Rotmilan-Erfassung 2019 - Hinweise für die Erfassung und Auswertung

1. Erfassung
Untersuchungsgebiete sollten bevorzugt auf regionaler oder lokaler Ebene (z.B. Landkreis, Gebiet einer ornithologischen Arbeitsgemeinschaft) zwischen den Bearbeitern abgestimmt werden. Eine Ansprache lokaler Gruppen erfolgt über den Landeskoordinator.
Die Erfassungen sollten bei günstigen Witterungsbedingungen erfolgen. Bei Regen sowie sehr kühlem und diesigem Wetter sind die Tiere nicht aktiv.
Für die systematische Erfassung eines Untersuchungsgebietes ist zur Ermittlung der besetzten Reviere folgendes Vorgehen insbesondere im März sinnvoll:

  • Aufsuchen von geeigneten Übersichtspunkten mit guter Fernsicht und Suche mit dem Fernglas nach Rotmilanen für ca. 30 min.
  • Ggf. neuer Standort in einem Abstand von ca. 2 km
  • Beobachten von Balzverhalten, ggf. Einflügen in Gehölze,
  • "Verfolgen" der Vögel mit Fernglas und ggf. vorsichtig durch Ortswechsel
  • im späteren Verlauf der Brutzeit sind erneute Kontrollen in besetzten Revieren/Horstkontrollen von Bedeutung

Termine
Horstsuche bis Ende April möglich und sinnvoll, dabei vorrangig Feldgehölze und Waldränder (bis ca. 100 m in den Wald) absuchen.

1. Mitte bis Ende März (Balz, Nestbau, Territorialverhalten),
2. Anfang bis Mitte April (Balz, Territorialverhalten, Kontrolle der Nestbesetzung),
3. Ende Juni bis Mitte Juli (Beute eintragende Altvögel, flügge Jungvögel in Nestnähe bzw. im Brutrevier).

Günstige Tageszeit: Ca. 1 Stunde nach Sonnenaufgang bis Mittagsstunden, abends bis 1 Stunde vor Sonnenuntergang.
Grundsätzlich gilt, dass möglichst drei Begehungen der jeweiligen Gebiete in den genannten Zeiträumen stattfinden sollen.
Wenn jedoch nur wenig Zeit zur Verfügung steht oder nur wenige Personen zur Erfassung bereit sind, sollten in (größeren) Gebieten mit bekannten Vorkommen nur zwei Erfassungen (dann vorzugsweise im April und Juni/Juli) durchgeführt werden und statt einer dritten Begehung vorrangig bisher nicht regelmäßig oder gar nicht untersuchte potenzielle Vorkommensgebiete kontrolliert werden, bevor diese unbearbeitet bleiben.
Auch Nichtvorkommen sind Ergebnisse und mögen bitte gemeldet werden!
Es sind auch vorhandene Daten aus den Vorjahren ab 2015 willkommen, um eine möglichst vollständige Übersicht der Verbreitung geben und ggf. Bestandsentwicklungen nachzeichnen zu können. Dazu gehören auch Meldungen von nicht (mehr) besiedelten Bereichen sowie Vergleichszahlen aus früheren Jahren im selben Gebiet.

2. Auswertung und Meldung
Die Meldung sollte bevorzugt über das online-Meldeportal ornitho (www.ornitho.de) des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) oder alternativ über den beigefügten Meldebogen erfolgen.

2.1 Meldung über ornitho
Bei Meldungen über ornitho beachten Sie bitte Folgendes:
Wichtig: Bitte geben Sie bei allen Beobachtungsmeldungen im Rahmen der Rotmilan-Kartierung das Projekt „Rotmilan-Kartierung NI/HB 2019“ an. Nur dann können Ihre systematischen Beobachtungen von den Gelegenheitsbeobachtungen getrennt ausgewertet werden!
Das Projekt ist zwischen dem 15. März und 15. Juli aktiv. Es ist auch in der App „NaturaList“ verfügbar.

Den Eintrag zum Erfassungsprojekt findet man in ornitho.de unter den optionalen Eingaben unterhalb des Brutzeitcodes.

  • Bitte tragen Sie nach Möglichkeit alle Rotmilan-Beobachtungen bei Ihren Kartierdurchgängen ein. Mit Hilfe der App „NaturaList“ kann das bereits direkt im Gelände erfolgen. Die Beobachtungen können dann noch für andere Auswertungen genutzt werden.
  • Bitte fügen Sie Ihren Eintragungen einen Brutzeitcode hinzu, wenn Sie die entsprechenden Verhaltensweisen beobachtet haben. Bitte beachten Sie jedoch die Hinweise zur Vergabe von Brutzeitcodes. Diese finden Sie in Tabelle 1 (unten) und auf ornitho.de unter „Anleitungen, Hinweise und Tipps "Fachliche Hinweise - Vergabe von Brutzeitcodes" bzw. über "ornitho.de - Hilfe - Symbole und Abkürzungen"
  • Alternativ zur Eintragung der Einzelbeobachtungen können Sie auch das Ergebnis als „Revier“ eintragen. Bitte geben Sie jedoch nicht beides ein, d.h. entweder Einzelbeobachtungen oder Ergebnis.
    Zur Eintragung von „Revieren“ beachten Sie bitte Folgendes:

    • Geben Sie diese einzeln und mit dem Datum der letzten Begehung ein.
    • Bitte setzen Sie den Punkt in das wahrscheinliche Revierzentrum.
    • Geben Sie bitte unbedingt einen Brutzeitcode an, je nachdem, in welche Kategorie der höchste Einzelcode einer Begehung fällt (Tab. 1 weiter unten).
    • Wichtig: Wählen Sie unter „Präzisierung der Beobachtung (Zug, Rast etc.)“ unbedingt den Eintrag „Revier (basierend auf mehreren Erfassungen)“
    • Wir freuen uns, wenn Sie unter "Bemerkungen" Hinweise zu Anzahl und Terminen der Begehungen machen, z.B. 3 Begehungen am 25.03., 10.04. und 30.06.

Unter Präzisierung der Beobachtung kann die Meldung als Revier (basierend auf mehreren Erfassungen) gekennzeichnet werden.
  • Rotmilan-Beobachtungen werden in ornitho.de ab einem Brutzeitcode von A2 automatisch geschützt, d.h. nur Landes- und Regionalkoordinatoren können die Beobachtungeneinsehen. Sie können deshalb auch sensible Beobachtungen bedenkenlos auf ornitho.de melden.
    Hinweise zum Schutz von Beobachtungen auf ornitho.de finden Sie auch unter "Anleitungen, Hinweise und Tipps - Beobachtungen melden - Schutz von Beobachtungen"

Nullmeldungen
Nullmeldungen sind für die Datenauswertung sehr wichtig. Bitte beachten Sie jedoch Folgendes:

  • Bitte tragen Sie keine Nullmeldungen auf ornitho.de ein!
  • Melden Sie Nullmeldungen an den Landeskoordinator unter Angabe des erfassten Raumes (z.B. Kartenblatt der Topographischen Karte, Gemeinde, Landkreis).


Meldung über die App "NaturaList"
Hier gilt das zur Meldung über ornitho.de gesagte. Die Meldungen können jeweils einzeln im Gelände erfasst und exakt verortet werden.

  • Der Brutzeitcode wird hier "Atlascode" genannt.
  • Bitte immer auch das Erfassungsprojekt "Rotmilan-Kartierung NI/HB 2019" angeben
Screenshot NaturaList
Screenshot NaturaList
Zuordnung der Nachweise zu den Brutzeitcodes von ornitho und den erforderlichen Statusangaben zur Brut.

2.2    Meldungen über den Meldebogen

Für Meldungen, die nicht über ornitho erfolgen, bitte den Meldebogen ausfüllen. Dabei erfolgt die Eintragung der Revier-/Brutplatznummer in der Spalte mit dem jeweiligen Status. Dazu sind die zusätzlich geforderten Angaben zu machen.
Ein Kartenausschnitt mit dem bearbeiteten Gebiet und punktueller Lokalisierung der Rotmilan-Reviere sollte unbedingt beigefügt werden. Brutzeitfeststellungen bitte nur angeben, wenn kein höherer Brutstatus vergeben werden kann.
Meldebögen sind auch beim Koordinator und der Staatlichen Vogelschutzwarte im NLWKN erhältlich.

2.3    Besondere Hinweise

  • Ausgeprägtes Territorialverhalten im Nestbereich beachten (ca. 50-100 m), Attackierung von Artgenossen und anderen Arten – z.B. Mäusebussard, Kolkrabe.
  • Der trillernde oder wiehernde Balzruf sowie das "Flaggen" über einem Feldgehölz oder Waldgebiet deuten auf ein Brutrevier.
  • Nester oft klein und mit Plastik- und Stofffetzen versehen, werden im Gegensatz zu Mäusebussard und Habicht im April/Mai nicht mit grünen Zweigen belegt; die zur Brutzeit genutzten Nester werden im April „aufgebaut“ und unterscheiden sich deutlich von Nestern, die nicht wieder angenommen werden.
  • Der Schwanz ragt beim Brüten über den Rand kleiner Nester (je nach Sitzposition nicht immer sichtbar). 3-5 Ausweichnester, die bei Störungen als Brutplatz genutzt werden können (Umsiedlung).
  • In Gebieten mit hohen Dichten sind ggf. Erfassungen von Nestern vor der Brutzeit und Kontrollen während der Brutzeit notwendig.


Literatur
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BAUER, H.-G., BEZZEL, E., FIEDLER, W. (Hrsg.) (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz, 2. Auflage. – Band 1 (Nonpasseriformes - Nichtsperlingsvögel): 802 S., Wiebelsheim.
DEUTSCHE WILDTIERSTIFTUNG (2018): Rotmilan - Land zum Leben. - homepage unter www.rotmilan.org
GELPKE, C. & M. HORMANN (2012): Artenhilfskonzept Rotmilan (Milvus milvus) in Hessen.     Gutachten im Auftrag der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Echzell.
GRÜNEBERG, C., H.-G.BAUER, H.HAUPT, O.HÜPPOP, T.RYSLAVY & P. SÜDBECK (2015): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands. 5. Fassung, 30. November 2015. Ber. Vogelschutz (51) S. 19–69
KRÜGER, T., J. LUDWIG, S. PFÜTZKE & H. ZANG (2014): Atlas der Brutvögel in Niedersachsen und Bremen 2005-2008. Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachs., 48: 1-552+DVD. Hannover.
KLEIN, A., M. FISCHER & K. SANDKÜHLER (2009): Bestandsentwicklung und Gefährdungssituation des Rotmilans Milvus milvus in Niedersachsen. Inform.d. Naturschutz Niedersachs. 29 (3): 136-143. - Hannover.
KRÜGER, T. & M. NIPKOW (2015): Rote Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Brutvögel, 8. Fassung, Stand 2015. Inform.d. Naturschutz Niedersachs. 35 (4): 181-260. - Hannover.
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NLWKN (Hrsg.)(2010): Rotmilan (Milvus milvus), in: Lebensraumansprüche, Verbreitung und Erhaltungsziele ausgewählter Arten in Niedersachsen - Teil 1: Brutvögel. Inform.d. Naturschutz Niedersachs. 30 (2): 85-160. - Hannover.
NORGALL, A. (1995): Revierkartierung als zielorientierte Methodik zur Erfassung der „Territorialen Saisonpopulation“ beim Rotmilan (Milvus milvus). Vogel und Umwelt 8, Sonderheft: 147-164.
WASMUND, N., & E. GOTTSCHALK (2017): Analyse der Rückgangsursachen beim Rotmilan (Milvus milvus) - Die Bedeutung von Nahrungsmangel während der Brutzeit. - In: Mammen, U. (Hrsg.): Populationsökologie Greifvogel- u. Eulenarten 7: 169-180.
WELLMANN, L. (2013): Verbreitung, Bestand und Gefährdungssituation des Rotmilans Milvus milvus in Niedersachsen und Bremen 2008-2012. - In: Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 43 (2): 209-240.

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