaltensausstattung, um sich einerseits vor Absturz aus dem Nest zu sichern, andererseits vom (gefahrvollen) Boden in sichere Höhen zu gelangen. Dabei werden
Einkrallen mit den Zehen (Krallen), Einhängen mit dem Schnabel (auch Kinn) und Abstützen oder Schlagen mit den Flügeln zu einem spezialisierten Verhaltensablauf
kombiniert. Wenn auch grundsätzlich alle Eulenarten über Elemente dieses Verhaltensmusters verfügen, so ist ein ausgeprägtes Klettern vor allem für Jungeulen
, die auf Baumhorsten oder in bruchgefährdeten Baumhöhlen aufwachsen, typisch. Die artspezifische Verhaltensausstattung ist dabei bemerkenswerterweise auf den Extremfall des „worst case“ ausgerichtet.
Wiewohl zahlreiche Vogelarten über Kletterbewegungen verfügen, und ein tetrapodes Klettern bereits für die lokomotorische Evolution der Dinosaurier belegt ist, erscheint
der synergistische Einsatz von Fuß - Flügel - Schnabel ein Spezifikum der Eulen. W. S., Roßpoint 5, Stanggass, D- 3471 Berchtesgaden, w.scherzinger@gmx.de
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Bernardy, P., K. Dziewiaty, S. Spalik & P. Südbeck (2008): Was charakterisiert
ein „gutes“ Ortolan Emberiza hortulana-Revier? – Eine Analyse als Grundlage für Schutzbemühungen. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 127-138.
Im Europäischen Vogelschutzgebiet V26 „Drawehn“ im Landkreis Lüchow-Dannenberg wurden im Rahmen des „Ortolanprojektes“ (2003-2006) sowie auf
ehrenamtlicher Basis über zehn Jahre Daten zur Revierverteilung und Revierausstattung des Ortolans erhoben. Der Aktionsradius der Männchen wurde mit
Hilfe telemetrischer Untersuchungen ermittelt. Im Hauptaktionsradius von 300 m um die Singwarte wurden verschiedene Habitatparameter erfasst und ihre Bedeutung
anhand einer logistischen Regression sowie einer Kompositionsanalyse analysiert. Feldfruchtpräferenzen wurden großräumig anhand des Index nach Jacobs (1974) ermittelt.
Die Anzahl benachbarter Reviere und der Verpaarungsgrad der dortigen Sänger zeigten den stärksten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu brüten.
Ebenso konnte die hohe Bedeutung einer kleinräumigen Flächennutzung mit hoher Nutzungsvielfalt nachgewiesen werden. Die hohe Bedeutung von Baumreihen für die
Eignung eines Standorts als Ortolanrevier wurde bestätigt. Sowohl die Kompositionsanalyse als auch die Berechnungen anhand des Index nach Jacobs weisen Erbsen-Gemenge, Winterroggen und Kartoffeln eine besondere
Bedeutung als Bruthabitat für den Ortolan zu. Konsequenzen für den Schutz des Ortolans in der landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft werden aufgezeigt.
P. B., Windschlag 5, D-29456 Hitzacker, bernardy-belz@t-online.de; K. D., Löcknitzstr. 12, D-19309 Seedorf, krista.dziewiaty@t-online.de, S. P., Am Hang 13,
D-29590 Rätzlingen, s.spalik@t-online.de, P. S., Gropiusstr. 11, D-26127 Oldenburg, peter.suedbeck@t-online.de
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Bezzel, E. (2008): Das Amseljahr: Phänologie und saisonale Dynamik von Amseln Turdus merula in der Kleinstadt eines Nordalpentals
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 139-147. In Garmisch-Partenkirchen (47° 30’ N, 11° 05’ E) wurden von Dezember 2006 bis
November 2007 in monatlichen Kontrollgängen auf 50-78 (Ø 68) Planquadraten von je 7,56 ha und in Tagesprotokollen an einem Beobachtungspunkt über 10 Jahre
Amseln erfasst. Die Individuendichte erreichte Maxima im Juni und im Oktober zu den Höhepunkten flügger Jungvögel und des Durchzuges offenbar ortsfremder Vögel.
Sie lagen mindestens 3mal so hoch wie die Minima in den Wintermonaten und nach der Brutzeit. Vor Beginn der Postnuptialmauser scheinen Ortsbewegungen
stattzufinden; zumindest kleinräumig verschwinden Amseln vorübergehend. Zu intensiv gepflegte Hausgärten scheinen vor allem außerhalb der Brutzeit über zu
wenige Ressourcen zu verfügen, um Amseln ganzjährig aufnehmen zu können. Die höchste Individuendichte in allen Monaten wurde auf Quadraten innerorts mit
größeren Grünflächen gefunden. Die niedrigeren Dichten in zusammenhängend bebauten Ortsteilen mit Hausgärten lagen in allen Monaten aber noch höher als in
Ortsrandbereichen mit Teilen des Montanwaldes und Mähwiesen/Weiden. Die monatlichen Anteile der von Amseln besetzten Quadrate variierte, kaum jedoch die
Individuendichte in diesen Quadraten. Dies lässt den Schluss zu, dass die saisonale Dynamik sich vor allem in der Größe der besiedelten Fläche ausdrückt, weniger in
der lokalen Dichte. Viele Quadrate sind auch im Ortsbereich also nicht ganzjährig von Amseln besetzt, sondern nur in Zeiten hoher Individuenzahlen. Nur auf dem
Durchzug im Oktober drängten sich kurzfristig mehr Individuen zusammen. Die Registrierung von Amseln ist im Ortsbereich zu allen Monaten durch optische und
akustische Wahrnehmungen (Rufe) leicht möglich. Bei Vergleichen über die Monate sollte man jedoch Ergebnisse mit und ohne singende Männchen getrennt bewerten.
Im Herbst und Winter ist der Anteil von Sichtbeobachtungen kleiner als im Frühjahr. Die Belaubung scheint also den Erfassungsgrad nicht zu beeinträchtigen.
E. B., Wettersteinstr. 40, D-82467 Garmisch-Partenkirchen, e.bezzel@gaponline.de
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Bergmann, H.-H. (2008): Bioakustik des Tienschan-Laubsängers Phylloscopus
humei (Brooks) – ein ungewöhnlicher Vogelgesang in sonagraphischer Analyse. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 149-155. Aufgrund von Video- und Tonaufnahmen, die im Frühjahr 2004 und 2007 im
kasachischen Tien Schan sowie 1979 in der Mongolei gesammelt wurden, wird ein Gesangstyp des Tienschan-Laubsängers Phylloscopus humei neu analysiert. Er
besteht aus einem einzigen gedehnten, mit einem Vibrato überlagerten Element, das wiederholt wird. Mit diesem Gesang aus einem Element steht der Tienschan
-Laubsänger in der Familie der Phylloscopidae recht einzigartig da. Die Sonagraphie lässt bisher nicht bekannte Strukturdetails sichtbar werden, deren funktionelle Bedeutung noch offen ist.
H.-H. B., Landstr. 44, D-34454 Bad Arolsen, bergmannhh@web.de
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Hegelbach, J. (2008): Ansiedlungsdistanzen in einem mitteleuropäischen Bestand der Wasseramsel Cinclus cinclus aquaticus. Vogelkdl. Ber.
Niedersachs. 40: 157-161. In einem Gebiet von 20 km² rund um das untere Becken des Zürichsees werden seit 1990 an allen Fliessgewässern die Wasseramseln farbberingt und beobachtet. Der
Brutbestand beträgt rund 52 Paare. Aus 17 Jahrgängen mit 4.313 Nestlingen siedelten sich in den jeweiligen Folgejahren 132 und 184 innerhalb des
Untersuchungsgebiets als Brutvögel an. Die legten dabei durchschnittlich eine Strecke von 3,51 km zurück, die eine solche von 2,17 km. Die
Ansiedlungsdistanz der war immer signifikant (p < 0,05, resp. < 0,001) länger als jene der . Diese Aussage gilt sowohl für jene Individuen, die sich am
Geburtsgewässer ansiedelten, als auch für jene, die dazu das Gewässer (innerhalb des UGs) wechselten. J. H., Zoologisches Museum der Universität Zürich, Winterthurerstr. 190, CH-8057
Zürich, johann.hegelbach@zm.uzh.ch
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Mitschke, A. (2008): Amsel, Drossel, Fink und Star – Erste Ergebnisse aus fünf
Jahren Monitoring häufiger Brutvögel in Niedersachsen und Bremen. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 163-180. Bereits 2003 und damit ein Jahr eher als in ganz Deutschland startete in
Niedersachsen und Bremen ein Monitoring häufiger Brutvögel in der Normallandschaft. Die Auswahl der insgesamt 280 Probeflächen erfolgte dabei als
geschichtete Zufallsstichprobe auf Grundlage der naturräumlichen Regionen Niedersachsens sowie der wichtigsten Lebensraumtypen. Aus den ersten fünf Programmjahren 2003 bis 2007 liegen für 215 über ganz
Niedersachsen und Bremen verteilte Probeflächen zumindest aus einem Jahr Kartierungen vor. Insgesamt konnten bisher Ergebnisse von 700 Linienkartierungen ausgewertet werden.
Im Mittel wurden pro Probefläche und Jahr ca. 32 Vogelarten registriert, maximal gelang der Nachweis von 59 Arten pro Fläche. Der mittlere Gesamtbestand einer
Probefläche lag 2003 bei 143 Revieren und stieg bis 2007 auf 180 Reviere pro Probefläche an. Da insbesondere die quantitative Erfassung der Bestände einiger
häufiger, teilweise kolonieartig brütender Arten wie Haussperling oder Grünfink schwierig ist, dürften sich im Anstieg der mittleren Gesamtbestände auch Lerneffekte widerspiegeln.
Obwohl derzeit der Anteil bearbeiteter Probeflächen an der Gesamtstichprobe von 280 Kilometerquadraten noch bei 72 % liegt, bildet das Monitoring das Arten- und
Häufigkeitsspektrum in Niedersachsen bereits repräsentativ ab. Überrepräsentiert sind wenige Arten z. B. mit besonders lauten Gesängen (Zaunkönig,
Mönchsgrasmücke), weniger stark als erwartet waren z. B. unauffällig singende Arten wie Blaumeise und Heckenbraunelle. Aussagen zum Bestandstrend müssen nach lediglich fünf Jahren noch sehr
vorläufigen Charakter haben. Derzeit überwiegen die positiven Entwicklungen, was vor allem für die sehr häufigen Arten gilt (Buchfink, Amsel, Kohlmeise, Zaunkönig,
Ringeltaube, Mönchsgrasmücke, Blaumeise). Abweichend davon zeigt der Zilpzalp nach einem Bestandseinbruch im Jahr 2005 trotz leichter Erholung für den Zeitraum
2003 bis 2007 einen signifikant negativen Trend. Eine Differenzierung der Bestandsveränderungen nach Lebensraumtypen ergibt exemplarisch für den Zilpzalp
einen fast identischen Trend im Offenland, Siedlungen und Wald, während sich bei der Amsel und der Ringeltaube der positive Trend sicher nur für den Siedlungsraum
bestätigen lässt. Beim Zaunkönig zeigen vor allem die Waldvorkommen positive Entwicklungen. Fasst man die allgemein häufigen Arten sowie die auf Siedlungen,
Wälder bzw. Offenland angewiesenen Vogelarten in vier verschiedenen Gruppen zusammen, so wird deutlich, dass sich im Zeitraum 2003 bis 2007 vor allem die Bestände der Offenlandarten nicht positiv entwickelt haben.
Überregionale Vergleiche der ersten Trends aus Niedersachsen und Bremen ergeben bei den meisten Arten gute Übereinstimmungen zwischen den
Bestandsveränderungen innerhalb der beiden Bundesländer sowie denen in anderen Teilen Deutschlands. Beispielhafte Diagramme demonstrieren das für Zilpzalp,
Zaunkönig und Mönchsgrasmücke. Beim Wintergoldhähnchen entspricht sich der Verlauf von Jahr zu Jahr zwar grundsätzlich, aufgrund des unterschiedlichen
Ausmaßes der Bestandsveränderungen ergibt sich allerdings lediglich für Niedersachsen und Bremen ein signifikant negativer Trend. Nach dem erfolgreichen Start des neuen Monitorings häufiger Brutvögel in
Niedersachsen und Bremen gilt es in den nächsten Jahren, die hohe Beteiligung der ehrenamtlichen Kartierer und -innen zu erhalten und weitere Mitstreiter zu werben.
Durch die Kombination der Ergebnisse aus dem neuen Monitoring mit dem seit 1989 vor allem auf Basis von Punkt-Stopp-Zählungen durchgeführten Monitoring häufiger
Brutvögel wird die Bedeutung und Aussagekraft beider Programme nochmals stark zunehmen. Schon jetzt hat sich das Monitoring häufiger Brutvögel in der
Normallandschaft zu einem der wichtigsten Indikatoren zur Bewertung von Landschaftsveränderungen entwickelt. A. M., Hergartweg 11, D-22559 Hamburg, alexander.mitschke@ornithologie-niedersachsen.de
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Späth, T., V. Laske & A. Mitschke (2008): Brutvogelmonitoring im Nationalpark Harz (Niedersachsen) – Ergebnisse und Erfahrungen
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 181-199. Auf Basis von Revierkartierungen in repräsentativen Untersuchungsflächen 1996, 2002 und 2006/07 wurde der gegenwärtige Status der Brutvögel im Nationalpark
Harz (Niedersachsen) erfasst und erste Entwicklungstendenzen aufgezeigt. Die durch eine lange Nutzungsgeschichte weitflächig veränderte Vegetationszusammensetzung und -struktur sowie höhenzonale Effekte bedingen
ein sehr heterogenes Habitatmosaik. Typische Brutvogelarten alter Buchenwälder sind noch selten. Eine kontinuierliche Zunahme konnte bisher nur bei der Hohltaube nachgewiesen werden.
Deutliche Veränderungen der Brutvogelgemeinschaften traten in hochmontanen Fichtenwäldern auf. Nach der kalamitätsbedingten Lichtung zeigten sich deutliche
Zunahmen bei Fitis und Baumpieper. Weniger deutlich nahm der Gartenrotschwanz zu. Dieser Trend scheint anzuhalten. Beim Baumpieper zeigt sich dagegen
inzwischen ein deutlich negativer Trend. Bei Hauben-, Tannen-, und Kohlmeise deuten sich in den Hochlagen generell anhaltende Rückgänge an, so dass zu
befürchten ist, dass die immissionsbedingte Bodenversauerung insbesondere hier die Entwicklung weiterhin beeinflusst. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass viele Waldvogelarten zu selten sind, um
deren Bestandstrends in repräsentativen Untersuchungsflächen zu erfassen. Diese sollten daher ganzflächig erfasst werden. Für das im Rahmen eines
Forschungsauftrags zu leistende ökologische Gebietsmonitoring empfiehlt sich jedoch gerade auch die Erfassung häufiger Arten. Um jahrweise Bestandsschwankungen dieser Arten gegenüber echten Trends abgrenzen zu
können, scheint eine methodische Erweiterung in Anlehnung an das nationale Monitoringprogramm „Häufige Brutvogelarten“ geeignet.
T. S., Nationalparkverwaltung Harz, Oderhaus 1, D-37444 St. Andreasberg, spaeth@nationalpark-harz.de; V. L., Bergtal 8, D-38640 Goslar, volker.laske@t
-online.de; A. M. Hergartweg 11, D-22559 Hamburg, alexander.mitschke@hanse.net
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George, K. (2008): Vergleichende Betrachtung der Brutbestandsentwicklung
von Meisen der Gattung Parus und ausgewählter weiterer Arten im nordöstlichen Harz (Sachsen-Anhalt) seit 1993. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 201-211.
In einem im nordöstlichen Harz zwischen 400 und 450 m ü. NN gelegenen 49,3 ha großen land- und forstwirtschaftlich genutztem und von Nistkästen freiem
Untersuchungsgebiet (Waldanteil 52,3 %) wurde im Zeitraum 1993-2007 jährlich die Siedlungsdichte der Brutvögel mittels Revierkartierung erfasst. Innerhalb des
Untersuchungsgebietes kommen alle in Deutschland beheimateten Meisen der Gattung Parus vor. Ohne dass sich auch nur bei einer der sechs Waldmeisenarten
im Verlauf der 15 Untersuchungsjahre ein positiver oder negativer Bestandstrend signifikant nachweisen ließ, waren jedoch mehr oder weniger starke Schwankungen
der Brutbestände auffällig. In Vergleichen, in die als weitere Arten Schwanzmeise Aegithalos caudatus, Sommergoldhähnchen Regulus ignicapilla, Kleiber Sitta
europea und Buchfink Fringilla coelebs einbezogen wurden, konnten verschiedene Übereinstimmungen oder Ähnlichkeiten der Bestandsschwankungen festgestellt
werden. Vollständige Übereinstimmung zeigen die Bestandskurven von Blaumeise P. caeruleus und Kohlmeise P. major. Sehr ähnlich zu diesen beiden verlaufen die
Bestandskurven von Kleiber, Buchfink und vermutlich auch die der im Untersuchungsgebiet sehr seltenen Schwanzmeise. Deutlicher weicht bereits die
Bestandskurve der Sumpfmeise P. palustris ab, und mit der der Tannenmeise P. ater finden sich nur partielle Übereinstimmungen (Bestandshöhepunkte 1993 und
2005, auf letzteren folgend übereinstimmend ein Bestandseinbruch). Stattdessen gibt es in den letzten Jahren auffällige Ähnlichkeiten der Bestandsverläufe der beiden
Nadelwaldbewohner Tannenmeise und Sommergoldhähnchen. Mögliche Ursachen werden diskutiert. Da die Ähnlichkeiten fallweise Standvögel (Meisen und Kleiber)
als auch die Zugvogelarten Sommergoldhähnchen und Buchfink betreffen, dürften in Winterverlusten nicht die allein entscheidenden regulierenden Faktoren zu suchen
sein. Bei den als langlebig und besonders winterhart bekannten Arten Haubenmeise P. cristatus und Weidenmeise P. montanus, deren Bestandskurven untereinander
Ähnlichkeit haben, war dies ohnehin nicht ursächlich zu vermuten. Ihre Bestände schwanken insgesamt viel weniger ausgeprägt. Einer ihrer während der 15
Untersuchungsjahre festgestellten beiden Bestandseinbrüche wird exemplarisch beschrieben und findet seine Ursache in forstwirtschaftlichen Maßnahmen innerhalb des Untersuchungsgebietes.
K. G., Pappelweg 183 e, D-06493 Ballenstedt, klaus.george@t-online.de
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Höntsch, K., O. Conz & E. Rossmanith (2008): Ein Beitrag zum Verständnis des Jungvogel-Dispersals beim Kleinspecht Dryobates minor
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 213-216. Zwischen 1996 und 2003 wurden 73 Nestlinge des Kleinspechts im Alter von 16 Tagen beringt, zusätzlich erhielten die Vögel eine Farbringkombination. 10 dieser
Individuen wurden in nachfolgenden Jahren als Brutvögel im Untersuchungsgebiet im hessischen Vordertaunus festgestellt. Die mittlere Ansiedlungsentfernung zwischen
Geburtsort und Brutort betrug 4,1 km. Die geburtsortstreuen Vögel unterschieden sich nicht hinsichtlich Geschlecht und Körpergewicht nicht von den übrigen 63
beringten Individuen. Sie zeigten keine Richtungsbevorzugung bei der Brutansiedlung. K. H., Naturstiftung David, Trommsdorffstr. 5, D-99084 Erfurt, kerstin
.hoentsch@naturstiftung-david.de; O. C., Dingesweg 5, D-65779 Kelkheim, oli.conz@t-online.de; E. R., Institut für Biologie und Biochemie, Universität Potsdam,
Maulbeerallee 3, D-14469 Potsdam, rossmani@ uni-potsdam.de
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Pechacek, P. (2008): Wie wahrscheinlich ist die Besiedlung des Harzes durch
den Dreizehenspecht Picoides tridactylus? Ein Prognoseversuch. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 217-221. Autochthone Nadelwälder des Hohen Nordens bzw. der Hochgebirgen gehören zum
typischen Lebensraum des Dreizehenspechts. Natürliche Störungen durch Orkanstürme und Borkenkäferbefall führen dort zu einem hohen Totholzanfall mit
anschließender Totholzsukzession. Die Dreizehenspechte sind darauf angewiesen, da ihre wichtigsten Beutetiere an toten Bäumen in verschiedenen Zersetzungsstadien leben. Trotz geringer Dispersionsdistanzen können
Dreizehenspechte in Perioden mit einem hohen Totholzanfall in Gebiete weit außerhalb ihres angestammten Areals abwandern und Populationen gründen, wie z.
B. im Schwarzwald oder im Schweizer Jura. Allerdings können solche Populationen auch sehr rasch wieder verschwinden, wenn das ursprüngliche Totholz- und somit
Nahrungsangebot nicht mehr vorhanden ist. Nur ein konsequenter Schutz der Walddynamik, der auch den ungestörten Ablauf von ökologischen Störungen zulässt
, garantiert in einem Waldgebiet ein dauerhaftes Lebensraumangebot. Der Harz mit seinem Nationalpark würde einen solchen Lebensraum potenziell bieten können. Die
Voraussetzung für eine Besiedelung ist jedoch eine erfolgreiche Einwanderung der Dreizehenspechte. Dies dürfte aufgrund der fehlenden und nur schwerlich zu
besiedelnden Trittsteine und Korridore zwischen den bestehenden Verbreitungsgebieten und dem Harz derzeit wenig wahrscheinlich sein. Eine mögliche Änderung könnte sich aber als Folge des Klimawandels ergeben.
P. P., National Avian Research Center, P. O. Box 45553, Abu Dhabi, United Arab Emirates
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Südbeck, P., C. Peerenboom & V. Laske (2008): Zur aktuellen Bestandsgröße
des Grauspechts Picus canus in Niedersachsen – Versuch einer Abschätzung. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 223-232. In den Jahren 2005 und 2006 wurde in ganz Niedersachsen zur Erfassung des
Grauspecht-Brutbestandes nach Standard-Methodik mit Klangattrappeneinsatz aufgerufen. Hierbei wurden insgesamt 362 Reviere des Grauspechts kartiert (Abb. 1).
Aufgrund der Erfassungsintensität sowie des Verbreitungsmusters der Art wurden die Ergebnisse zur Grundlage von Bestandsabschätzungen genommen: unter
Verwendung verschiedener Kalkulationswege wurde ein aktueller Landesbestand von 500-700 Revieren abgeleitet. Dies ist erheblich weniger als in bisherigen
Bestandsschätzungen, die nicht auf konkreten artspezifischen Erfassungen basieren konnten. Aufgrund von regional gut belegten Rückgängen, einem Zurückweichen des
Arealrandes und der Aufgabe isolierter Areal-Vorposten ist von einem realen, starken Bestandsrückgang auszugehen. Die Art ist nunmehr in Niedersachsen „vom
Aussterben bedroht“. Die Rückgangsursachen und erforderliche Schutzkonzeptionen werden kurz aufgezeigt. P. S., Gropiusstr. 11, D-26127 Oldenburg, peter.suedbeck@t-online.de; C. P.,
Staatliche Vogelschutzwarte im NLWKN, Göttinger Chaussee 76A, D-30453 Hannover, claudia.peerenboom@nlwkn-h.niedersachsen.de; V. L. Bergtal 8, D-38640 Goslar, volker.laske@t-online.de
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Klaus, S., & J. Wiesner (2008): Mittelspecht Dendrocopos medius um Jena/Thüringen – Lebensräume und Abundanz
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 233-240. Von 2001 bis 2008 wurden im Naturraum „Ilm-Saale-Ohrdrufer Platte“ mittels Klangattrappe Mittelspechtvorkommen auf 15 Probeflächen kartiert. Außerdem
wurden die vom Mittelspecht bewohnten artenreichen Laubmischwälder auf dem Muschelkalkplateau bzw. an Hängen des Saaletals und seiner Nebentäler bezüglich
Baumartenverteilung, Holzvorrat und Totholzvorkommen charakterisiert. Ein Teil der Kontrollflächen befindet sich im EG-Vogelschutzgebiet Nr. 33 „Muschelkalkhänge
der westlichen Saaleplatte“ bei Jena. Die Stieleiche ist mit Stammzahlen von rund 260/ha dominant, gefolgt von Winterlinde und Hainbuche mit 161 bzw. 155,
Rotbuche 123, verschiedenen Ahornarten (Berg-, Feld- und Spitzahorn) 95, Hasel 70, Esche 57. Seltener sind Elsbeere (30/ha), Birke (12/ha) und Wildkirsche (3/ha).
Die Werte für Totholz sind für Wirtschaftswälder ungewöhnlich hoch: 43 Stämme/ha (stehend) und 66/ha (liegend). Die Abundanz des Mittelspechts lag in der Periode
geringer Holznutzung (2001-2005) im Mittel bei 5,0 Revieren/100 ha, in der Vergleichsperiode 2006-2008 bei 4,9 Revieren/100 ha in den forstlich wenig
genutzten Flächen und nur noch bei 3,1 Revieren/100 ha in den stärker genutzten Flächen. Das entspricht einem Rückgang von 37-38 % in wenigen Jahren. Die
Vorschläge für die künftige forstliche Behandlung betreffen: Einzelstammweise Nutzung, Erhaltung der Baumarten- und Durchmesservielfalt unter besonderer
Berücksichtigung von Eichen- und Lindenarten, Sicherung hoher Vorräte an lebender und toter Holzmasse, Schutz aktueller und potenzieller Höhlenbäume,
Einschlagsruhe in der Balz- und Reproduktionszeit waldbewohnender Vögel. S. K., Max-Planck-Institut für Biochemie, Hans Knöll Str. 10, D-07745 Jena, siegi
.klaus@gmx.de; J. W., Oßmaritzer Weg 43, D-07745 Jena, renseiw.j@gmx.de
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Mebs, T. (2008): Zur aktuellen Situation des Habichtskauzes Strix uralensis in Europa. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 241-246.
Der gegenwärtige Brutbestand des Habichtskauzes Strix uralensis in Europa wird auf ca. 82.000 Paare geschätzt. Davon entfallen nur rund 6.000 Paare auf Mittel- und Südosteuropa.
Die Bemühungen zur Wiederansiedlung des Habichtskauzes im Bayerischen Wald/Böhmerwald scheinen recht erfolgreich zu verlaufen. Positive Bestandsentwicklungen gibt es auch in den polnischen Karpaten, in den
tschechischen Beskiden, in der slowakischen Tatra, in der westlichen Ukraine, im nordöstlichen Ungarn sowie in Slowenien. Von letztgenanntem Land aus erfolgen
Zuwanderungen in die Provinz Udine im äußersten Nordosten Italiens und in das österreichische Bundesland Kärnten. Freiflächen im Wald sind für den Habichtskauz positiv zu bewerten, denn dort kann
sich ein hohes Nahrungsangebot in Form von Wühl- Microtus spec. und Gelbhalsmäusen Apodemus flavicollis entwickeln. Infolgedessen könnte die zunehmende Anzahl von Bestandslücken im Wald, die durch Orkane bzw.
Borkenkäferbefall entstehen, auch zur Erweiterung des mitteleuropäischen Brutareals dieser Eulenart führen, sofern Brutmöglichkeiten, z. B. in Form von entsprechend großen Nistkästen, vorhanden sind.
T. M., H.-Stephani-Str. 15, D-97355 Castell
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Schwerdtfeger, O. (2008): Ist der Raufußkauz Aegolius funereus ein echter
Harzer? – Über die Bedeutung einer lokalen Population. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 247-253. Im Westharz wird eine lokale Population des Raufußkauzes seit 1979 untersucht.
Da Mangel an natürlichen Bruthöhlen herrscht, wurden 200 Nistkästen gleichmäßig auf ein 200 km² großes Fichtenwaldgebiet in Höhenlagen von 450-800 m ü. NN
verteilt. In 28 Jahren wurden insgesamt 760 Bruten erfasst sowie alle Weibchen und der größte Teil der Männchen gefangen. Zur Analyse der Nahrung wurden bei
häufigen Kontrollen der Bruthöhlen die deponierten Beutetiere registriert. Die jährlichen Werte der Brutanzahl, der mittleren Gelegegröße und der mittleren Anzahl
der deponierten Beutetiere korrelieren signifikant miteinander. Trotz starker Schwankungen bleibt die Anzahl der Bruten langfristig konstant und damit auch die Gelegegröße sowie das zugrunde liegende Nahrungsangebot.
Von den Brutvögeln sind nur 20 % der Männchen und 11 % der Weibchen im Gebiet aufgewachsen. Die meisten Bruten werden von einwandernden Käuzen
durchgeführt, die in anderen, bis zu 550 km entfernten Brutgebieten aufgewachsen sind oder dort bereits gebrütet haben. Der Anteil der Brutvögel, die nach ihrer
Ansiedlung gebietstreu sind, ist bei den Männchen größer als bei den Weibchen. Entsprechend ist der Anteil der sich nomadisch verhaltenden Brutvögel bei den
Weibchen erheblich größer als bei den Männchen. Dadurch haben die Weibchen die Möglichkeit, Brutgebiete mit aktuell gutem Kleinsäugerangebot auszuwählen, auf
das dann auch die hohe Balzaktivität der Männchen hinweist. In den mittleren Höhenlagen des Westharzes fand der Raufußkauz optimale Bedingungen vor. Durch das Zuwachsen der Freiflächen stellte sich der Raufußkauz
von der Erdmaus auf Waldmäuse als Hauptbeute um. Eine zu erwartende Zunahme der Stürme lässt eine regelmäßige Auflockerung der Waldbestände und eine weitere
Verbesserung der Waldstruktur erwarten. Das zukünftige Entstehen neuer Buchenwälder kann zwar zu mehr Naturhöhlen führen, sie kann aber auch den Prädatorendruck auf den Raufußkauz erhöhen.
O. S., Quellenweg 4, D-37520 Osterode am Harz, o.schwerdtfeger@gmx.de
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Nothdurft, W., & J. Nothdurft (2008): Neuntöter Lanius collurio in der Flur um
Buntenbock (Oberharz): Habitatnutzung und Phänologie – eine 50jährige Rückschau. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 255-268. Die Auswertung einer bis Mitte der 1950er Jahre zurückreichenden Sammlung von
Brutzeitbeobachtungen des Neuntöters in der Flur um Buntenbock (Oberharz, 530 m bis 570 m ü. NN) und den umgebenden Waldgebieten ermöglicht folgende
Feststellungen: Bruten des Neuntöters in der Grünlandflur und in unmittelbar angrenzenden Waldbereichen sind für die Zeiten von 1953 bis 1960 und 1970 bis
1978 belegt und für die 1960er Jahre durchaus als möglich bis wahrscheinlich einzustufen. In der Zeit von etwa 1980 bis 1995 gab es keine Bruthinweise,
spätestens ab 1998 wurden Bruten wieder nachgewiesen. Die Revierzahlen variierten zwischen 1 und 3. In den umliegenden Waldgebieten wurden ab 1972 (= Beginn der
Aufzeichnungen) bis 1994 nahezu durchgehend Bruten festgestellt, zwischen 1995 und 2007 wahrscheinlich auf Grund geringer Kontrolltätigkeit nur in 2 Jahren.
In der „historischen“ Flur (etwa 160 ha) existierten bis in die 1960er Jahre 3 bis 4 Biotopkomplexe mit geeigneten Habitatstrukturen. Durch die anhaltende
Verbuschung und das Aufkommen von Kleingehölzen im Zuge der Sukzession und Anpflanzungen von Gehölzen auf früheren Mähwiesen und Ackerflächen sind im
Laufe der Zeit neue Biotopkomplexe entstanden, die nach und nach, z. T. nur einmal, besiedelt wurden. Von den in der Flur seit 1953 insgesamt 12 besiedelten Biotopkomplexen sind 2 der
ökologisch relativ stabilen „historischen“ von mindestens 1956 bis 2005 bzw. 1970 bis 2002 in vielen Jahren bewohnt worden (jeweils 1 Revier). Andere, auch später
hinzugekommene, wurden zwischen z. B. 1972 und 1978 fünfmal oder 1998 bis 2005 dreimal bewohnt. Die populationsökologischen Beziehungen zwischen den Brutvögeln der Flur und
denen auf Freiflächen in den Waldgebieten sind unklar. Beide Bereiche waren von Zeit zu Zeit jeweils über mehrere Brutperioden hinweg durch breite, nicht
bewohnbare Waldstreifen weitgehend getrennt. Der Neuntöter-Durchzug scheint, allein auf Grund der exponierten Lage, schwach ausgeprägt zu sein. Die Brutsaison
ist gegenüber Vögeln aus dem nördlichen Harzvorland und dem 150 km weiter nördlich liegenden Wendland um etwa 14 Tage verzögert. Das Spektrum potenzieller Störungen, denen die Neuntöter ausgesetzt sind, hat
sich ab Mitte der 1970er Jahre durch die Etablierung von Rabenkrähe Corvus corone ab 1974 und Elster Pica pica ab 1977 als Brutvögel der Flur erweitert.
W. N., Schanzgrubenweg 24, D-89081 Ulm, nothdurft@telda.net; J. N., Hasenbacher Weg 1, D-38678 Clausthal-Zellerfeld
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Nicolai, B., & M. Hellmann (2008): Der Hausrotschwanz Phoenicurus ochruros im Harz und sein Vorkommen auf der Brockenkuppe
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 269-275. Neben einem kurzen Überblick zur Besiedlung des Harzes durch den Hausrotschwanz Phoenicurus ochruros (heute: 2.500 bis 4.000 Paare) wird
insbesondere sein Vorkommen auf dem Brocken betrachtet. Die besonderen Bedingungen auf dem höchsten Harzgipfel und die strukturellen Veränderungen des
Habitats durch Rückbau von Gebäuden und Renaturierung von Flächen in den 1990er Jahren ermöglichen z. Z. nur Bruten in suboptimalen Revieren. Der
Brutbeginn ist gegenüber dem Harzvorland um etwa einen Monat verzögert und wahrscheinlich findet fast immer nur noch eine Jahresbrut statt. Bei den Brutvögeln
handelt es sich in den letzten Jahren zu über 80 % um einjährige Männchen (Tab. 1). Ab Mitte Juni treten verstärkt dispergierende Jungvögel auf (Abb. 1), die für die
Brutpaare des Brockens vermutlich eine nicht unwesentliche Nahrungskonkurrenz darstellen. Ein bemerkenswertes Verhalten ist das kollektive Sonnenbaden der Hausrotschwänze im Spätsommer und Herbst.
B. N., Museum Heineanum, Domplatz 36, D-38820 Halberstadt, nicolai@halberstadt.de; M. H., Mahndorfer Str. 23, D-38820 Halberstadt
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Möller, B. (2008): Der Schwarzstorch Ciconia nigra im Weser- und Leinebergland (Niedersachsen). Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 277-280.
Die historische Bestandsentwicklung sowie die Wiederbesiedlung des Weser- und Leineberglandes in Niedersachsen durch den Schwarzstorch Ciconia nigra wird
beschrieben. Auf Reproduktion, Nestwechsel und Reviergründung wird näher eingegangen. Ein in der Tschechischen Republik als Jungvogel beringter
Schwarzstorch hat im Untersuchungsgebiet gebrütet. Ferner werden Todesfälle und das vermutliche Vertreiben eines Brutpaares nach Errichtung einer Windkraftanlage beschrieben.
B. M., Küchenthalstr. 8, D-31139 Hildesheim
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Bräuning, C. (2008): Adebar, der Eigenwillige. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 281-285.
Ein baumbrütender Weißstorch Ciconia ciconia siedelt seit 2004 in der Laatzener Leinemasch bei Hannover. Geschildert wird der etwas kurios anmutende
Besiedlungsprozess. Der Storch hatte sich letztendlich einen Schrebergarten als Brutplatz ausgesucht. Ein Versuch ihn umzusiedeln misslang. Die angebotene
Nisthilfe wurde nämlich von einem weiteren Storchenpaar okkupiert. C. B., Alte Rathausstr. 6, D-30880 Laatzen, c.braeuning@infocity.de
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Kaczmareck, L. (2008): Bemerkenswerte Brutvögel im Innerstetal (Landkreis Hildesheim) 2002-2007. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 287-292.
Im Innerstetal (Landkreis Hildesheim) wurden an einem 7,2 km langen Flussabschnitt innerhalb des Europäischen Vogelschutzgebietes „Innerstetal von
Langelsheim bis Groß Düngen“ von 2002 bis 2007 bemerkenswerte Brutvogelarten erfasst. Im vorliegenden Beitrag werden die Vorkommen der Wert bestimmenden
Arten Mittelsäger Mergus serrator und Eisvogel Alcedo atthis sowie von Uferschwalbe Riparia riparia, Wasseramsel Cinclus cinclus, Braunkehlchen
Saxicola rubetra und Gebirgsstelze Motacilla cinerea vorgestellt und diskutiert. Hervorzuheben ist vor allem die Mittelsäger Binnenland-Population (konzentriert auf
kleinere Flüsse im weiteren Harzvorland) mit jährlich 1-3 Brutpaaren im Untersuchungsgebiet. Weiter werden Ergebnisse eines langfristigen Monitorings der
Bestände des Eisvogels von 1950 bis 2007 vorgelegt. Brutbestandsentwicklung, Anzahl der Jahresbruten und Bruthöhlenabstände werden kurz kommentiert. Das
Gebiet wurde jüngst als Teil des Naturschutzgebietes (NSG) „Mittleres Innerstetal mit Kahnstein“ ausgewiesen. L.K., Julius-Leber-Grund 2, D-31139 Hildesheim
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Degen, A. (2008): Untersuchungen und Maßnahmen zum Schutz des
Goldregenpfeifers Pluvialis apricaria im EU-Vogelschutzgebiet „Esterweger Dose“ in den Jahren 2004 bis 2007 als Teilaspekt des niedersächsischen Goldregenpfeifer-Schutzprogramms
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 293-304. Die Brutvorkommen der Goldregenpfeifer in Niedersachsen, die die größten in Mitteleuropa sind, werden seit 1993 im Rahmen des Goldregenpfeifer
-Schutzprogramms erfasst und geschützt. 2004 wurden die Erfassungen und Schutzmaßnahmen aufgrund der rückläufigen Bestandsentwicklung und des geringen Bruterfolgs intensiviert. Die Maßnahmen wurden in den EU
-Vogelschutzgebieten mit den bis dahin einzigen bekannten Vorkommen V14 „Esterweger Dose“, V13 „Dalum-Wietmarscher- und Georgsdorfer Moor“ sowie V40
„Diepholzer Moorniederung Teilgebiet Uchter Moor“ getroffen. Die Gelegeschutzmaßnahmen umfassten eine Bewachung vom morgendlichen Dämmerungsbeginn bis zum abendlichen Dämmerungsende, einen Elektrozaun,
einen Gelegeschutzkorb und eine olfaktorische Abschreckung. Nach dem Schlupf wurden die Familien bis zum Flüggewerden der Jungvögel 24 Stunden täglich
bewacht. Zum Erhalt der Neststandorte und Jungenführungshabitate wurden bereits vor Saisonbeginn Absprachen mit der Torfindustrie getroffen. Während der Brut- und
Jungenführungszeit konnten durch den engen Kontakt zu den Vorarbeitern und die Präsenz vor Ort für Goldregenpfeifer nachteilige Arbeitsschritte gestoppt werden.
Insgesamt wurden 2007 elf Reviere in Niedersachsen erfasst. Diese verteilten sich auf die Esterweger Dose (acht Reviere) sowie das Dalum-Wietmarscher Moor, die
Diepholzer Moorniederung und das Huvenhoopsmoor mit je einem Revier. In den Frästorfflächen der Esterweger Dose, dem seit 2003 einzigen Moorkomplex mit
bekannten Brutnachweisen, konnte der Bruterfolg durch die Intensivierung der Schutzmaßnahmen deutlich erhöht werden. 2006 und 2007 wurden jeweils 11 Küken
flügge. Der Brutbestand hat sich seit 2004 mehr als verdoppelt und betrug 2007 sieben Brutpaare. Außerhalb der Esterweger Dose muss 2007 ein weiteres Paar
gebrütet haben, da am Ende der Brutsaison ein fremder Jungvogel bei einer der Familien in der Esterweger Dose beobachtet wurde. Somit brüteten in Niedersachsen mindestens acht Paare.
Zwischen 2004 und 2007 schlüpften in der Esterweger Dose 56 Küken, von denen 35 flügge wurden. Sieben dieser Küken wurden im Vogelpark Walsrode ausgebrütet,
nachdem das Gelege von den Altvögeln aufgegeben worden war. Diese wurden später in der Esterweger Dose ausgewildert. Der jährliche Bruterfolg lag in diesem
Zeitraum zwischen 1 und 1,6 juv./Revier und 1,8 und 3,3 juv./Junge führendem Paar. Hiermit wurde ein Wert erreicht, der über der Zielvorgabe von 0,9 Jungtieren pro Paar
lag. Mit diesem Wert könnte sich der Bestand innerhalb von zehn Jahren verdoppeln. Alle Küken wurden im Alter von zwei bis drei Wochen mit individuellen
Farbringkombinationen markiert. Ablesungen dieser Individuen belegen Geburtsortstreue sowie ein Brüten im zweiten Kalenderjahr. Diese Ansiedlungen
unterstreichen den Erfolg des Goldregenpfeifer-Schutzprogramms. Daneben konnte bei den Brutvögeln Brutortstreue belegt werden. In der nächsten Saison kehrten von
den in der Esterweger Dose geschlüpften Jungvögeln 52 und von den Altvögeln 71 % zurück. Verschiedene Prädatoren traten häufig auf, doch die Gelegeschutzmaßnahmen
konnten eine Prädation der Gelege vollständig verhindern. 2007 wurden allerdings zwei Nester bereits in der Legephase, als noch kein Gelegeschutz bestand, von
einem Hermelin bzw. einer Rabenkrähe ausgeraubt. Nachts wurden in den vier Jahren neun Küken von Füchsen und eins vermutlich von einer Schleiereule erbeutet.
Am Tage konnte die Prädation weitgehend durch die Bewachung verhindert werden. Dennoch fiel je ein Küken einem Mäusebussard, einer Wiesenweihe und einem Wanderfalken zum Opfer.
A. D., Elsa-Brandström-Str. 4, D-49076 Osnabrück, axel.degen@t-online.de
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Melter, J., & A. Vaas (2008): Untersuchungen zum Schlupf- und Bruterfolg des Säbelschnäblers Recurvirostra avosetta in der Leybucht
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 305-319. Im Frühjahr 2005 wurden in der Leybucht Untersuchungen zu den Kolonienansiedlungen sowie zum Schlupf- und Bruterfolg der Säbelschnäbler
Recurvirostra avosetta durchgeführt. Die Kolonieansiedlungen und die Brutbestände unterlagen während der gesamten Brutzeit einer hohen Dynamik. Der Brutbestand
betrug in der ganzen Leybucht 254 Brutpaare. Der Schlupferfolg von 117 in den Außendeichsflächen (Buscher Heller, Mittelplate, Hauener Hooge) untersuchten
Gelegen lag nach der Mayfield-Methode bei nur etwa 1 %. 75 Gelege wurden mit Thermologgern ausgestattet, von denen 61 nähere Aussagen zum Verlustzeitpunkt
erbrachten: Die Verluste fielen zu über 90 % in die Nachtstunden. Als bedeutendste Verlustursache konnte bei insgesamt 73 erfolglosen Gelegen
anhand von Spuren im Nestbereich in ca. 92 % der Fälle eine Prädation durch den Fuchs Vulpes vulpes nachgewiesen werden. Je ein Gelege wurde von einer
Rohrweihe Circus aeruginosus und einer Rabenkrähe Corvus corone ausgenommen, drei Gelege gingen durch Viehtritt verloren. Im Bereich des NSG „Leyhörn“ (binnendeichs) wurde der Schlupferfolg nicht näher
untersucht, war aber wohl deutlich höher (alle fünf mit Thermologgern versehenen Gelege waren erfolgreich). Der Bruterfolg betrug für das ganze Untersuchungsgebiet
0,28 Jungvögel/BP. Nach dem Schlupf der Jungvögel wechselten einige Familienverbände über größere Strecken zwischen den Koloniestandorten bzw. in Vorlandflächen.
Aus den Ergebnissen werden Vorschläge zum Habitatmanagement in der Leybucht abgeleitet und die Maßnahmen diskutiert. J. M., Dulings Breite 6-10, D-49191 Belm, J.Melter@bio-consult-os.de; A. V.,
Voßstr. 5, D-30161 Hannover, alexandra.vaas@gmx.de
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Kooiker, G. (2008): Neue und ergänzende Ergebnisse zum Bruterfolg einer auf
Ackerland brütenden Kiebitzpopulation Vanellus vanellus bei Osnabrück. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 321-331. Die vorliegende Langzeitstudie beschreibt die Koloniegrößen, die
Bestandsentwicklung und den Bruterfolg des Kiebitzes in einem agrarisch-städtischen Mischraum um Osnabrück (Niedersachsen). Rund 80 % der Kolonien
(n = 215) setzten sich aus zwei bis zehn Paaren (max. 25 Paaren) zusammen. Die Kiebitzpopulation nahm von 1980 bis 1991 zu, blieb dann bis 1999 mit
Schwankungen auf hohem Niveau konstant und nahm anschließend bis 2008 wieder ab. Der Bruterfolg zwischen 1983 und 2007 bei 103 ausgewählten Kolonien
schwankte jährlich zwischen 0,69 und 1,85 flüggen Jungen/Paar. Der mittlere Bruterfolg von 1,21 flüggen Jungen/Paar könnte hoch genug sein, um die regionale Population zu erhalten.
G. K., Alfred-Delp-Str. 107, D-49080 Osnabrück, gerhard.kooiker@t-online.de
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Busche, G., & R. Schlenker (2008): Zum Brutvorkommen und Durchzug der Doppelschnepfe Gallinago media in Schleswig-Holstein
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 333-341. Die Verbreitung der Doppelschnepfe im 19. Jh. im Landesteil Schleswig ist nach beigefügten Originaldaten dargestellt. Ein kartografischer Ausschnitt der
Landesaufnahme von 1878 zeigt die Lage eines überlieferten Balzplatzes mit 50-60 (evtl. bis zu 100) versammelte Doppelschnepfen in der Norstedter Heide (Eider
-Treene-Sorge-Niederung, 1.200 ha). Die Gesamtpopulation im Lande wurde auf 300-400 „Brutpaare” veranschlagt (Rohweder 1891). Die Angaben sind kommentiert: a)
Die genannte (unterschätzte?) Bestandsgröße könnte am ehesten in der 6. Dekade des 19. Jh. vorgelegen haben. b) Letzte Brutnachweise wurden kurz vor 1900 erbracht.
Der Analyse des Durchzugs liegt ein Datensatz von 120 Individuen (1946-2000) zugrunde, darin 15 ausreichend dokumentierte Meldungen ab 1983. Demnach ist die
Doppelschnepfe als alljährlicher, sehr seltener Durchzügler einzustufen. Die Daten zum Heimzug (20 %) reichen vom 25. März bis 10. Juni. Der Wegzug (80 %)
erstreckt sich vom 21. Juli bis 20. November. Das räumliche Auftreten ist relativ gleichmäßig verteilt. In Tab. 3 sind sechs Rasthabitats-Typen unterschieden. Die
Befunde werden z. T. mit Daten zum Auftreten der Doppelschnepfe in ausgewählten Ländern Europas verglichen. Die Diskussion enthält a) eine Stellungnahme zur
Bestimmungsproblematik und b) eine ausführlichere Darlegung des Zugablaufes, an dessen Westrand Schleswig-Holstein liegt. G. B., Hochfelder Weg 49, D-25746 Heide, gjbusche@t-online.de; R. S.,
Schloßallee 1b, D-78315 Möggingen, schlenker@orn.mpg.de
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Dierschke, V. (2008): Zur Brutbiologie und Brutphänologie von Stockenten
Anas platyrhynchos in städtischen und ländlichen Lebensräumen Süd-Niedersachsens. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 343-347. Bei einer Untersuchung an Stockenten im Stadtgebiet und im Umland von Göttingen
(Süd-Niedersachsen) wurde 1989 ein deutlich früherer Brutbeginn in städtischen gegenüber siedlungsfernen Lebensräumen festgestellt (Schlupfmediane 22.5. bzw. 8
.6.). Gründe für diese Unterschiede könnten das wärmere Kleinklima städtischer Lebensräume oder die jeweilige Anpassung an saisonal variierende Angebote an
Nahrung oder Nistplätzen sein. Während sich die Familiengröße in beiden Lebensräumen nicht unterschied (durchschnittlich 6,58 bzw. 7,46 Küken/Weibchen),
bestand eine deutliche Diskrepanz im Anteil der Vögel mit Einfluss fehlfarbener Zuchtformen (in der Stadt jede vierte Familie betroffen, auf dem Land dagegen keine)
. Da zwischen urbanen und ländlichen Brutbeständen möglicherweise kaum Austausch stattfindet, könnten letztlich auch genetische Unterschiede für die abweichende Brutphänologie in Frage kommen.
V. D.,Tönnhäuser Dorfstr. 20, D-21423 Winsen (Luhe), volker.dierschke@web.de
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Großkopf, G. (2008): Schlupfzeitpunkt und Aufzuchterfolg der Reiherente Aythya fuligula im Landkreis Stade
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 349-356. Im Rahmen einer Bestandserfassung der Reiherente im Landkreis Stade konnten von 1986-2007 456 Junge führende Reiherenten registriert werden. Die Arbeit wertet
Daten über den Schlüpfzeitpunkt und den Aufzuchterfolg aus. Die Reiherente ist eine spät brütende Entenart, Jungvögel wurden frühestens am 18.
Juni 1989 beobachtet. Der mittlere Schlüpftermin im Untersuchungszeitraum fällt in die zweite Julipentade. Noch Anfang August können Junge schlüpfen. Die zeitliche
Verteilung der Schlupfdaten weichen in den einzelnen Jahren zum Teil erheblich voneinander ab. Der Aufzuchterfolg hängt im Wesentlichen davon ab, ob ein möglichst großer Teil
der Jungen die ersten kritischen Tage überlebt. Von 334 Jungvogelverlusten in den ersten sechs Lebenswochen fielen 210, also mehr als die Hälfte, in die erste Woche
. Jungvogelverluste können auch damit zusammenhängen, dass die Weibchen die Jungen mitunter schon lange vor dem Flüggewerden verlassen. Bei 104
entsprechend lange kontrollierten Familien wurden 1,8 Junge je Ente flügge. G. G., Zum Pulverberg 5, D-21682 Stade
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Kraus, M., & W. Krauß (2008): Die Meeresenten im „Fränkischen Weihergebiet“.
Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 357-362. In der folgenden Arbeit wird die Häufigkeit und Phänologie der „Meeresenten“ im
„Fränkischen Weihergebiet“, Mittelfranken, Bayern, anhand der dokumentierten Daten für Eiderente, Eisente, Trauerente und Samtente dargelegt. Die Bergente
wurde bereits früher abgehandelt (Kraus & Krauß 2006). Von 1951-2007 wurden von allen 4 Arten zusammen nur 79 Daten bekannt. Am relativ häufigsten war die
Eisente mit 32 Daten und der längsten Verweildauer von 23 Tagen, am seltensten war die Eiderente mit 7 Daten ohne Nachweis für mehr als eintägiges Verweilen.
M. K., Fallrohrstr. 27, D-90480 Nürnberg, drm.kraus@t-online.de; W. K., Wilhelm-Löhe-Weg 1, D-90571 Schwaig
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Flade, M., & R. Mann (2008): Wegzugverlauf und Populationstrends von gebüsch- und schilfbewohnenden Kleinvögeln in den Düpenwiesen bei
Wolfsburg im Zeitraum 1974-2002. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 363-387. Im etwa 250 ha großen Schilf-, Feuchtwiesen- und Teichgebiet des NSG
Düpenwiesen bei Wolfsburg (Ost-Niedersachsen) wurden im Zeitraum 1974-2002 an durchschnittlich 5,2 Tagen im Jahr zwischen Mitte Juli und Ende Oktober Kleinvögel
gefangen. Netzstandorte, Netzlänge und Zeitaufwand variierten erheblich. Insgesamt wurden 15.134 Vögel gefangen, davon 7.042 „Gebüschvögel“ (Laubsänger,
Grasmücken, Erdsänger u. a., 20 Arten) und 8.092 „Schilfvögel“ (Schwirle, Rohrsänger, Bartmeise u. a., 12 Arten). Häufigste „Gebüschvögel“ waren Zilpzalp (30
%), Mönchsgrasmücke (21 %), Fitis (12 %), Gartengrasmücke (11 %) und Heckenbraunelle (8 %), bei den „Schilfvögeln“ hatten Teichrohrsänger (52 %),
Sumpfrohrsänger (17 %), Rohrammer (11 %) und Beutelmeise (10 %) die größten Anteile. Der Gesamtfang pro Jahr variierte zwischen nur 105 und 1.229 Vögeln.
Dabei blieb der mittlere Tagesfang an Schilfvögeln unverändert, während der mittlere Tagesfang an Gebüschvögeln stark anstieg. Darin spiegelt sich auch der
zunehmende Gehölzaufwuchs im Fanggebiet und seiner weiteren Umgebung wider. Der wenig standardisierte Ansatz sowie die fortwährenden Veränderungen des
Gebietes durch Nutzungsänderungen und Sukzession erfordern spezielle Methoden der Datenanalyse. Während der Jahresgang (Aufenthalt und Abzug der
Lokalpopulation, Durchzug fremder Populationen) über die Darstellung des mittleren und maximalen Tagesfanges pro Monatsdrittel sowie eine Auswertung der Ringfunde
gut zu beschreiben ist, erfordert die Ermittlung von Bestandstrends die aufwändigere Berechnung eines so genannten Fangindexes. Der Fangindex kennzeichnet die
jährliche Abweichung des Anteils einer bestimmten Art an der Gesamtmenge der gefangenen Gebüsch- bzw. Schilfvögel vom 29jährigen Mittelwert unter
Berücksichtigung der saisonalen Verteilung der Fänge. Die Trends der ermittelten Fangindex-Kurven stimmen sehr gut mit den Ergebnissen überregionaler
Brutvogelmonitoring-Programme (Monitoring häufiger Arten des DDA, Pan-European Common Birds Census des EBCC) überein und erlauben daher offenbar eine solide
Beurteilung der 29jährigen Bestandsentwicklung. Insgesamt haben seit 1974 die jeweils erfassten Populationen von Beutelmeise, Teichrohrsänger, Mönchs- und
Gartengrasmücke eindeutig sowie die des Zilpzalps, der Dorngrasmücke und des Gartenrotschwanzes wahrscheinlich zugenommen. Deutliche Abnahmen waren bei
Feldschwirl, Schilfrohrsänger, Fitis, Nachtigall, Heckenbraunelle und Rohrammer (Lokalpopulation!) zu verzeichnen. Beutelmeise und Rohrschwirl haben im
Untersuchungszeitraum zunächst stark zu- und dann ab ca. 1990 wieder deutlich abgenommen. Der Bruterfolg der 14 häufigsten Arten wurde anhand der durchschnittlichen
Tagesfänge sowie des Anteils diesjähriger Vögel im Juli und August abgeschätzt und korrelierte recht gut mit günstigen (trocken, warm) und ungünstigen (kalt, nass)
Witterungsbedingungen in der vorangegangenen Brutzeit (Mai-Juli).M.F., Dorfstr. 60, D-16230 Brodowin. flade@dda-web.de; R.M., Dedelstorfer Allee 14, D-29386 Hankensbüttel
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Becker, P. (2008): Zum Vorkommen der Rallen Rallidae im ehemaligen
Klärteich der „Grube Ida“ bei Othfresen, Landkreis Goslar, Südniedersachsen. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 389-398. Das im Harzvorland an der nördlichen Kreisgrenze Goslars gelegene Schilfgebiet
zwischen der Bundesstraße 6 und der Innerste hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten zu einem attraktiven Feuchtgebiet für röhrichtbewohnende Vogelarten
entwickelt. Alle sieben in Mitteleuropa vorkommenden (heimischen) Arten wurden bei Othfresen nachgewiesen. Wasserralle Rallus aquaticus, Teichhuhn Gallinula
chloropus und Blässhuhn Fulica atra traten als regelmäßige Brutvögel auf und passten im Laufe der Zeit ihre Bestände den Veränderungen des Lebensraumes an.
Bruten des Tüpfelsumpfhuhnes Porzana porzana konnten in sieben Jahren nachgewiesen werden. Das Kleine Sumpfhuhn P. parva, das Zwergsumpfhuhn P.
pusilla und der Wachtelkönig Crex crex dagegen wurden jeweils nur einmal festgestellt. Im Rahmen eines nachbrutzeitlichen Fangprogramms konnten
insgesamt 721 Rallen beringt werden, sechs Fernfunde von Wasserrallen liegen vor. Wurzelraumkläranlagen – von Menschenhand künstlich geschaffene Lebensräume –
erweisen sich gerade für bedrohte Vogelarten als Refugien von besonderer Bedeutung. P. B., Wilhelm-Raabe-Str. 36, D-31199 Diekholzen
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Garthe, S., & P. Schwemmer (2008): Durchzug, Sommer- und Wintervorkommen der Zwergmöwe Hydrocoloeus minutus an der Unterelbe.
Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 399-407. Das Vorkommen der Zwergmöwe an der Unterelbe wird anhand verschiedener systematischer Datenreihen beschrieben. Die jährlichen Maximalzahlen bei den
schiffsbasierten Zwergmöwen-Erfassungen schwankten erheblich und lagen zwischen 165 und 1.618 Ind. Noch deutlicher sind die Schwankungen der
Höchstwerte für das Mühlenberger Loch im Westen Hamburgs (Heimzug: 0 bis 500 Ind., Wegzug: 30 bis 1.361 Ind.). Nach jahrzehntelangen Zunahmen der
Durchzugsmaxima deutet sich inzwischen eine Stagnation oder sogar eine leichte Abnahme an. Die Durchzugsmuster der Zwergmöwe auf der Unterelbe sind durch
einen relativ geringen und unregelmäßig ausgeprägten Heimzug und einen konstanten und zahlenstärkeren Wegzug charakterisiert, mit nur wenigen Sichtungen im Sommer und großteils fehlenden Nachweisen im Winter. Die
Betrachtung von Einzeljahren offenbart jedoch größere Abweichungen. Die Jahresdynamik der Zwergmöwe am Kühlwasserauslauf des AKW Brokdorf, Landkreis Steinburg, weicht von dem Grundmuster ab, (nur) hier kommt es zu
regelmäßigem Winter- und Sommer-(Mauser) Vorkommen. Das warme Wasser (Winter) und die Ansaug-/Fischrechenanlage dürfte eine besonders günstige Nahrungssituation hervorrufen. Der im Vergleich zum Wegzug nur schwach
ausgeprägte Heimzug dürfte durch die geographische Lage der Unterelbe knapp südlich der Hauptzugroute der Zwergmöwe zu erklären sein. Außerdem ist die
Nahrungsverfügbarkeit zu dieser Jahreszeit offensichtlich ungünstig. Während des Wegzuges dürfte vor allem das individuenreiche Vorkommen von Jungstinten
Osmerus eperlanus für die Zwergmöwe eine große Bedeutung haben. S. G. & P. S., Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ), Universität
Kiel, Hafentörn 1, D-25761 Büsum, garthe@ftz-west.uni-kiel.de, schwemmer@ftz-west.uni-kiel.de
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Ludwig, J., U. Andreas & R. Hawmann (2008): Die Schwarzkopfmöwe Larus
melanocephalus als Brutvogel auf der Pionierinsel in der Unterelbe – 40 Jahre auf dem Weg zur größten deutschen Brutkolonie. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 409-415.
Nach den ersten Brutversuchen der Schwarzkopfmöwe Larus melanocephalus an der Unterelbe ab 1969 in der Sturmmöwen Larus canus-Kolonie auf der Elbinsel
Lühesand gab es ab 1982 erfolgreiche Bruten einzelner Paare auf der benachbarten Pionierinsel. In den Folgejahren schwankte die Zahl der Brutpaare zwischen 0 und
10, eine kontinuierliche Besiedlung ist ab 1987 belegt. Ab 2000 begann ein rasanter Anstieg des Brutbestandes auf 149 Paare im Jahr 2008. Damit ist die Kolonie auf
der Pionierinsel die derzeit größte Schwarzkopfmöwenkolonie in Deutschland, mit einem Bestandsanteil von ca. 50 %. Dem Schutz und Erhalt dieser Brutkolonie kommt damit eine besondere Bedeutung zu.
J. L., Staatliche Vogelschutzwarte, Naturschutzstation Unterelbe, Alte Hafenstr. 2, D-21729 Freiburg/Elbe, juergen.ludwig@nlwkn-lg.niedersachsen.de; U. A., Landkreis
Stade, Naturschutzamt, Am Sande 4, D-21682 Stade, uwe.andreas@landkreis-stade.de; R. H., Hinter den Höfen 1, D-21726 Heinbockel, rhawmann@web.de
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Kruckenberg, H., & C. Kowallik (2008): Verdrängen Weißwangengänse Branta
leucopsis die Blässgänse Anser albifrons aus ihren Nahrungsgebieten am Dollart? Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 417-426. Seit Mitte der 1970er Jahre hat der Rastbestand der Weißwangengans in der Ems
-Dollart-Region stark zugenommen. Auf Grundlage der kontinuierlich durchgeführten Kartierungen von 1996/97-2007/08 wird untersucht, welche Auswirkung die
Bestandsentwicklung der Weißwangengans auf den Rastbestand der Blässgänse im Gebiet hat. Die Rastbestände beider Arten haben im Untersuchungszeitraum im Gesamtgebiet
deutlich zugenommen. Dies gilt sowohl für die Maximalbestände als auch für die Nutzungstage (Gänsetage pro Hektar). Betrachtet man die einzelnen Teilgebiete der
Ems-Dollart-Region so stellt man aber fest, dass die Blässgans dort nicht mehr weiter zunimmt, wo die Weißwangengans mit mehr als 200 Gänsetagen pro Hektar
auftritt. So ist die Weißwangengans im Norden des Rheiderlandes heute bereits die dominierende Art, die Blässgänse hingegen weichen in andere Nahrungsflächen aus.
Das Dollartvorland wird heute nahezu ausschließlich von Weißwangengänsen beweidet. Bei weiterhin zunehmender Populationsgröße der Weißwangengans wird
daher die Blässgans immer weiter aus dem Kerngebiet des Gänserastplatzes verdrängt werden. H. K., Europäisches Forschungsprogramm Blässgans, Am Steigbügel 3, D-27283
Verden (Aller), helmut.kruckenberg@blessgans.de, C. K., Biologische Station Westliches Ruhrgebiet e. V., Lösorter Str. 119, D-47137 Duisburg, christine.kowallik@bswr.de
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Penkert, T., G. Reichert & K. Koffijberg (2008): Synchronzählungen der
Rastbestände von Goldregenpfeifer Pluvialis apricaria und Kiebitz Vanellus vanellus in Ostfriesland – ein Projekt der Ornithologischen Vereinigung Ostfriesland (OVO)
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 427-435. Die Ostfriesischen See- und Flussmarschen im Nordwesten Niedersachsens stellen für nachbrutzeitliche Rastbestände von Goldregenpfeifer Pluvialis apricaria und
Kiebitz Vanellus vanellus ein Hauptvorkommensgebiet im Land dar. Im Rahmen von einmal jährlich stattfindenden Synchronzählungen werden seit 2003 in Ostfriesland
Mitte/Ende Oktober auf einer Fläche von 141.031 ha die Rastbestände dieser „Binnenlandslimikolen“ erfasst. Die ermittelten Maximalbestände der Jahre 2003
-2007 lagen bei 39.459 Goldregenpfeifern und 43.219 Kiebitzen. Die jährliche Verteilung nach Habitattypen variiert z. T. stark. Für 127.922
Goldregenpfeifer wurden Angaben zur Habitatwahl ausgewertet. Danach nutzten im Mittel rund 65 % der Vögel Grünland zur Rast und Nahrungssuche, 25 % wurden auf
Ackerflächen festgestellt. Dabei handelte es sich v. a. um Feuchtgrünland und beim Rasthabitat Acker vor allem um Neueinsaaten (76 %) bzw. frisch gepflügte Äcker (15 %).
Das Projekt kann als Beispiel dafür gelten, was ehrenamtliche Mitarbeiter und Koordinatoren bei regionalen Erfassungen leisten können. Der Enthusiasmus und
die große Motivation vieler ehrenamtlicher Vogelkundler, insgesamt waren 122 Zähler aktiv, spiegelt sich in dem hohen Bearbeitungsgrad der Zählgebiete und der kontinuierlichen Mitarbeit wider.
T. P., Barkenkamp 4, D-26605 Aurich, t.penkert@t-online.de; G. R., Altburgstraße 9, D-26135 Oldenburg, g.reichert@gmx.net; K. K., Friedhofstraße 66b, D-46562 Voerde, kees.koffijberg@t-online.de
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Meier-Peithmann, W. (2008): Feldstudien zur Nahrungsökologie von Höckerschwan Cygnus olor, Singschwan C. cygnus und Zwergschwan C.
bewickii an der Tauben Elbe im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 437-452. Im Polder der Tauben Elbe – ein alter Elbarm mit ausgeprägten Zonen von periodisch
überschwemmten Röhrichten, Riedern und Grünlandgesellschaften im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue – wurde die Wahl der Nahrungshabitate und Formen der Nahrungsaufnahme von Höckerschwan,
Singschwan und Zwergschwan untersucht. Die drei Arten nutzten das Nahrungsangebot unterschiedlich. Der vielseitige, anpassungsfähige Höckerschwan beweidete sieben der acht vorherrschenden
Pflanzengesellschaften mit ausgewogenen Anteilen von jeweils 7-24 % und bezog stärker als die beiden anderen Arten u. a. die Schwimmblattgesellschaft mit ein. Auf
dem Lande bewegt er sich eher schwerfällig, was in den geringen Anteilen von Grünlandgesellschaften an den Nahrungshabitaten (16,7 %) und vom Weidegang an
den Formen der Nahrungsaufnahme (10,4 %) zum Ausdruck kommt. Nur 0,9 % der Höckerschwäne wurden beim energieaufwändigen Kippgründeln beobachtet. 56,2 % der Singschwäne beweideten die Rieder von Wasserschwaden,
Schlanksegge und Rohrglanzgras. Der vergleichsweise schmale Schnabel dieser Art ist mehr zum Abbeißen von Einzelhalmen als zum Flächenweiden im kurzgrasigen
Grünland geeignet. Die Rieder wurden als Nahrungshabitate erst zugänglich, wenn Hochwasser bis zu einem Meter darüber staute. So nahmen etwa drei Viertel aller
Singschwäne bei einem entsprechenden Wasserstand von 10,5 bis 11,5 m ü. NN Nahrung auf. Sie zeigten eine besondere Vorliebe für den nährstoffreichen
Wasserschwaden, der gewöhnlich auch während des Winters grün, saftig und leicht verdaubar bleibt. Der Zwergschwan bevorzugte zu 70,7 % das Grünland. Mit seinem vergleichsweise
kurzen und breiten Schnabel kann er gut kurzgrasiges Grünland flächig beweiden. Der kürzere, gedrungenere Hals lässt Schwimmweiden nur in mäßig hoch überstauten Riedern zu. So lag der Median für die Pegelstände der
Weideschwimmer im Ried beim Zwergschwan um 61 cm niedriger als beim Singschwan. Stärker als bei den anderen Arten veränderten sich bei ihm mit dem Wasserstand die Anteile der Nahrungsaufnahmetechniken.
Nach den Befunden in den naturnahen Nahrungshabitaten der Tauben Elbe kann man die drei Arten auf einen Satz verkürzt nahrungsökologisch so kennzeichnen:
Der Höckerschwan ist ein vielseitiger Weideschwimmer und Ersatz-Weidegänger, der Singschwan vorrangig ein Ried-Weideschwimmer und möglicher Weidegänger,
der Zwergschwan ganz überwiegend ein Grünland-Weidegänger, dazu ein Ried-Grünland-Weideschwimmer. Zur Sicherung und Erweiterung von natürlichen Nahrungshabitaten der Schwäne –
zugleich Bruthabitate vieler bestandsbedrohter Vogelarten – sollten an der Tauben Elbe die Pegelamplituden nach oben ausgedehnt und anderenorts wo möglich
weitere Vorlandflächen durch Rückdeichung geschaffen werden. Um Röhrichte, Rieder und Grünlandgesellschaften, vor allem das an dem alten Elbarm bereits
gefährdete Wasserschwadenried, vor weiteren Schädigungen zu schützen, bedarf es der Verminderung des seit Mitte der 1990er Jahre stark angewachsenen Nährstoffeintrages. Für die Taube Elbe wird als erste Maßnahme ein
Ablagerungsbecken oberhalb des zuleitenden Schöpfwerkes vorgeschlagen. W. M.-P., Am Taterberg 36, D-29468 Bergen an der Dumme, w.meier-peithmann@t-online.de
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Görke, P., & T. Brandt (2008): Nistplatzwahl des Seeadlers Haliaeetus albicilla in Niedersachsen
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 453-457. Seeadler waren in Niedersachsen über rund 150 Jahre als Brutvogel nicht mehr präsent, bis 1988 mit einer ersten Brut im Wendland die Wiederbesiedlung erfolgte.
Von diesem Zeitpunkt an nahm der Bestand mehr oder weniger kontinuierlich bis 2007 auf 22 Revierpaare zu. Insgesamt wurden bis 2007 21 Seeadlernester in 14
Revieren gefunden. Von denen befanden sich zwölf in Wald-Kiefern. Die Vögel bauten fast ausschließlich auf vitalen Bäumen, und zwar in einer Höhe zwischen 12
und 26 m. Die Bäume waren je nach Art aus unterschiedlichen Altersklassen, jedoch meist nah an der Hiebreife. Die Adler nutzten die Nester in der Regel mehrere
Jahre nacheinander und zeigten eine relativ hohe Brutplatztreue. Die Nistplatzwahl der niedersächsischen Seeadler wird mit denen anderer Gebiete verglichen und diskutiert.
P. G., Brückenstraße 10, D-29308 Winsen; T. B., ÖSSM e. V., Hagenburger Str. 16, D-31547 Rehburg-Loccum, brandt@oessm.org
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Dierschke, J. (2008): Bestandsentwicklung von Kornweihe Circus cyaneus und
Sumpfohreule Asio flammeus auf den Ostfriesischen Inseln. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 459-465. Kornweihen und Sumpfohreulen waren früher in Niedersachsen vor allem in den
Mooren beheimatet, inzwischen findet sich jedoch der größte Teil des niedersächsischen (und deutschen) Brutbestandes auf den Ostfriesischen Inseln.
Die erste Brut der Kornweihe in neuerer Zeit fand 1952 auf Langeoog statt, bis Ende der 1970er Jahre gab es jedoch nur unregelmäßige Bruten. Erst in den 1980er und
1990er Jahren erfolgte eine starke Bestandszunahme auf bis zu 55 Paare (1997). Seitdem ist eine leichte Abnahme zu verzeichnen. Sumpfohreulen haben die Ostfriesischen Inseln bereits im 19. Jahrhundert besiedelt.
Nach dem 2. Weltkrieg stiegen die Bestände durch ein verbessertes Nahrungsangebot stark an und waren im Anschluss recht stabil, wobei die für diese Art typischen nahrungsbedingten Schwankungen zu verzeichnen waren.
Obwohl die Bestände beider Arten demnach weitgehend stabil sind, gibt die jüngste Bestandsabnahme der Kornweihe Anlass zur Sorge, dass dieses der Beginn eines
Bestandseinbruchs, wie er seit über zehn Jahren auf den Westfriesischen Inseln festgestellt wurde, ist und deren Ursache nach wie vor weitgehend ungeklärt ist.
J. D., Zedeliusstr. 31, D-26382 Wilhelmshaven, jochen.dierschke@web.de
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Folger, J. (2008): Die Brutvögel des Ortes Barienrode (Landkreis Hildesheim, Niedersachsen) im Wandel von fünfzig Jahren
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 467-471. In Barienrode wurden von 1959 bis 2008 insgesamt 59 Brutvogelarten festgestellt. Davon haben 28 Arten durchgehend oder vereinzelt gebrütet, 23 Arten haben sich
neu angesiedelt und acht Arten sind verschwunden. Diese wenigen Zahlen spiegeln die Veränderungen der Avifauna von Barienrode innerhalb eines halben Jahrhunderts wider.
J. F., Eichendorffstr. 15, D-31199 Diekholzen
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Wassmann, R., & W. Wimmer (2008): Ausgewählte Neozoen in der Avifauna Salzgitters
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 473-479. Für ausgewählte Neozoen, überwiegend Wasservögel, wird das Auftreten in der Avifauna Salzgitters zusammenfassend dargestellt. Bei den besprochenen Arten
handelt es sich bisher überwiegend um Gastvögel. Lediglich die Mandarinente hat 1982 einmal im Stadtgebiet gebrütet, und die Nilgans ist seit 2005 Brutvogel mit
steigender Tendenz. Von den weiteren bisher beobachteten Arten könnte insbesondere die Kanadagans künftig im Gebiet brüten. R. W., Geschwister-Scholl-Str. 18, D-38228 Salzgitter, wassmann-r@t-online.de; W.
W., NABU-Regionalgeschäftsstelle Südostniedersachsen – Harz, Hasenspringweg 15, D-38259 Salzgitter, walter.wimmer@nabu-niedersachsen.de
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Bollmeier, M., & P. Kunze (2008): Der Feldhamster Cricetus cricetus im Landkreis Goslar
. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 40: 481-485. Der Feldhamster Cricetus cricetus stellt dort, wo er vorkommt, nicht selten eine wesentliche Nahrungsgrundlage des Rotmilans Milvus milvus dar, einem der
Charaktervögel des Harzvorlandes. In dieser Arbeit werden Vorkommen und Bestandsentwicklung des Feldhamsters im Landkreis Goslar beschrieben sowie Gefährdungsursachen und Schutzmaßnahmen diskutiert. Aktuell sind die
Feldhamster-Bestände auf sehr kleine Restbestände geschrumpft, so dass das regionale Aussterben befürchtet werden muss. M. B., Eschenring 31, D-38704 Liebenburg; P. K., Schäfergarten 8, D-38690
Vienenburg/Wiedelah.
Das Heft ist zum Preis von 30,- € zzgl. Versand erhältlich bei:
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