Steckbrief

Braunkehlchen Saxicola rubetra

Quelle: Andretzke, H. et al. (2005): Artensteckbrief Braukehlchen. In: Südbeck, P. et al. (Hrsg.): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Radolfzell. (verändert und ergänzt).

Lebensraum

Offene Landschaften mit strukturreicher Vegetation. Notwendig sind Ansitzwarten (z. B. Hochstauden, Weidezäune, einzelne Gehölze) und bodennahe Deckung für den Nestbau. Wichtige Lebensraumtypen sind durch Weidenzäune und Staudensäume an Gräben und Wegrändern gegliederte Grünlandgebiete sowie nicht oder nur gering verbuschte Brachen aller Art. Auch entsprechend strukturierte Hochmoore, gelegentlich auch Heiden, jungen Aufforstungen und Blühstreifen werden besiedelt.

Brutbiologie

Bodenbrüter, Nest am Boden gut versteckt in dichter Vegetation in direkter Umgebung einer Sitzwarte. Eine Jahresbrut, bei Verlust regelmäßig Ersatzgelege, Zweitbruten sehr selten. Gelege 5-7 Eier, Brutdauer 11-13(15) Tage, Männchen brütet alleine, Nestlingsdauer 11-15 Tage. Nest wird oft vor dem Flüggewerden verlassen, die Jungen verstecken sich dann in der nestnahen Vegetation.

Phänologie
Langstreckenzieher, Heimzug regelmäßig von Mitte April bis 20.5. - danach nur noch wenige (SIEMS-WEDHORN 2016). Hauptdurchzug um Anfang Mai, meist in kleinen Trupps, gerne auch auf Rapsfeldern. Hauptgesangsperiode Mitte/Ende April bis Anfang Juni, fl ügge Jungvögel in Niedersachsen ab etwa 10. Juni bis Mitte August (Ersatzbruten). Reviere werden nach Flüggewerden der Jungvögel oft zügig geräumt. Wegzug ab Anfang August bis Anfang/Mitte Oktober, Hauptdurchzug Ende August/Anfang September.

Hinweise zur Erfassung

In der Hauptsache Kartierung singender Männchen, einzelner und verpaarter Individuen, warnender und futtertragender Altvögel und Familien.
Termine:
1. Mitte Mai (Gesang, Nestbau)
2. Ende Mai bis Anfang Juni (Gesang, Nestbau, warnende und fütternde Altvögel)
3. Mitte Juni bis Ende Juni (Gesang, warnende und fütternde Altvögel, Familien); ggf. Nachkontrollen bis Mitte Juli.
Wenn nur wenig Zeit zur Verfügung steht, sollte die Anzahl der Durchgänge auf zwei Begehungen in der Zeit vom 20.5. bis 20.6., davon mindestens eine im Juni, reduziert werden und dafür weitere potentielle Vorkommensgebiete kontrolliert werden.
Tageszeit: Die Erfassung ist grundsätzlich ganztags möglich, sollte mindestens zu Beginn der Brutzeit (Mai) zur Erfassung singender Männchen aber möglichst in den vier Stunden ab Sonnenaufgang und den drei Stunden vor Sonnenuntergang stattfinden.

Auswertung
:
Brutnachweis: Nestbau, fütternde Altvögel, Familie mit fl üggen Jungvögeln im vorher erfassten Revier im Mai und Juni, bei Nachkontrollen bis Mitte Juli.
Brutverdacht: Zweimalige Feststellung eines singenden Männchen, einzelner oder verpaarter Individuen im Abstand von mindestens sieben Tagen, davon mindestens eine Feststellung nach dem 20. Mai, einmalige Feststellung eines Paares im Juni oder warnender Altvögel.
Brutzeitfeststellung: Anwesende Einzelvögel ab Ende Mai.

Besondere Hinweise:

Durch zeitlich versetztes Eintreffen der einzelnen Paare sowie die starke zeitliche Überlappung von Durchzug und Brutperiode ist die Zuordnung zu Brutbestand oder Durchzug in den ersten beiden Mai-Dekaden nicht immer einfach. Kleine Trupps (ohne diesjährige Jungvögel) sind Durchzügler. Durchzügler singen generell nicht. Einmalige Beobachtungen sind deshalb nur ab Ende Mai als Brutzeitfeststellung zu werten. Die Gesangsaktivität verpaarter Männchen lässt mit fortschreitender Brutzeit nach. Bei (ganztägig) intensiv singenden Männchen - gerne auch von hohen Bäumen aus - handelt es sich möglicherweise um Junggesellen, die oftmals nicht standorttreu sind.
In solchen Fällen empfi ehlt es sich, an dieser Stelle eine weitere Kontrolle an einem der Folgetage durchzuführen. Besteht der Verdacht, dass es sich um ein solches unverpaartes Männchen handelt, sollte das im Meldebogen entsprechend vermerkt werden.
Familien mit flüggen Jungvögeln verlassen meist rasch das Brutrevier und tauchen dann an Stellen auf, an denen keine Bruten stattgefunden haben. Sie sind deshalb nur als Brutvögel zu werten, wenn vorher mindestens eine weitere Beobachtung im selben Gebiet stattgefunden hat. Wurden im weiteren Umfeld (bis 3 km) vorher keinerlei Braunkehlchen beobachtet, sollten sie dennoch mit einem entsprechenden Vermerk gemeldet werden, da es sich dann um vorher übersehene Paare handeln dürfte. Eine Kontrolle ehemals besiedelter Gebiete vor dem eigentlichen Kartierzeitraum kann hilfreich sein, um festzustellen, ob überhaupt noch geeignete Habitate vorhanden sind.

Habitatwahl
:
Braunkehlchen werden häufig an Nutzungsgrenzen oder Saumstrukturen beobachtet, ohne dass unmittelbar klar ist, welche Bedeutung (Neststandort, Nahrungshabitat) die einzelnen Flächen für die Art haben. In der Spalte „Biotoptypen“ sollten in diesen Fällen der Einfachheit halber die jeweils angrenzende(n) Fläche(n) eingetragen werden, z.B. „GI/SW“ bei Beobachtung eines Braunkehlchen auf einem Zaun zwischen einer intensiv genutzten Grünlandfl äche (GI) und einem Gras-/Krautsaum an einem Weg (SW). Die zu verwendenden Abkürzungen sind auf dem Meldebogen erklärt. Ein wesentliches Ziel der Abfrage der genutzten Biotoptypen ist die Frage, in welchem Umfang Braunkehlchen (noch) Grünlandfl ächen besiedeln.

Meldebogen
:
Bitte möglichst nur den Braunkehlchen-Meldebogen verwenden. Einen Kartenausschnitt mit dem bearbeiteten Gebiet und den vermuteten Reviermittelpunkten unbedingt beifügen. Pro Revier bitte eine Zeile ausfüllen, Revierpunkte durchnummerieren und Biotoptypen zuweisen. Sofern lediglich eine Beobachtung erfolgte, nur Brutzeitfeststellungen ab dem 20. Mai melden. Offensichtliche Durchzügler bleiben unberücksichtigt. Wenn Sie Daten aus Vorjahren melden, bitte das Erfassungsjahr angeben. Sollten in einem Gebiet keine Braunkehlchen festgestellt werden, bitte trotzdem Meldebogen und Karte abgeben!
Karten:
Karten (TK 25-Quadranten) können kostenfrei heruntergeladen werden unter:
https://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/staatliche_vogelschutzwarte/vogelartenerfassungsprogramm/infos_aktive_melderinnen_und_melder/digitale-karten-zur-mitarbeit-an-den-niedersaechsischen-arten-erfassungsprogrammen-126636.html
Weiterer Bedarf an Meldebögen kann auch durch Kopien der Vorlage (Vorderseite ausreichend) oder durch Nachbestellung bei den Koordinatoren (Adresse s.o.) bzw. bei der Staatlichen Vogelschutzwarte gedeckt werden.

Literatur
:
ANDRETZKE, H., T. SCHIKORE & K. SCHRÖDER (2005): Artsteckbrief Braunkehlchen. In: SÜDBECK P. u.a. (Hrsg.): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. S.516-517, Radolfzell.
DANKELMANN, M. (2017): Bericht zum Wiesenvogelschutz (inkl. Trauerseeschwalben) in der Lüchow-Dannenberger Elbtalaue. Unveröffentlicht.
KRÜGER, T., J. LUDWIG, S. PFÜTZKE & H. ZANG (2014): Atlas der Brutvögel in Niedersachsen und Bremen 2005-2008. Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachsen Heft 48 1-552 + DVD Hannover.
KRÜGER, T. & M. NIPKOW (2015): Rote Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Brutvögel – 8. Fassung, Stand 2015. – Inform.d. Naturschutz Niedersachs. 35 (4) (4/15): 181-256.
RICHTER, M. (2011): Verbreitung, Bestand und Habitatwahl des Braunkehlchens Saxicola rubetra in Niedersachsen und Bremen – Ergebnisse einer landesweiten Erfassung 2008. Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 42: 13-38.
RICHTER, M. (2015): Verbreitung, Bestandsentwicklung und Habitatwahl des Braunkehlchens Saxicola rubetra in Niedersachsen. In: BASTIAN, H.-V. & J. FEULNER (Hrsg.): Living on the Edge of Extinction in Europe. Proc. 1st European Whinchat Symposium, 55-62. LBV Hof, Helmbrechts.
SIEMS-WEDHORN, C. (2016): Frühjahrsdurchzug des Braunkehlchens Saxicola rubetra in einem Rastgebiet im Landkreis Lüchow-Dannenberg, Germany. WhinCHAT 1, 55-57.
SIEMS-WEDHORN, C. (2017): Das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) im Landkreis Lüchow-Dannenberg - Weitere Bestandsrückgänge in Teilgebieten. WhinCHAT 2, 10-13.

KontaktMitglied werdenImpressumDatenschutzSitemap Seite drucken