Die 43. Jahrestagung der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung fand auf Einladung des Vogelkundlichen Arbeitskreises Bad Bentheim im Forum des Burg-Gymnasiums Bad Bentheim statt. Die Tagung war mit etwa 95 Mitgliedern und Gästen sehr gut besucht.


Um 10:00 begrüßte der 1. Vorsitzende der NOV, Herwig Zang, alle Teilnehmer und dankte dem Vogelkundlichen Arbeitskreis sehr herzlich für die Einladung und ausgezeichnete Organisation der Veranstaltung. Nach den Grußworten von Landrat Friedrich Kethorn und Bürgermeister Dr. Volker Pannen wurden die Tagungsteilnehmer auch von Jan-Harm Mülstegen im Namen des Vogelkundlichen Arbeitskreises begrüßt.

Das Tagungsprogramm begann um 10:30 Uhr.
Thorsten Krüger von der Staatlichen Vogelschutzwarte referierte über die Bestandsentwicklung, die aktuelle Populationsgröße sowie die Probleme durch Ansiedlungen in Siedlungsgebieten bei der Saatkrähe. Aktuell gibt es 22.000 BP in Niedersachsen, der Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Flussniederungen.
Arnold Schönheim stellte die „Untersuchungen zu ausgewählten Brutvogelarten von Bentheimer Wald und Samerrott – zur Bedeutung alter Eichenmischwälder für die Vogelwelt“ vor. Beide Wälder sind als FFH-Gebiet benannt (Eichen-Hainbuchenwälder auf feuchten bis nassen Standorten). Avifaunistisch sind sie besonders durch ihre hohen Dichten von Revieren des Mittelspechts sowie weiterer Tot- und Altholz bewohnender Vogelarten hervorzuheben.
Über den „Steinkauz in der Grafschaft Bentheim – Zukunft gefährdet oder Bestand gesichert?“ berichtete Hermann Groene. Der Bestandstrend des Steinkauzes in der Grafschaft ist seit vielen Jahren deutlich negativ. Nach einer kreisweiten Erfassung
wurden zahlreiche Steinkauzröhren in geeigneten Habitaten angebracht; trotz einer leichten Erholung ist diese kleine Eulenart weiterhin stark gefährdet.
Im letzten Vortrag des ersten Blocks stellte Jan-Harm Mülstegen die Grafschaft Bentheim vogelkundlich vor: „Die Grafschaft Bentheim – Landschaft, Vögel und aktuelle Entwicklungen“. Der Landkreis trägt eine hohe Verantwortung für den Schutz verschiedener Vogelarten wie z.B. Schwarzhalstaucher, Goldregenpfeifer, Großer Brachvogel, Steinkauz, Ziegenmelker oder auch Dohle.

Im zweiten Vortragsblock nach der Mittagspause beleuchtete Peter Waardenburg die Situation des „Mäusebussards in der modernen Agrarlandschaft – eine vergleichende Untersuchung im deutsch-niederländischen Grenzgebiet bei Bad Bentheim und Oldenzaal“. Er zeigte anhand von Bestandsdaten aus dem Zeitraum 1974-1983 im Vergleich mit den Jahren 2010-2012 welche Auswirkungen insbesondere der landwirtschaftliche Strukturwandel (Zunahme von Mais, Verlust von Grünland und strukturreichen Randstreifen etc.) auf die Population des Mäusebussards hat: In Niedersachsen sank die Siedlungsdichte und auch die Jungenanzahl je Paar ging deutlich zurück.
Im Anschluss referierte Christian Kerperin über „Das Feuchtwiesenschutzprogramm des Landkreises Bad Bentheim“. Dabei ging er zunächst auf die bisher durchgeführten Maßnahmen des Feuchtwiesenschutzprogrammes ein. Anschließend zeigte er die Bestandsentwicklung der Zielarten Uferschnepfe und Großer Brachvogel sowie Kiebitz, Bekassine, Rotschenkel und Austernfischer. Insgesamt wurden bei allen Arten seit 2007 Rückgänge festgestellt. Das Feuchtwiesenschutzprogramm ist gerade vor dem Hintergrund dieser negativen Entwicklungen ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Wiesenvögel.
Im letzten Vortrag des zweiten Vortragsblocks berichtete Robert Tüllinghoff über die „Entwicklung der Vogelwelt im Umfeld des Syen Venn“. Das Syen Venn ist ein Hochmoor, welches von Acker- und Grünlandflächen umgeben ist. 1986 wurde eine Stiftung „Feuchtgebiet Syen-Venn“ gegründet. Ziel ist vor allem die Extensivierung der Pachtflächen u.a. für den Artenschutz. Als Brutvögel kommen beispielsweise Großer Brachvogel, Kiebitz, Neuntöter und Schwarzkehlchen vor.

Der dritte Vortragsblock startete mit dem Beitrag von Paul Knolle „Occurrence and distribution of Bewick‘s and Whooper Swans in the Grafschaft Bentheim 2000-2015“. Der Landkreis Gradschaft Bentheim stellt einen wichtigen Überwinterungsraum (z.T. mit internationaler und nationaler Bedeutung) für Zwerg- und Singschwäne dar. Die Entwicklung der Winterbestände verläuft positiv.
Kerrin Obracay stellte die Ergebnisse der landesweiten Bekassinenerfassung aus dem Jahr 2013 vor. Insgesamt muss erneut ein starker Bestandsrückgang in Niedersachsen konstatiert werden. Der aktuelle Brutbestand umfasst 1.300 Reviere; in der neuen Roten Liste (Krüger & Nipkow in Vorb.) wird die Bekassine in Kategorie 1 als „vom Aussterben bedroht“ geführt. Die wichtigsten Lebensräume sind extensive und nasse Wiesen sowie wiedervernässte und offene Hochmoore.
Die vorläufigen Ergebnisse der landesweiten Tauchererfassung des Jahres 2014 stellte Jann Wübbenhorst vor. Der niedersächsische Bestand des Schwarzhalstauchers umfasste 101 BP in 2014. Die wichtigsten Bruthabitate sind wiedervernässte Hochmoore und verschiedenste Gewässer wie der Dümmer, vernässte Polder, Klär- und Schlammteiche. Der Brutbestand des Rothalstauchers liegt aktuell bei 25 Paaren; die Art hat ihren Vorkommensschwerpunkt in Ostniedersachsen. Wichtige Lebensräume sind Klär- und Fischteiche sowie Rieselfelder aber auch Bodenabbaugebiete. Für den Haubentaucher scheint sich eine Bestandsabnahme abzuzeichnen, allerdings liegen noch nicht aus allen Gebieten ausreichend Daten vor. J. W. bittet um Nachmeldung weiterer Feststellungen.
Im letzten Vortrag der Jahrestagung stellt Peter Südbeck als Schriftleiter der Vogelkundlichen Berichte aus Niedersachsen „Überlegungen zur Zukunft regionaler ornithologischer Fachzeitschriften“ an. Hintergrund ist die abnehmende Anzahl von Manuskripten, nicht nur bei den VBN, sondern auch bei vielen weiteren vogelkundlichen Zeitschriften in Deutschland. Er kommt zu dem Schluss, dass Veröffentlichungen / Zeitschriften wichtig sind, da sie eine Bindewirkung für Mitglieder haben, auch zum Auswerten und Schreiben motivieren und darüber hinaus die Inhalte solcher Arbeiten wichtig und relevant bleiben.

In der Mitgliederversammlung (17:15-18:15) gibt der 1. Vorsitzende Herwig Zang
den Bericht des Vorstandes, Gerd Hasse stellt den Kassenbericht vor und Werner Leistner gibt das Ergebnis der Kassenprüfung bekannt. Die Entlastung des  Gesamtvorstands erfolgt einstimmig. Dr. Markus Nipkow kündigt für 2016 die landesweite Erfassung von Grau-, Nil- und Kanadagans sowie vom Kranich an.

Im Abendvortrag ab 20:00 brachte Andreas Schüring den Zuhörern mit faszinierenden Fotos „Lautlose Jäger der Nacht im südwestlichen Niedersachsen“ näher: v.a. Schleiereule, Steinkauz und Uhu.

Am Sonntag ging es ab 09:00 bei sonnigem Wetter per Bus zunächst zum NSG Gildehauser Venn. Nach kurzer Fahrt durch riesige Maisfelder und einen kurzen Fußmarsch wurde der Beobachtungsturm am Vennweg erreicht. Das zweite Exkursionsziel war das NSG Syen Venn, ein Hochmoorkern, der von einem Grüngürtel umgeben ist. Klaus Kaplan und Robert Tüllinghoff erläuterten die Entwicklung beider Gebiete sowie deren avifaunistische Bedeutung.

Text: Kerrin Obracay
Fotos: F.-U. Schmidt

Tagungsgebäude Forum Burg-Gymnasium Bad Bentheim

H. Zang bei der Begrüßung

Blick in den Vortragsraum; am Rednerpult T. Krüger

(v.l.) J.-H. Mülstegen, Landrat F. Kethorn, Bürgermeister Dr. V. Pannen, H. Zang, G. Niehaus

(v.l.) H. Heckenroth, Dr. M. Nipkow, K. Koffijberg, G. Hinze, J. Seitz

(v.l.) A. Büter, P. Knolle, J. Wübbenhorst, T. Krüger, J.-H. Mülstegen, P. Kunze

K. Kaplan spricht über das NSG Gildehauser Venn

Blick vom Beobachtungsturm im NSG Gildehauser Venn

Blick auf den Grünlandgürtel am Syen Venn

J.-H. Mülstegen, G. Niehaus, H. Zang

(v.l.) J.-H. Mülstegen, G. Niehaus, H. Zang

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